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Herzlichen Dank, D64

05 Dez

Der Begriff Netzpolitik hat für die Öffentlichkeit außer als „irgendwas mit Internet“ noch keine Bedeutung. Die Deutung als reine Sicherheitspolitik und Gefahrenabwehr verstellt den Blick auf die Chancen der Vernetzung. Daher ist der Zusammenschluß von Menschen wichtig, um auch darüber zu informieren und der regressiven Politik etwas entgegenzusetzen. Obwohl aber alle unter der gleichen Flagge zu segeln scheinen, widersprechen sich die Ziele einiger Interessengruppen. Gegensätzliche Anliegen wie Datenschutz und Post Privacy unter demselben Oberbegriff steigern die Verunsicherung, obwohl vermutlich das Gegenteil bezweckt wird. Alle Gruppen zu einem großen, schlagkräftigen Verband vereinen zu wollen, ist ohnehin Wunschdenken.

Jetzt gibt es eine illustre Neugründung. Über einige der Mitglieder von D64 und deren Zuordnung hat Felix Schwenzel schon etwas gesagt. Über ’nicht elitär‘ sinniere ich noch. Die überwiegend prominenten Mitglieder dürften wohl eher zusammenzucken, würde man das über sie behaupten.

Ziemlich erstaunt bin ich über den Ton des Mission Statements („Ziele“ hätte ja kein Mensch verstanden). Alle Anderen, die sich seit Jahren mit der Thematik beschäftigen, waren anscheinend nicht „aktiv, konstruktiv und kreativ“, sondern haben bloß „nachgedacht“. An politischen Veränderungen waren sie wohl auch nicht interessiert. Dabei dachte ich immer, – ach, egal. Jedenfalls schön, dass sich das nun endlich ändern wird!

Natürlich sind die Bemühungen so alberner Pisselsvereine wie AK Zensur, AK Vorrat oder CCC Peanuts. Da haben so dämliche Ehrenamtliche Zeit, Geld und Nerven aufgebracht – und das nur zum Nachdenken, was für ein Blödsinn. Überhaupt, alles ohne Glamour oder wenigstens Häppchen-Events! Statt dessen Familie und Freunde vernachlässigt, Sonn- und Feiertage einfach ausfallen lassen, Nächte durchgemacht, um noch einen Flyer oder eine Pressemitteilung samt Übersetzung in ein paar europäische Sprachen fertig zu kriegen. Morgens steinmüde zur Brotarbeit gegangen, statt auszuschlafen und sich dann erfrischt an sein neuestes Œuvre zu setzen. Freizeit im Zug verbracht, Verhandlungen geführt, Veranstaltungen geplant, Leute mobilisiert – das kann man nun wirklich nicht ernst nehmen.

Liebe ehrenamtliche Vollidioten, ohne euch zu nahe treten zu wollen – lasst euren unnützen Kram einfach sein. Es gibt jetzt D64. Die können das.

 
15 Kommentare

Verfasst von - 5. Dezember 2011 in Marketing, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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15 Antworten zu “Herzlichen Dank, D64

  1. bee

    5. Dezember 2011 at 10:02

    Wie ich anderweitig schrub: nach den Grünen und der SPD werden bald bestimmt auch die Piraten was mit diesem Internetz machen. Damit soll man sich ja dufte profilieren können. (Hatte ich mal im Fernsehen mitgekriegt.)

     
  2. Angela

    5. Dezember 2011 at 11:04

    „Der Verein ist selbstlos tätig.“ heißt es unter § 3 der Satzung. Die (Vorstands-)Mitglieder sicher nicht alle.

    Es kann ja wohl nicht sein, dass im Vorstand fast nur SPD-Anhänger sind. Was ist das denn für ein Kuschel-Verein?

     
  3. pantoufle

    5. Dezember 2011 at 13:35

    Das Personenregister des Vereins offenbart die Selbstdarstellung eines Stoßtrupps von Überbegabten. Erschreckend! Und alle so unabhängig – außer vielleicht von der SPD. Als Einstiegsdroge sei Stephan Noller empfohlen. Dessen langatmige Selbstdarstellung prügelt das Bullshitmeter bombenfest in den oberen Anschlag – der Rest der Bande klingt auch nicht viel besser. Mission Statement: Darunter tun sie`s nicht! Genau so stelle ich mir die Mädels und Jungs von der SPD vor, die mir endlich einmal das Internet erklären können!
    Gruselig! Der SPD-Netzflügel. Fehlt nur noch die neue Purpurfarbe dieser Partei.

     
  4. marco tullney

    5. Dezember 2011 at 19:41

    Verstehe die Kritik nicht so ganz, die machen doch einen sehr komponenten Eindruck.

     
  5. VonFernSeher

    5. Dezember 2011 at 22:12

    Tja, hängt halt alles nur vom Standpunkt ab, ne. Als ich so über die „Digitale Gesellschaft“ schrieb, galt ich noch als der Miesmacher*. Viel Spaß wünsche ich denen aber beim „Grundwerte […] aktualisieren“.

    *Ganz bestimmt nicht nur ich.

     
  6. pantoufle

    6. Dezember 2011 at 18:13

    Wir schreiben den 6.Dezember anno domini 2011 des Herren. 18:01 Uhr. Das einzige, was ich genießbares zum aktuellen Thema Vorratsdatenspeicherung bei der SPD lese, stammt von http://sozis-gegen-vds.de/. Der letzte Eintrag des sozialdemokratischen D64 stammt vom 1.12.11. Entweder, die arbeiten an einem nobelpreiswürdigen Artikel oder sie haben es schlicht verpennt.
    Das war die erste Chance, laut zu geben.
    Ich höre?? Ja? Nichts?
    …nun ja…
    Die könnten ihren Kater von der Einweihungspartie jetzt ausgeschlafen haben.

     
  7. opalkatze

    6. Dezember 2011 at 22:36

    Du hast das nicht verstanden. Die arbeiten im Geheimen, als Lobbyisten und Netzwerker. Und dann kommen sie ganz groß raus. Bestimmt.

     
  8. pantoufle

    6. Dezember 2011 at 22:52

    Ich bin klein, mein Herz ist meisterpropperrein! Soll niemand drin wohnen, als Marxen allein… äh… was wollte ich sagen: Ja stimmt! Ich verstehe die wirklich nicht! Wenn sie im Geheimen arbeiten wollen, dann sollen sie das machen – da verkündige ich doch nicht mit Feuerwerk die Gründung eines Lobbyistenverbandes. Aber wie ich schon sagte: Ich bin ein total lieber Strickpullover, der ausschließlich an das Gute im Menschen glaubt.
    So ist das!

     
  9. Wilfried Schock

    7. Dezember 2011 at 10:34

    Eindruck ist der perfekte Terminus. Gratuliere.

     
  10. Wilfried Schock

    7. Dezember 2011 at 10:38

    Ein Verein – Produkt des 19. Jahrhundert – als der passende Rahmen um ein Thema des 20. und 21. Jahrhunderts voran zu bringen? Hat denen noch niemand gesagt, das es da neue Entwicklungen rund um das Thema Kommunikation und Netzwerken gibt?
    Kopfschüttel und Grins.

     
  11. pantoufle

    7. Dezember 2011 at 11:27

    Yepp! So isses!

     
  12. VonFernSeher

    7. Dezember 2011 at 16:57

    Lobbyisten verheimlichen nicht ihre Existenz, sondern ihre inneren Zielsetzungen.

     
 
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