RSS

Kleiner Nachtrag zu „Apfelernte“

05 Nov

Heute sind es 17°C, in einer Gegend, in der 25 Grad im Hochsommer als tropisch gelten. Alle Fenster sind noch einmal weit offen, und der Kater genießt die Wärme (und die jagdbaren Vögelchen) von ganzem Katzenherzen.

Die Winter dauern hier gerne mal fünf Monate, und ich meine: Winter. Das hat in dem ohnehin genußfreudigen Völkchen, das hier lebt, wohl die besseren Seiten gefördert. Im Sommer wird gegrillt und gefeiert, dass die Schwarte kracht. Die kalte Jahreszeit haben sich die Menschen gemütlich eingerichtet. In den meisten Haushalten gibt es Holzöfen, auch in den Neubauten, weil das hier immer so war. Wenn man abends das Fenster öffnet, duftet es nach Holzfeuer. Vor Jahren wurde eine Dependance der Kreisbücherei eingerichtet, die, gut sortiert, hilft, an langen Abenden wahlweise etwas für die Bildung, für’s Herz oder für Spannung und Grusel zu tun. Es gibt Rätsel- und Kartenabende im örtlichen Gasthaus, man spielt und isst zu Hause mit Freunden, ruht sich aus und macht Pläne für das kommende Jahr.

Die Frauen stricken über den Winter bunte Wollsocken oder nähen, die älteren Männer flechten Körbe. Auch das war schon immer so. In den alten Gärten gibt es irgendwo ein Eckchen, in dem Weiden wachsen, die sorgsam gepflegt und beschnitten werden. Die Hausfrau zieht derweil in einem kleinen Gewächshaus ein bisschen Gemüse und Kräuter, damit auf diese Tafelfreuden nicht verzichtet werden muss, moderne Züchtungen machen es möglich.

Niemand kommt auf die Idee, vor dem ersten Advent Weihnachtsgedöns zu machen. Obwohl im fünf Kilometer entfernten Supermarkt seit Ende August Printen und Dominosteine auf Käufer lauern, bleibt das Dorf vor solchen Angriffen verschont. Allerdings beginnt gerade die Plätzchenbackhochsaison, in drei Schichten: Für den naschhaften Göttergatten, für Kinder und Enkel, und schließlich für Weihnachten. Früchte- und Birnenbrote wie Stollen werden gut verpackt, damit sie zum Fest „richtig“ sind

Der Bauer-Nachbar hat eben in der jährlichen Großaktion die Kühe von der Weide in den Stall geholt, denn nachts geht es schon an null Grad. Auf meiner Haustür hing noch einmal ein Beutel mit Sellerie, Rosenkohl, dem letzten Lauch und einem prächtigen Wirsing, aus dem Gemüsegarten einer netten Nachbarin. Ich denke mir jetzt ein paar passende Rezepte aus – Kohlrouladen, Rosenkohlauflauf! – und verziehe mich in die Küche. Vorher schließe ich die Fenster. Es wird nun doch kühl. Nächste Woche gibt es den ersten neuen Viez. Und ich werde Plätzchen backen.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 5. November 2011 in Leben, Mensch bleiben, Schön!

 

Schlagwörter: , , , ,

3 Antworten zu “Kleiner Nachtrag zu „Apfelernte“

  1. bembel ::BK::

    5. November 2011 at 17:28

    der Weihnachtsbaum für den Frankfurter Weihnachtsmarkt steht auch schon wieder auf dem Römerberg …

     
  2. Lakritze

    5. November 2011 at 19:39

    Kontinuität tut gut.

     
 
%d Bloggern gefällt das: