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Flattr kommt einfach nicht in Schwung

28 Dez

„Ausgeflattrt: Nur was für Amateure – oder Großverdiener“ nennt Thomas Wiegold seine Ankündigung, flattr nicht weiter nutzen zu wollen. Dafür macht er vor allem die hohen Abzüge sowie den Aufwand bei der Steuererklärung verantwortlich. Leider hat er recht. Leider wird flattr nicht so genutzt, wie es wünschenswert wäre. Tim Pritlove, Udo Vetter und Stefan Niggemeier sind Ausreißer, die die Regel bestätigen.

Die Infrastruktur besteht, nur müsste sie von mehr Teilnehmern genutzt werden. Das „Umlaufvermögen“ würde größer, mehr Kreative hätten höhere Einnahmen. Und die Rechnung stimmte. Wir halten fest: Grundsätzlich sind nur Wenige nicht bereit, für Inhalte zu zahlen. Das wird von den Verlagen negiert, liegt aber keineswegs am Leser, sondern an den zur Verfügung gestellten Bezahlmodellen. Die Verlage bauen lieber ‚was Eigenes‘ auf, statt ein vorhandenes Angebot zumindest einmal auszuprobieren. Die taz macht mit flattr gute Erfahrungen, die bei höherer Schwungmasse noch besser wären.

Paywalls sind in diesem Zusammenhang wenig geeignet, Abo-Modelle nicht dauerhaft tragfähig, denn kaum jemand will (oder kann) für mehrere Blätter zahlen. Die Zeiten, da man sich mehrere Zeitungen hielt, sind vorbei. Jeder führe sich sein eigenes Leseverhalten vor Augen: Das Angebot im Netz ist groß und verlockend, sowohl auf Blogs als auch bei den Presseerzeugnissen. Man liest hier und dort, folgt den Links, so kommen an einem Tag leicht fünf, sieben oder mehr Zeitungen zusammen, bei denen man liest, häufig übrigens neben ein oder zwei Echtholz-Zeitungen. Preisfrage: Würde man nun eher pro Artikel 1,50 bis drei Euro zahlen oder auf einen – im Voraus mit einer Festsumme bezahlten – flattr-Button drücken?

Dass die Schwelle beim flattrn deutlich niedriger ist als bei Forderungen pro Artikel oder Abos, wird von der Altpresse geflissentlich übersehen. Dallmayr statt ALDI – ein Denkfehler. Letztlich wird es auf etwas ähnliches wie flattr hinauslaufen. Auch ALDI hat sich durchgesetzt. Aber wie es aussieht, lässt man ein eingeführtes System kaputt gehen und genehmigt sich lieber noch Zeit zum Nörgeln über die Gratiskultur. Bis dahin wird es noch öfter heißen, „zum Jahresende lösche ich meine Flattr-Buttons und löse den Account auf“. Dabei wäre es ein wunderbarer Großversuch, der sich auch datenjournalistisch bestens nutzen ließe. Kurzsichtig. Sehr kurzsichtig.

 
19 Kommentare

Verfasst von - 28. Dezember 2011 in Blogs, Medien, Micropayment, Web 2.0

 

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19 Antworten zu “Flattr kommt einfach nicht in Schwung

  1. Sabine Engelhardt

    28. Dezember 2011 at 23:00

    Naja, mit Steuererklärungen hab ich nu nix mehr zu tun, und für mich ist jeder Cent, der für mich übrig bleibt, ein Cent mehr im Geldbeutel. Kleinvieh macht auch Mist. Deshalb bleibe ich dabei.

     
  2. opalkatze

    28. Dezember 2011 at 23:03

    Na, das sagt Thomas ja in seinem Text auch ,)

     
  3. gsohn

    28. Dezember 2011 at 23:10

    Reblogged this on Ich sag mal.

     
  4. Andreas Moser

    28. Dezember 2011 at 23:20

    Ich mache es jetzt anders: Wem mein Blog gefällt, der darf mir ein Buch von meiner Wunschliste – http://andreasmoser.wordpress.com/books-my-wishlist/ – schicken. Ich werde es zum Dank dafür in meinem Blog besprechen.

     
  5. Mitschi

    29. Dezember 2011 at 00:22

    Der geringe Erfolg von Flattr – also die geringen Einnahmen per Flattr offenbaren den geringen finanziellen Wert der meisten Weblogs. Was kostenlos wie Sauerbier feilgeboten wird, kann finanziell auch nicht viel wert sein. Die Möglichkeiten des Internets für jedermann, kostenlos Texte veröffentlichen zu können, hat auch den Wert dieser Texte gegen Null gesenkt. Wenn jeder ins Internet kritzeln kann, ist es in den allermeisten Fällen finanziell nichts mehr wert. Das könnte die die Netzgemeinde nach ca. zehn Jahren finanziell weitgehend ertraglosen Webloggens eigentlich langsam mal begreifen. Mit Weblogs läßt sich kaum Geld verdienen, sondern allenfalls Aufmerksamkeit. Was ja sowenig auch nicht ist.

     
  6. opalkatze

    29. Dezember 2011 at 00:33

    Wäre es nicht sinnvoller, das dann auch auf deinem Blog anzubieten?

     
  7. opalkatze

    29. Dezember 2011 at 00:35

    Das war eigentlich nicht das Thema.

     
  8. egghat

    29. Dezember 2011 at 16:03

    Tja, wie bekommt man mehr Leser dazu, sich bei Flattr anzumelden? Das ist die große Frage … Ich habe ja schonmal über einen Streik nachgedacht … So nach dem Motto „Ich schreibe erst wieder, wenn ich 10 neue Abonnenten habe“ …

     
  9. opalkatze

    29. Dezember 2011 at 16:54

    Nein, das löst das Problem nicht. Die Erhöhung des Umlaufvermögens müsste nicht nur von mehr, sondern auch von solventen Teilnehmern kommen. Solange die Einsätze bei 2,–/Monat liegen, bleibt zu wenig hängen (Ausnahmen siehe oben). Selbst, wenn die Beträge weiterhin im Centbereich lägen, würde mehr Geld an mehr Leute verteilt, was eine stetige Einnahmensteigerung über alles ergäbe.

    Ich flattre zwischen 5 und 8 Euro im Monat, je nach Einnahmen. Diesen Monat waren es 5,–, im Moment liegt der Wert für einen Klick von mir bei –,42. Von einigen meiner Leser weiß ich, dass sie 20, einer 50,–/Monat ‚ausgeben‘, weil ihre eigenen Einnahmen das erlauben. Werden Beiträge von ihnen geflattrt, sieht meine Monatsbilanz ganz anders aus, weil der einzelne Klick dann auch mal 2,– oder mehr wert sein kann. Natürlich ist das immer noch sehr wenig, aber trotzdem stimmt das Modell.

    Hat auch was mit der Mentalität zu tun: Die Deutschen warten immer lieber erst mal ab, dabei ist ihnen oft nicht bewusst, dass Risiken auch Chancen bergen – zumal bei niedrigen Risiken wie hier.

     
  10. egghat (@egghat)

    29. Dezember 2011 at 17:30

    Ich flattere auch 5 bis 8 Euro. Wenn ich bei den Klicks einen Euro unterschritten habe, erhöhe ich auf 8. Am Ende des Monats mache ich meinen Flattr-Friday (#flattrfriday) und schicke meinen Lieblingstwitterern noch ein paar Flattrklicks, bis ich irgendwo zwischen 50 Cent und 1 Euro pro Klick lande.

    Warum nützen die 2-Euro-Flatterer nichts? Ich meine, das ist doch das Prinzip des Micropayments. Lasst einmal im Monat eine Zeitschrift/Zeitung am Kiosk liegen und verteilt die 3 oder 5 Euro in die Blogosphäre. Wo da die Schwelle sein soll, verstehe ich ehrlich gesagt nicht.

    Die Artikel hier haben 100e von Abrufen. Wenn davon nicht nur 5% der Leser Flattr nutzen würden (von denen dann auch nur 3% klicken), sondern 50% Flattr-Nutzer wären, würden sich auch deren Cent-Beträge bemerkbar machen. Ich verlange ja auch gar nicht, dass Leser mir direkt Euros überweisen. Ein Handelsblatt kostet auch 2,50 und hat 100 (?) Artikel, was 2,5 Cent je Artikel ergibt. Ich maße mir da nicht an, dass ein Artikel von mir 2 Euro wert ist.

    Was mir aber auch wichtig wäre: Wenn die Leser erstmal merken, dass ihre Flattr-Cents was nutzen, erhöhen sie vielleicht auch ihren Einsatz. Das wichtigste ist IMHO, dass die Schwelle übersprungen wird.

    Dummerweise wird der belohnenswerte Content mit Abmeldungen auch nicht mehr … Ich lese jeden Tag zig Artikel, die ich gerne flattern würde, aber es nicht kann …

     
  11. opalkatze

    29. Dezember 2011 at 18:15

    Artigen Dank :)

     
  12. opalkatze

    29. Dezember 2011 at 18:39

    Zustimmung. Was könnte bewirken, dass sich das ändert? flattr bietet ja seit geraumer Zeit auch ‚leere‘ accounts an, vielleicht liesse sich das als Argument für den Einstieg nutzen? Konzertierte Blogaktion?

     
  13. Sarah

    29. Dezember 2011 at 20:04

    Ich nutze Flattr erst seit diesem Monat und bin noch in der Probier-Phase. Allerdings ist mein Eindruck, dass ich – mit meinen Blogs – da nicht sooo viel werde rausholen können, da sich bei mir eher nicht die „typischen Blogleserschaft“ sammelt. Bei meinem Opernblog habe ich z.B. viel Publikum, das über Google kommt und nach einer ganz bestimmten Opernkritik oder geschichtlichen Information sucht.

    Und von meiner regelmäßigen Leserschaft kennen z.B. viele das mit den Feed-Readern, etc. gar nicht und rufen meine Seite immer über Google-Suche „Opernblog Sarah-Maria“ auf. Flattr sagt denen dann erfahrungsgemäß so rein gar nix. Aber ich warte trotzdem erstmal ab – und hoffe, dass sich einige meiner Leser dort anmelden. ;)

    Denn die Idee an sich finde ich gut, der Button stört nicht und wer will kann ja weiterhin gratis lesen ;)

     
  14. Marius

    29. Dezember 2011 at 21:39

    Mir scheint der ganze Ansatz falsch. Fragt mal eure nicht-internetaffinen Leute, ob sie Flattr kennen. Wenn Flattr wie Facebook wäre – einfach anmelden und loslegen – würde es gut funktionieren. Oder wenn ein Bezahlsystem über PayPal oder Ähnliches laufen würde.
    Andererseits kann ich die Einstellung der Leute, die sich wieder abmelden nur teilweise nachvollzeiehen. Flattr ist eine Form, Anerkennung zu zeigen, dass man ein Blog darüber finanzieren kann ist utopisch. Ich mache es nicht, weil ich ebenfalls keine Lust auf die Steuern habe und genug mit meinem Job verdiene.

     
  15. opalkatze

    30. Dezember 2011 at 01:21

    Da hilft vornehme Zurückhaltung aber nicht – du musst deinen Lesern schon mitteilen, dass es eine Möglichkeit gibt, deine Arbeit zu würdigen. Sie kommen ja auf dein Blog, weil sie dort etwas mögen. Nimm sie ruhig ein bisschen an die Hand und erklär ihnen das mit den Feeds auch mal.

     
  16. Mitschie

    30. Dezember 2011 at 11:09

    @opalkatze
    Das ist schon das Thema, wenn es im Beitrag und in den Comments auch um Blogs geht. Journalistische Artikel sind dabei als Texte prinzipiell nichts Anderes als Blogtexte. Sie stehen sogar in Konkurrenz zueinander. Ich halte freiwillige Zahlungen im übrigen für kein tragfähiges Geschäftsmodell für Onlinemedien, weil es der ökonomischen Vernunft und dem ökonmischen Kalkül von Individuen widerspricht, für etwas zu bezahlen, das man auch umsonst kriegt. Das Angebot von Produkten gegen freiwillige Zahlungen ist im Prinzip schon ein Eingeständnis, dass es vorerst finanziell wenig bis nichts wert ist. Denn sonst würde man nämlich schlicht von vornherein Geld dafür verlangen.

     
  17. opalkatze

    30. Dezember 2011 at 12:06

    Das ist hier unter anderen Artikeln schon durchgekaut worden. Wenn es das Angebot gibt, sollte man es ruhig ausprobieren. Kaum jemand wird denken, dass er damit reich wird. Die meisten haben es angefangen, weil sie es für eine nette Art hielten, dankeschön zu sagen.

     
  18. Andreas Moser

    29. Januar 2012 at 23:01

    Das habe ich jetzt gemacht: http://andreasmoser.wordpress.com/2012/01/29/paywall/ – Bisher schon eine positive Rückmeldung einer treuen Leserin.

     
 
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