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Vereinfacht

03 Nov

Ich mag Vereinfachungen nicht besonders. Das hier ist eine, und ich halte sie für berechtigt: Demokratisches Handeln wurde gegen Geld verkauft. Offen ist, ob es einen Militärputsch geben wird (und wer ihn initiiert bzw. bezahlt), aber das werden wir bald erfahren. Merkel und Sarkozy müsste das gelegen kommen, wenigstens herrscht dann Ruhe.
Frau Illner fragt heute Abend: Europa in der Falle – gefährdet Demokratie unseren Wohlstand? Dumm, wenn man in die eigene Falle tappt. Konsequenzen werden folgen, die den Regierungen sicher nicht passen. Gerade lässt der europäische #occupy-Schwung etwas nach. Ich tippe mal, das sich das schnell ändert.

  • Heribert Prantl: Europas Betriebssystem ist die Demokratie, nicht der Euro, 25.10.
  • Frank Schirrmacher: Demokratie ist Ramsch, 1.11.
  • Hans Hütt: Setzet Euch mit Tränen nieder!, 3.11.
  • Wolfgang Michal: Das Volk als Spielball, 3.11.
  • Jürgen Habermas: Rettet die Würde der Demokratie, 4.11., antwortet auf Schirrmacher und nimmt Bezug auf
  • Wolfgang Streeck: The Crisis in Context · Democratic Capitalism and Its Contradictions (PDF). Zusammenfassung Streeck (Sep. 2011):

    Die sogenannte Finanzkrise von 2008 und die anschließende Krise der Staatsfinanzen müssen als jüngste Manifestation eines alten Konflikts zwischen Kapitalismus und Demokratie gesehen werden, der mit dem Ende der Wachstumsperiode der Nachkriegszeit neu aufgelebt ist. Vorläufer der heutigen politisch-ökonomischen Verwerfungen waren die Inflation der späten 1960er und der 1970er Jahre, die steigenden Haushaltsdefizite
    der 1980er Jahre und die zunehmende Privatverschuldung seit Mitte der 1990er Jahre. In allen Fällen waren demokratische Regierungen mit Forderungen nach steigenden Einkommen und sozialer Sicherheit konfrontiert, die mit einer Allokation von Ressourcen nach den Spielregeln freier Märkte unvereinbar waren.

    Inflation, Haushaltsdefizite und Unter-Regulierung der Finanzmärkte waren im Kern nicht Folgen fehlerhafter Wirtschaftspolitik, sondern dienten der zeitweiligen Zufriedenstellung demokratisch-politischer
    Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, die mit wirtschaftlichen Forderungen nach Profitabilität und Verteilung nach Maßgabe marginaler Produktivität unvereinbar waren. In dem Maße, wie die Auseinandersetzung sich vom Arbeitsmarkt und den Arbeitsbeziehungen auf die öffentliche Haushaltspolitik, anschließend auf die Politik der
    Regulierung des Finanzsektors und von da auf die internationale Geldpolitik verlagerte, wurde der demokratisch-kapitalistische Verteilungskonflikt zunehmend gegen demokratischen Druck von unten isoliert. Gleichzeitig nahmen die den Widersprüchen des demokratischen Kapitalismus inhärenten Risiken zu, mit potenziell schwerwiegenden
    Folgen sowohl für die soziale Integration demokratischer Gesellschaften als auch die Systemintegration fortgeschrittener Marktwirtschaften.

  • Heribert Prantl: Europa und das Orakel von Delphi
 
18 Kommentare

Verfasst von - 3. November 2011 in Europa, Politik

 

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18 Antworten zu “Vereinfacht

  1. Pantoufle

    3. November 2011 at 22:09

    Was Frau Illner fragt, haben die selbsternannten Leistungsträger unserer Gesellschaft schon lange für sich und ihresgleichen beantwortet – nämlich mit „Ja“! Darum befindet sich Europa ja auch in der Falle. Einer selbsgehäkelten immerhin, aber in der Falle.
    Die (beantwortete) Frage ist also wird also von der falschen Person zur falschen Zeit wahrscheinlich nicht beantwortet. Man täte also gut daran, während der Sendung mit dem Hund Gassi zu gehen.
    Oder Marmelade einzukochen – je nach Gusto.
    Gruß
    Pantoufle

     
  2. Heiko

    3. November 2011 at 22:10

    Das, was im Moment in Athen passiert, kann man ruhigen Gewissens als einen, von der so genannten „Troika“ initiierten Putsch bezeichnen.

    Die griechische Opposition ist doch nur der Erfüllungsgehilfe der Brüsseler Technokraten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

     
  3. opalkatze

    3. November 2011 at 22:29

    Ja, das meinte ich. Musste raus, daher arg knapp formuliert. (Immer noch keine Zeit.)

    Da das für Menschen außerhalb des Netzes „die Wirklichkeit“ ist, hör ich mir Illner (& Artverwandte) an und lese auf Twitter mit. Nebenbei: Sehr unterhaltsam.

     
  4. opalkatze

    3. November 2011 at 22:29

    Ich blick noch nicht durch, lese gerade wie verrückt.

     
  5. VonFernSeher

    3. November 2011 at 22:38

    Da das für Menschen außerhalb des Netzes „die Wirklichkeit“ ist, hör ich mir Illner (& Artverwandte) an und lese auf Twitter mit. Nebenbei: Sehr unterhaltsam.

    Ich denke, du magst keine Vereinfachungen?

     
  6. opalkatze

    3. November 2011 at 22:52

    Viele Menschen (nein, keine Links zu den Nielsens oder zu kress) halten diese Talkshows für Politik.

     
  7. VonFernSeher

    4. November 2011 at 03:56

    Und warum glaubst du, dass die alle keinen Internetanschluss haben?

    Beispiel: Ich bin mir ziemlich sicher, was meine Omas (können bei den Rechner noch nicht mal einschalten) von solchen Pissrinnen halten. Aber bei einigen jüngeren Gestalten (a là FB-Statusmeldung „Hunger! Salami oder Käse – beides!“, gefällt Jean-Pascal, Marie Joy und 3 weiteren) wäre ich mir da nicht so sicher.
    (Ok, das war gelogen, ich bin mir sicher: Das ist denen zu kompliziert, so voll mit Politikern und so Nebensätzen und so.)

     
  8. VonFernSeher

    4. November 2011 at 03:58

    Es muss natürlich heißen:
    (können beide den…

     
  9. opalkatze

    4. November 2011 at 04:35

    Lieber VFS, demnächst kann ich wieder aus Spaß an d’r Freud‘ diskutieren.

     
  10. VonFernSeher

    4. November 2011 at 06:34

    Schön, aber es war nicht (nur) aus Spaß an der Freud. Mich nervt diese Attitüde wirklich – allerdings nicht nur bei dir.

     
  11. opalkatze

    4. November 2011 at 07:41

    Seufz. Meine Erfahrung ist, dass die überwiegend meisten Menschen auch auf dem Land mittlerweile einen Internetzugang haben. Sie nutzen ihn aber völlig anders als die meisten Leute in meinem Bekanntenkreis. Ich bin noch mal ein Sonderfall, weil ich ein news- und Politikjunkie bin.

    Normal ist:
    – Brauche ich bei der Arbeit, setze ich mich nach Feierabend nicht schon wieder dran
    – Mit den entfernt lebenden Kindern und Verwandten Kontakt halten
    – Einkaufen
    – Musik, Filme
    – Etwas nachsehen (Bahn, Bus, Telefonnummern)
    – Spielen
    – Die Telekomseite (Startseite des Anbieters) als „Browser“

    Ich kenne hier im Dorf definitiv niemanden (auch nicht im Gemeinderat), der sich im Netz über Politik informiert, das ist in der Stadt nicht anders. Wenn du z.B. die ARD-ZDF-Onlinestudie (von August) ansiehst, wird das bestätigt.

    Für Infos über Politik – sofern sie einen überhaupt interessiert – benutzen die weitaus meisten Menschen immer noch Tageszeitung, Radio und Fernsehen. Und sie denken, in den Talkshows werde Politik gemacht bzw. fühlen sich dort gut informiert. Sie würden sich auch als politikinteressiert bezeichnen, was vermutlich BLÖD-Leser auch von sich behaupten. Umkehrschluss: Es gäbe nicht so viele Talkshows, wenn das Publikum dafür nicht vorhanden wäre.

    Menschen, die sich ohnehin für Politik interessieren oder politisch aktiv sind, nutzen eher das Netz, sehen Phoenix etc. (was, wie du zugeben wirst, auch nicht jeder sieht). Wenn ich mal ganz viel Zeit habe, suche ich die Studien dazu raus (die übrigens bei dRadio Wissen kommentiert wurden und werden). Nielsen, kress, und wie sie alle heissen, haben mehr.

     
  12. VonFernSeher

    4. November 2011 at 14:18

    Es gäbe nicht so viele Talkshows, wenn das Publikum dafür nicht vorhanden wäre.

    Henne oder Ei, Ei oder Henne. Es gibt in Deutschland übrigens tausende von guten Polittalks, 17 davon werden im Fernsehen übertragen (und eine davon kann man in HD kostenlos herunterladen). Erstaunlicherweise wird da viel offener geredet, vielleicht weil es auf die Stimmung sowieso keine Auswirkung hat – guckt ja eh keiner mehr zu. Manchmal muss man ja sogar eine Simulationsebene darüberlegen (und dann trotzdem beim gleichen Sender ausstrahlen), damit alle begeistert „Bürgerbeteiligung!“ rufen können, siehe Stuttgart 21.

    Menschen, die sich ohnehin für Politik interessieren oder politisch aktiv sind, nutzen eher das Netz, …

    Nein, Sie nutzen eher das Netz so wie du und ich. Da ist sie, diese Attitüde.
    Man versteht nicht mehr von Politik, nur weil man sich im Netz darüber informiert und nicht in der Zeitung oder im Fernsehen. Um das zu bestätigen, musst du dir nur deine eigene Zunft im Presseclub anschauen. Die da sitzen, gehören mit Sicherheit zu denen, die das Netz für Nachrichten nutzen und sich wahnsinnig informiert fühlen. Das ist abstoßender als die ganze Woche ARD-Talk zusammen. Ich schiebe das Sichten immer vor mir her wie andere Leute Zahnarzttermine.

     
  13. opalkatze

    4. November 2011 at 18:30

    Oh Mann. Es geht nicht um eine Attitüde, es geht auch nicht um „besser“, verflixt. Es geht einfach darum, wie sich Menschen informieren.

    Ich nehme begründet an, die überwiegende Zahl der Herrschaften, die beim Presseclub sitzen, schauen eben nicht ins Netz (zu besichtigen u.a. auf Christian Jakubetz‘ jakblog). „Wir“ sind immer noch eine absolute, winzig kleine, genau gesagt, verschwindend geringe Minderheit, die in keiner Umfrage auftaucht. Wesentlich höher ist z.B. der Anteil an Marketeers, PR-Leuten und BWLern. Aber auch für die gilt: Ausschnitt-Interessen, Fachgebiete, Spezialwissen, dazu sowohl reger Austausch als auch starke Konkurrenz untereinander.

    Dass sich grundsätzlich jeder Mensch auf „seinem“ Fachgebiet für besonders gut informiert hält, ist normal, sonst könnte er es auch bleiben lassen. Wie weit das den Tatsachen entspricht, stelle ich jeden Tag mindestens drei Mal fest, und das wird auch dir nicht anders ergehen – andernfalls würden wir ja aufhören, zu lernen und könnten uns einmachen lassen. Das hat aber nichts mit der Art des Erwerbs der Informationen zu tun, sondern mit der eigenen Selbsteinschätzung und den Ansprüchen an sich selbst. Daraus zieht jeder andere Schlüsse, ungefähr so bunt und unterschiedlich, wie es Menschen gibt.

     
  14. VonFernSeher

    4. November 2011 at 20:32

    So bunt und vielfältig sind halt nicht nur die Schlüsse, sondern auch die Menschen, die da Netzt nutzen. Ich wüsste nur gerne, wo du da die Grenze zum winzig kleinen Wir ziehst.

    Die letzten Gäste beim Presseclub:

    Jakob Augstein
    Brigitte Fehrle
    Cerstin Gammelin
    Christoph Schwennicke
    Tissy Bruns
    Ulrike Guérot
    Pascal Thibaut
    Roland Tichy
    Marc Beise
    Stephan Hebel
    Ulrike Herrmann
    Birgit Marschall
    – …

    Glaubst du ernsthaft, die informierten sich nicht im Netz?

     
  15. VonFernSeher

    4. November 2011 at 20:47

    Ich muss übrigens selbstkritisch anmerken: Die Information hat mithilfe des Netzes hat für mich natürlich einen deutlich höheren Stellenwert, weil ich im fernen Ausland lebe. Deutsche Zeitungen aus Papier gibt es hier faktisch nicht und auch aus dem Fernsehen sind mir manche Dinge nicht zugänglich. Auch wenn ich vorher auch nicht viel TV geguckt habe und mir nur wenige aktuelle Printprodukte gekauft habe, macht das ganz klar einen Unterschied und ändert es meine Sichtweise. So viel Reflexion muss sein.

     
  16. opalkatze

    4. November 2011 at 20:52

    Meinen innigen Dank.

     
  17. opalkatze

    4. November 2011 at 20:58

    Lies noch mal das mit den Informationsinseln. Gegen die paar Männekes setze ich dir außerdem locker die Überzahl, die es gar nicht tut. Und auch diese hier … Nicht alle.

    Information hat für jeden eine andere Qualität. Um informiert zu sein, reicht es weder, irgendwie auch im Netz zu sein, noch, Fernsehzuschauer, noch, Journalist zu sein. Du matschst immer noch Reihenhäuser und Schlagbohrer durcheinander.

     
  18. VonFernSeher

    4. November 2011 at 23:22

    Die paar Männekes dienen mir ja vor allem als Belegexemplare, die zumindest angeben berufsbedingt die verschiedensten Medien zu sichten. Wer sich die ansieht, darf also feststellen, dass mehr Mediennutzung nicht zwangsläufig mehr -kompetenz bringt.

    Wenn das meine Frage nach dem ominösen Wir beantworten sollte, habe ich es nicht verstanden. Wer sagt denn, dass sich das Wir nicht auch auf seiner ganz eigenen Informationsinsel befindet? Vielleicht kann man die anderen Insel von dort aus etwas besser sehen, aber wenn man kein Holz hat ein Boot zu bauen…

    Du matschst immer noch Reihenhäuser und Schlagbohrer durcheinander.

    Diese Metapher entzieht sich mir, aber es bilden sich lustige Szenen in meinem Kopf – von Samsons und King Kongs, die Reihenhäuser und Schlagbohrer zu matschen vermögen.

    Schlagbohrer können aber in Reihenhäusern sehr sinnvoll gegen Maybrit Illner eingesetzt werden – auch erzieherisch, für den Nachbarn.

     
 
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