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Dialog auf kleiner Flamme

04 Feb

Wir müssen reden. Auf kleiner Flamme, weil schon die Lautsprecher und Nebelkerzengießer rhetorische Großfeuer anfachen, die zu nichts führen. Schön, dass man so einfach in die Schlagzeilen kommen kann. Die Presse hat starke Worte und Kontroversen nun mal lieber als zielgerichtete Debatten. Wähler, die dieses Dauerfeuer nötig haben, mögen sich an ihm die Finger verbrennen. Dann müssen wir das eben außerhalb des Funkenflugs der vereinigten Feuerwerksmusiker machen.

Ist euch das aufgefallen? Seit ein paar Monaten kommen Menschen miteinander ins Gespräch, die bis dahin ihre Lagergrenzen selten überschritten haben. Das gilt für alle Geschmacksrichtungen: rot, grün, schwarz, orange, gelb. Die einzige Gemeinsamkeit ist das Schreiben ins Internet. Irgendwo läuft man sich über den Weg, zufällig. Durch Kommentare in den sozialen Netzwerken ergibt sich ein loser Kontakt. Man sieht mal nach, ob der vielleicht auch twittert oder bloggt, kennt ihn womöglich unter einem Pseudonym oder folgt ihm sogar. Beim Lesen des „gegnerischen“ Blogs großes Erstaunen, hey, der hat ja ein paar ganz vernünftige Ansichten. Mit dem würde man glatt freiwillig ein Bier trinken gehen. Dann kann man ja getrost mal auf dem Blog oder im Stream ein bisschen frotzeln. Und mitdiskutieren.

Das wird nicht immer gleich zu einem Treffen wie zwischen Stephan Urbach und Herrn zu Guttenberg führen. Schön, wenn so etwas geht, aber sachlicher Gedankenaustausch im Netz ist ja auch nicht zu verachten. Der Vorwurf, Altmaier, Tauber und Frau Wöhrl machten ja bloß PR, ist unfair. Erstens ist PR nicht verboten, wir machen das auch. Und sie geben sich Mühe und stecken einige Zeit da hinein, die ziemlich knapp sein dürfte. Es ist nicht so wichtig, aus welchen Beweggründen Kommunikation beginnt, Hauptsache, sie findet statt. Wenn man einen Dialog führen kann, bleibt meist irgend etwas hängen. Besseres Verständnis für andere Standpunkte ist auch ein Fortschritt. Überhaupt zu reden, ist ein Fortschritt.

Diese kleinen Gelegenheiten müssen wir suchen und nutzen. Die Gemeinsamkeiten von Netzmenschen sind größer, als die Flammenwerfer es gern hätten. Die sollen ihre Einbahnmonologe ruhig weiter halten, die müssen auch wahlkämpfen. Lasst sie. Die werden sich nicht mehr ändern. Aber hier unten, auf der kleinen Flamme, läßt sich vielleicht was bewegen.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 4. Februar 2012 in Blogs, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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Eine Antwort zu “Dialog auf kleiner Flamme

  1. Hein Mück

    7. Februar 2012 at 11:12

    ad „Wir müssen“ s. Sascha v. 10.1.12.
    ad „reden.“ Tun wir doch schon. Rote Pille?

     
 
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