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Noch mal Wulff

20 Jan

Ja, doch, eigentlich ist alles von allen gesagt, und mehr. Dennoch sei eine Bemerkung erlaubt. Ich las eben diesen Artikel in der WELT. An diese Art Berichte werden wir uns gewöhnen müssen, wenn der starrköpfige Rabattpräsident im Amt bleibt. Es wird nicht mehr um den Anlass seiner Auftritte gehen, sondern nur noch um die akribische Beobachtung dessen, was er wie wo sagt, wie dabei seine Gestik und Mimik zu deuten seien und welchen Eindruck der Auftritt insgesamt hinterlasse.

Seinen möglicherweise irgendwann früher vorhandenen moralischen Bonus hat er selbst verzockt. Die harschen Urteile über die Verfehlungen anderer fallen auf ihn zurück. Die Motti der Veranstaltungen unter Wulffs Mitwirkung werden künftig hauptsächlich als Titelgeber für Berichte über sein Verhalten dienen, der Kontext des Ereignisses in den Hintergrund treten.

Ganz gleich, ob man ihm strafrechtlich relevante Vergehen wird nachweisen können: Der Präsident, der so viel Kredit nahm, hat selbst keinen mehr. Aus den Tausenden von Puzzlestücken, die in den letzten Wochen von ihm und über ihn bekannt wurden, ergibt sich ein Bild. Es ist das des Kleinbürgers, der bei den Großen mitspielen wollte und dafür seine Glaubwürdigkeit verkauft hat. Der nicht in der Lage ist, Fehler zuzugeben und reinen Tisch zu machen. Es ist nicht sympathisch, was da zu sehen ist, und wird als Hintergrund für ewige Sticheleien dienen. Auch im Ausland wird in jedem Artikel über ihn ein Neben- oder Nachsatz stehen, der an die Affäre erinnert. Dass die nötigen Konsequenzen von der Einsicht des Uneinsichtigen abhängen, ist ein dauernder Makel. Das haben die Personen und Anlässe, über die eigentlich zu berichten wäre, nicht verdient.

 
11 Kommentare

Verfasst von - 20. Januar 2012 in Politik

 

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11 Antworten zu “Noch mal Wulff

  1. VonFernSeher

    20. Januar 2012 at 11:18

    Es ist das des Kleinbürgers, der bei den Großen mitspielen wollte und dafür seine Glaubwürdigkeit verkauft hat.

    Es ist das Bild eines Supermarkteinweihers, der sein Privatleben für zeitweilige Glaubwürdigkeit an die Bild verkaufte, weil die Großen jemanden zum Spielen brauchten.

    Heute Vormittag werden sich etliche Pressevertreter auf den Weg nach Berlin-Wannsee machen. Sie möchten in der Gedenkstätte am Ort der berüchtigten „Wannsee-Konferenz“, auf der vor genau 70 Jahren die Durchführung des Holocausts in ersten schriftlichen Umrissen erkennbar wurde, einen möglichst guten Platz ergattern. Denn sie wollen genau beobachten, welche Regungen und welches Mienenspiel Bundespräsident Christian Wulff dort zeigt.

    Eine gar unappetitliche Bande. Dann doch lieber Staubsauger oder Versicherungen.

     
  2. Hajo

    20. Januar 2012 at 11:21

    Eine kleine Korrektur: Es waren nicht die Großen, bei denen er mitspielen wollte, sondern die Halbseidenen, die er für Große hielt.

     
  3. opalkatze

    20. Januar 2012 at 11:45

    Nun gut, was die Rhetorik angeht, mag man darüber streiten. Aus seinem Blickwinkel sind es die Großen.

     
  4. opalkatze

    20. Januar 2012 at 11:55

    Richtig. Für Kleinwagen hätte es vorher vielleicht auch noch gereicht.

     
  5. Angela

    20. Januar 2012 at 11:58

    Gutes Posting – sonst wird man ja schon zugemüllt.

     
  6. opalkatze

    20. Januar 2012 at 12:24

    Danke :) Obwohl ich eigentlich die ganze Zeit was anderes machen soll …

     
  7. Lakritze

    20. Januar 2012 at 18:10

    Du faßt es perfekt zusammen; exakt das ist die psychologische Wirkung des ganzen Hickhacks.

     
  8. Richard Albrecht

    21. Januar 2012 at 16:57

    Hallo @ OK

    Auchich mitunterzeichnete am 2312011 den taz.Aufruf WULFF MUSS WEG -> http://bewegung.taz.de/aktionen/wulf-muss-weg/beschreibung und meine heute noch: Heiligabend wärs guter Rücktritttermin gewesen.

    Der Link zur Welt bestätigt das – es ist m.E. peinlich(er als peinlich). Dies für mich härteste Einzelheit in der CAUSA WULFF auf dieser Ebene und auch für „die Nachgeborenen“ (Bertolt Brecht) instruktiv ist das, was ich das BOBBYCAR-SYNDROM – BIZARR(ER ALS BIZARR) oder GROTESK(ER ALS GROTESK) nennen und fragen möchte:

    Geht´s in der Causa Wulff noch bizarrer oder grotesker?

    An sich interessiert (jedenfalls mich) die auch in der Verfassung n i c h t vorgesehene Frau B. Wulff nicht … aber die instruktive Einzelheit, daß sich die Familie des BP-Wulff für deren Sohn ein Kinder“bobbycar“ nicht selbst kaufte, sondern schenken ließ, folglich nicht mal das Kinderspielzeug selbst bezahlte, ist m.E. für „die Nachgeborenen“ höchsterhaltenswert nach dem Motto:

    Und genau diese Typen sind seit Jahrzehnten führende ganzdeutsche „Spitzenpolitiker“ oder Politspitzen … ich fürchte, tiefer kann man/Mann nicht sinken.

    Oder doch?

    Könnte demnächst – wie weiland bei Peter-Hartz-Vier aus Braunschweig bekannt geworden und auch vom ganzdeutschen Großliteraten Martin Walser bei Rowohlt-Hamburg genüßlich mitgeteilt – noch ´n Gratispuffbesuch in Braunschweig oder/und andernorts in Niedersachsen (NS) und/oder wo auch immer andernorts herauskommen? Schaunwermal …

    Gruß ;-)

    Richard Albrecht/210112

     
  9. Richard Albrecht

    29. Januar 2012 at 11:19

    @ OPALKATZE

    Es scheint ruhig geworden zu sein um den CDU-Politikfunktionär BP Wulff nach dem CDU-Aussitzermotto. Das nur kurz politlyrisch so gekenneichnet werden kann:

    DIE CDU, DIE CDU
    LERNTE NICHT WIRKLICH WAS DAZU

    Bleibt die Frage: Ruhe sanft, Trügerische Ruhe oder Ruhe vor dem Sturm? Schaunwermal…

    Gruß Richard Albrecht, 290112

     
  10. Robson Bottle

    30. Januar 2012 at 13:11

    Na ja, was heißt „ruhig geworden“?
    Immerhin staatsanwaltliche Hausdurchsuchung im Schloß Bellevue!
    (Bei mir war noch nie eine Hausdurchsuchung!)
    Ach ja, natürlich, ist ja „nur“ das Büro vom ehemaligen „Faktotum“ und engsten Mit- und Zuarbeiter des Bundespräsidenten … na dann kann’s wieder ruhig werden …

     
  11. Richard Albrecht

    31. Januar 2012 at 09:11

    @ Blogger

    Betr. Noch-Immer-BP

    Als vor nunmehr zweiundzwanzig Jahren in der Noch-DDR aussm Westen eingereiste Jungeunionler ´n Marxkopf mit dem Spruch plakatierten: Tut mir leid, hab mich geirrt, schrieben paar Aktivist(inn)en mit schwarzem Filzstift drauf:

    LIEBER GOTT UND DU
    VERGIB DER CDU.

    Ob der da oben der CDU jemals die CAUSA WULFF wird vergeben können?

    Richard Albrecht am 31.01.02
    _http://gegen-den-strom.org_

     
 
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