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Etwas derangiert

16 Dez

Komisches Ding, das. Ich war im letzten halben Jahr #ausGründen ziemlich abwesend. Natürlich habe ich nicht erwartet, die vertraute Netzwelt unverändert vorzufinden. Klar, dass meine Twitter-Timeline, die noch auf „Ägypten“ stand, überholt ist. Facebook ist erst mal stillgelegt, eine Baustelle weniger. Readereinstellungen müssen neu angepasst werden. Es gibt neue tools, die ich ausprobieren will. Einige Blogs haben ihre Richtung geändert, neue, interessante sind hinzugekommen, andere plötzlich nicht mehr da. Ich segle auf dem großen, wilden Informationsmeer und erbeute Werkzeuge und Zusammenhänge.

Viele ‚meiner‘ Twitterati sind mittlerweile bei Google+. Nur mit mehr als 140 Zeichen. Die Nachrichten kommen mit hoher Schlagzahl – man braucht viel Zeit zum Lesen. Als Debattierplattform ist G+ wunderbar, als Informationsmittel mühsam. Die Diskussionen haben eine hohe Qualität, aber sie zerfasern: Jedes Teilen des Ursprungsbeitrags bedeutet die Zersplitterung der Kommentare in viele verschiedene threads. Das Gefühl, sich zu verzetteln, so viele unterschiedliche Linien nicht mehr verfolgen zu können, erscheint sehr zeitgemäß.

Mit etwas Übung kann man den Kommentaren folgen, die vom ersten Beitrag aus verzweigen. Schließlich entwickeln Menschen seit einigen 10.000 Jahren Strategien. Die neue Netzwelt wird beispielhaft auseinanderklamüsert. Sascha Lobo will wieder zurück zum Blog, Robert Basic findet ein eigenes Blog gegenüber den sozialen Netzwerken nicht mehr so wichtig. Die Einen sammeln, die Anderen verteilen. Alle suchen neue Wege. Manche sehen Chancen, ihre Gegenparts Risiken. Viele nehmen auch die Graustufen wahr, die Möglichkeiten. Schwarz-weiß ist einfacher, nimmt weniger Zeit in Anspruch und setzt einen nicht der Überforderungsgefahr aus. Nur der Eintönigkeit.

Die Politiker machen weiterhin ihr Ding; die Zeitungen, die Journalisten und die Leser. Darsteller, Hersteller und Abnehmer – jeder in seinem eigenen Netz, viele, viele kleine Kreise in einem großen. Die Meisten glauben, sie allein machen es richtig. Kräfte zu bündeln scheint auch nach ein paar Jahrhunderten immer noch eine fremde Idee zu sein. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich bastle mir jetzt erst mal meine persönliche neue Welt. Ob ich das Richtige mache? Ich weiß es nicht. Das ist irritierend, aber auch motivierend: Wieder alles auf Anfang. Leicht derangiert, aber mit vollen Segeln.

 
9 Kommentare

Verfasst von - 16. Dezember 2011 in Basteln, Blogs, Web 2.0

 

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9 Antworten zu “Etwas derangiert

  1. alien59

    16. Dezember 2011 at 16:04

    Ich war zwar nicht abwesend, aber ich komme auch nicht wirklich überall hinterher. Vielleicht interessiere ich mich für zu viele Themen.
    Vieles aber wüsste ich nicht und viele Artikel hätte ich nicht geschrieben, wenn mich nicht die liebe Vera auf Twitter angesetzt hätte. Immer wieder bekomme ich über meine Timeline (die ich sowieso fantastisch finde) Informationen, die sonst nicht jeder hat und kann etwas davon weitergeben. Dafür kann ich mich hier ja einfach mal bedanken.
    Schön, dass du wieder mehr Zeit für uns hast!

     
  2. flatter

    16. Dezember 2011 at 16:36

    Eben, da konzentirere ich mich doch lieber. Die VZs, Fratzenbuch, G+, Diaspora, etc… Blogs sind für jedermann zugänglich und bei Bedarf unter der alleinigen Kontrolle des Betreibers. Es wird vermutlich immer eine Herde geben oder einen Schwarm, der umherzieht und sich irre modern vorkommen wird. Wenn sich irgendwann alles fragt, wo man sich denn nun findet und wo nicht mehr, habe ich immer noch meine eigene Adresse. Und was in denn ganzen „sozialen Netzwerken“ passiert, erreicht mich trotzdem – wenn es relevant ist. Wer freilich Angst hat, was zu verpassen, hat ein echtes Problem mit 24-Stunden-Tagen.

     
  3. opalkatze

    16. Dezember 2011 at 17:00

    Danke, das ist ganz lieb von dir.

     
  4. opalkatze

    16. Dezember 2011 at 17:09

    Ichsachmaso: Ohne Twitter mag ich nicht. Ich hab mir über lange Zeit eine tolle Timeline aufgebaut, woraus sich auch schon nette Bekanntschaften ergeben haben, andererseits informiert sie mich wunderbar. Und mein Blögchen ist und bleibt my castle (auch, wenn es demnächst noch ein Geschwisterchen kriegt).

    Über alles andere denke ich nach. Ich habe eben in einer mail geschrieben, dass wahrscheinlich Kanalisieren das Zauberwort ist – alle Informationen, die ich brauche, mit nützlichen tools an einer Stelle sammeln. G+ ist eine tolle Diskussionsplattform und auch für Fragen aller Art bestens geeignet.

    Dafür, dass ich ein newsjunkie geworden bin, kann ich nix. Das war meine Familie ,) Und das mit den 24-Stunden-Tagen habe ich schon lange gelöst: Ich nehme einfach die Nacht dazu.

     
  5. daMax

    16. Dezember 2011 at 17:49

    Ich komm mit dem ganzen Socialkrams schon lange nicht mehr mit. Twitter finde ich prima, um mal schnell mit zu bekommen, was so bei einem Thema passiert Das geht nämlich auch ganz prima, ohne Mitglied zu sein. Ingesamt ist mir die Geschwindigkeit dort aber zu hoch, länger als eine Stunde halte ich das nie aus. Die ganzen gated communities sind nicht mein Ding, nur soup.io hat es mit persönlich angetan, weil es da so viel tollen Quatsch gibt (eben auch einsichtig für Nichtmitglieder) Ansonsten wie gehabt: 30 Blogs im Reader, einen selber schreiben, ein paar Blicke in Tageszeitungen und gut ist.

     
  6. VonFernSeher

    16. Dezember 2011 at 18:11

    Ich mag auch nicht ohne Twitter, aber ich benutze es nicht als soziales Netzwerk, sondern als der Mikrobloggingdienst, als der es einst gebaut wurde. Und als das funktioniert es sehr gut. So brauche ich auch keine der 12.000 Anleitungen, wie ich 12.001 Twitterern folgen kann. Ich bleibe einfach bei den paar, die mich am besten informieren, und bei einer Liste mit Nachrichten.

     
  7. opalkatze

    16. Dezember 2011 at 19:54

    Öhhm, ja. Mach ich doch auch so?

     
  8. VonFernSeher

    16. Dezember 2011 at 21:15

    Das ist ja aber das, was es vom Rest unterscheidet.

     
 
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