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Professorengehälter

14 Feb

Gönne ich ihnen, völlig in Ordnung. Aber die Argumente, die eben in der 19:00 Uhr-heute vorgetragen wurden, machen mich stinksauer. Demnach ist es in Ordnung, wenn ein Professor für gute Arbeit eine angemessene Besoldung bekommt; das sei auch ein Anreiz, sagt Frau Schavan. Das heißt im Umkehrschluss, dass andere Arbeitnehmer weder einen Anreiz benötigen, noch, dass ihre Arbeit angemessen zu bezahlen sei. Ein gut ausgebildeter Facharbeiter, eine Friseurin, ein Krankenpfleger ist folglich weniger wert als ein Professor. Oder leisten sie etwa alle schlechte Arbeit?

Die Geringschätzung schlägt sich seit Jahren in Gesetzen nieder. Die Kanzlerin kann sich mit den fabelhaften Arbeitsmarktzahlen schmücken, ohne weiter über das Zustandekommen dieser Zahlen nachzudenken. Hauptsache, die Arbeit wird irgendwie erledigt. Bier ist Bier, und da interessiert eher wenig, wie viele dieser Arbeitsverhältnisse sozialversicherungspflichtig und anständig vergütet sind. Bezeichnend, dass ohnehin nur noch von Jobs die Rede ist, wo in Wirklichkeit Arbeitsstellen gemeint sind, die dem Lebensunterhalt dienen sollen.

Die verächtlichen Bemerkungen in den abendlichen Nachrichten werden die deutschen Arbeitnehmer genau so erfreuen, wie die Briten der Satz Volker Kauders „Jetzt auf einmal wird in Europa deutsch gesprochen – nicht in der Sprache, aber in der Akzeptanz der Instrumente, für die Angela Merkel so lange und dann erfolgreich gekämpft hat“. Wer nicht überlegt, wie und wo er etwas sagt, muss sich nicht wundern, wenn er falsch verstanden wird: Europa spricht deutsch. 12 Millionen Deutsche leben in Armut, Frau Schavan. Darunter werden sehr wenige Professoren sein. Die werden aber auch nicht als Erste auf die Straße gehen, wenn das Maß voll ist.

 
10 Kommentare

Verfasst von - 14. Februar 2012 in Politik

 

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10 Antworten zu “Professorengehälter

  1. Jörg Burandt

    14. Februar 2012 at 21:42

    „In demselben Maße, in dem die Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt daher der Lohn ab.“ – Manifest der Kommunistischen Partei, I. Marx/Engels, MEW 4, S. 469, 1848

     
  2. sunnyromy

    14. Februar 2012 at 21:53

    Reblogged this on SunnyRomy.

     
  3. der P

    15. Februar 2012 at 09:17

    also ich sehe diesen Umkehrschluss nicht. Nur weil etwas für eine Berufsgruppe festgestellt wird, heißt das doch nicht automatisch dass dies für alle anderen nicht gilt.

     
  4. kormoranflug

    15. Februar 2012 at 19:52

    Nur keine Panik. Bis auf wenige werden wir alle beschissen….!

     
  5. VonFernSeher

    15. Februar 2012 at 20:37

    Es gibt diesen Umkehrschluss nicht; er ist konstruiert. Es geht darum Professoren im direkten Vergleich zum entsprechenden Berufsbild in der freien Wirtschaft wenigtens etwas angemessener zu bezahlen. Und das gilt nicht nur für die Professoren (die ein gutes Beispiel sind, weil sie viele Jahre an Erfahrung mitbringen und sie sich damit gut mit ähnlichen Biografien vergleichen lassen), sondern auch für Assistenten, Privatdozenten, Oberingenieure, etc.

    Ich habe es einige Male erlebt, dass die ersten drei, vier einer Berufungsliste abspringen, weil alle hehren Ziele, die tolle Reputation und die wissenschaftliche Freiheit den finanziellen Rückschritt nicht aufwiegen, speziell wenn sie vielleicht nicht in der Nähe der Universitätsstadt wohnen und eine Familie haben.

    Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass nicht auch andere Berufsgruppen bessere Gehälter verdient hätten, sondern mit der geringen (auch finanziellen) Wertschätzung der Lehrkräfte. Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland: In meinem Fall werde ich als Lehrbeauftragter aufhören und suche mir eine Arbeit in der Privatwirtschaft, weil wir es uns schlicht nicht leisten können beide an der Uni zu arbeiten. Ich will nicht sagen, dass es an deutschen Hochschulen annähernd so extrem ist, aber von einer angemessenen Entlohnung kann bei den allermeisten nicht die Rede sein.

     
  6. opalkatze

    15. Februar 2012 at 21:03

    @VonFernSeher
    Du weißt, dass ich bei so was in Nullkommanix auf dem nächsten Baum bin.

    Die Konsequenzen des Urteils könnten aber weit über die Hochschulen hinaus reichen: Das Alimentationsprinzip, wonach der Dienstherr seinen Beamten einen angemessenen Lebensunterhalt garantieren muss, gilt für alle Beamtengruppen.

    Wir haben alle unsere Trigger. Alimentationsprinzip ist ein schnell wirkender, weil es so vielen Menschen so schlecht geht – für die gelten keine Prinzipien.

     
  7. Helmut

    15. Februar 2012 at 23:25

    Also ich muss sagen, dass es teilweise gerechtfertigt ist, teilweise aber auch nicht. Manche Professoren schicken einfach Ihre Mitarbeiter zu den Vorlesungen und stellen nicht einmal die Klausuren. Da müsste man meiner Meinung nach differenzieren.

    Lieben Gruß

     
  8. VonFernSeher

    21. Februar 2012 at 03:43

    Und deshalb darf es den anderen auch nicht gut gehen. Sehr überzeugend.

    Und weil bei weniger Gehalt dann noch mehr Akademiker aus Idealismus an der Uni bleiben, steigen auch automatisch die Aufstiegschancen derer ohne Alimente. Noch viel überzeugender.

    Viel Spass da oben.

     
  9. opalkatze

    21. Februar 2012 at 06:41

    Nein. Ich verstehe nur nicht, dass einerseits Alimentationspflichten so ernst genommen werden und andererseits der Sozialabbau immer weiter geht. Das eine wird als superwichtig, das andere beinahe als Selbstverschulden dargestellt. Hat was mit Gleichheit oder zumindest mit Achtung zu tun.

     
 
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