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Der Heilsbringer kehrt zurück

20 Nov

Wir haben es immer gewusst. Die Lichtgestalt der deutschen Politik, unser aller schmerzlich vermisster Superminister, der gefallene Engel Karl-Theodor zu Guttenberg, hat uns nicht vergessen. Wir waren immer überzeugt, eines Tages werde er mit ebenso viel Glanz und Gloria zurückkehren, wie er mit Pauken und Trompeten von einem böswilligen Mob verjagt worden war.

Endlich, endlich dürfen wir aufatmen. KT (er möge uns diese kleine, persönliche Huldigung verzeihen) hat in Halifax an einer Konferenz teilgenommen. Nun ja, natürlich hätten seine Mitdiskutanten deutlich prominenter sein müssen, aber hier bahnt sich schließlich Einer seinen Weg aus tiefstem Verleumdungsdunkel zurück an das Licht des hellen Tages. Da nimmt es auch nicht Wunder, dass man, wie SpOn in einem zu Herzen gehenden Beitrag zu berichten weiß, auf Journalisten lieber verzichtet hätte, obwohl diese mindestens in Bataillonsstärke angereist sein sollen.

Offenbar aber hat unser Held seine Schüchternheit im Verlauf der Diskussion überwunden – man darf annehmen, dass die blaue Hermès-Krawatte äußerst stärkend gewirkt hat – und er soll seinen europäischen Beinahe-Politikerkollegen die Leviten gelesen, gar ausgeteilt, haben. Das wissen die WELT und weitere vierbuchstabige Blätter zu berichten. Bei SZ online heißt es lediglich, er habe geschimpft. Natürlich ist das alles Unfug, ein so distinguierter Herr und Gentleman teilt auch in perfektem Englisch nicht aus. Wir sagen: Gut so, KT, das braucht Deutschland jetzt! Einen starken Mann, der weiß, wo es langgeht, und das auch sagt. Gut informierte Kreise treibt zwar noch die Frage um, ob KT ohne Gel und Brille (er soll auch zugenommen haben) noch unser KT ist, aber in Treue feste Verehrer ficht das nicht an. Äußerlichkeiten spielen keine Rolle, wenn einer sich dermaßen um sein Volk sorgt, von dem er durch traurige Umstände getrennt leben muss. Er soll ja auch dem Herrn Papa haben versprechen müssen, dass er eine zweite Doktorarbeit in Angriff nimmt. Das ist eben alter Adel, da gelten Werte und Familienehre noch etwas. Wunderbar.

Um die Ehre ist auch die schöne und liebenswerte Gemahlin bemüht, die sich erneut coram publico selbstlos der schweren Aufgabe stellen will, unschuldige Kinder vor Missbrauch zu schützen. Dabei assistiert ihr kein Geringerer als Til Schweiger, der schon durch seine Affinität zu Spielzeugtieren für diese Funktion prädestiniert ist. Als starke Frau, die bekanntlich hinter jedem Mann steht, wird die Freiin mit ihrem öffentlichen Auftreten für die gute Sache wieder viele Sympathiepunkte für den Gatten sammeln können. Sicher möchte das sympathische Paar ja eines Tages nach Deutschland zurückkehren

Der berühmte Regisseur Nico Hofmann (Bambi-Preisträger!) will sich, obwohl er nach eigener Aussage nicht Helmut Dietl ist, der Verfilmung des tragischen Schicksals zu Guttenbergs annehmen. Dabei sei möglicherweise an eine satirische Form gedacht, was natürlich kaum im Sinn seiner Anhänger sein kann. Zu Guttenberg hat, da sind wir Getreuen uns einig, zumindest einen Weihnachts-Dreiteiler verdient. Drama ist ja genug.

 
11 Kommentare

Verfasst von - 20. November 2011 in Glosse, Kaffeesatz, Politik

 

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11 Antworten zu “Der Heilsbringer kehrt zurück

  1. rauskucker

    20. November 2011 at 15:08

    Ich erlaube mir den Hinweis, daß auch der Beitrag des Wundergrafen zur Förderung der Fischerei viel zu selten gewürdigt wird. Schließlich hat dessen letzter letaler Freundschaftsdienst an dem hinterhältigen Autor seiner ersten Doktorarbeit („E pluribus unum …“) für eine beträchtliche Zunahme des Nahrungsangebots der Fischpopulation einer bestimmten Meeresgegend gesorgt.

     
  2. Angela

    20. November 2011 at 15:50

    KT ist ein gewiefter Spieler. Er spielt in der Öffentlichkeit und mit ihr. Jeder Satz zu ihm oder seiner Holden, ist ein Satz zu viel.

     
  3. Peter Piksa

    20. November 2011 at 16:14

    Schöner Kommentar, liebe Vera. Auch ich habe mir die Freiheit genommen, die neuerlichen Vorgänge gebührend zu kommentieren.

     
  4. bee

    20. November 2011 at 16:27

    Natürlich hat er als erfahrener Staatsmann ein Recht, hart ins Gericht zu gehen mit diesen Regierungen, die sich partout an ihre Verfassungen halten wollen. Das ganze Dilemma in Deutschland kam ja schließlich aus dem Wirtschaftsministerium, wo seit Jahren nur Vollidioten und inkompetente Marionetten jede… oh, warte mal…

     
  5. opalkatze

    20. November 2011 at 18:50

    Nimm Magentabletten und denk nicht mehr dran. Bis zum nächsten Mal.

     
  6. opalkatze

    20. November 2011 at 18:51

    Ehe ich am dicken Hals ersticke —

     
  7. opalkatze

    20. November 2011 at 18:52

    Upps.

     
  8. Angela

    20. November 2011 at 20:39

    :) (Kenn‘ das.)

     
  9. Nuntius

    22. November 2011 at 18:39

    In Zeiten der Mediendemokratie werden es Formate wie KT nicht schwer haben, den Weg zurück aufs politische Parkett zu schaffen. Pah… diese läppischen „Patzer“ in seiner Dissertation. Das hat ihm das nach dem Heilsbringer schmachtende Völkchen doch längst verziehen. Und in Zeiten der Krise, will heißen: der sich anbahnenden Katastrophe, wird der Ruf nach KT sicher lauter werden.
    Vorzeiten habe ich mal auf Dietmar Kampers Begriff der „Stupidität“ als Merkmal heutiger Politik verwiesen, der unser politisches Geschehen auf den Punkt bringt: „Der Vollzug der Macht ist die Kaschierung einer fundamentalen Leere.“ Da braucht es Persönlichkeiten wie KT, denn hinter der über Jahrhunderte antrainierten contenance seines Standes vermag er diese Leere gut zu verbergen… (siehe hier: http://civitaslibertatis.wordpress.com/2010/09/29/stupiditat-grundkategorie-der-politik/)

     
 
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