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Keine Einsicht

17 Feb

Wir können uns glücklich schätzen, Christian Wulff als Bundespräsidenten und Politiker los zu sein. Er hat die Meinung vieler Menschen bestätigt, Politiker seien eben so – nimm, was du kriegen kannst. Mit dem Rechtsempfinden der Meisten ist es nicht vereinbar, dass eine Verkäuferin für einen nicht ordnungsgemäß abgerechneten Kassenbon ihre Arbeit verliert, der Präsident sich aber anscheinend munter weiter bereichert. Das hat realiter nichts miteinander zu tun, kommt aber bei den Bürgern so an.

Wulff hat es stufenweise immer schlimmer gemacht. Auf jeden weiteren Vorwurf, der hinzukam, ließ er von seinen Anwälten Erklärungen veröffentlichen, die keine waren. Er selbst gab keine Antworten. Sein Lavieren mit Halbwahrheiten war unangenehm. Es genügt nicht, sich in kurzen Interviews oder Statements selbst zu bemitleiden; die Selbstdarstellung als Opfer hat ihm nicht geholfen. Wenn das Volk Vorgänge als falsch empfindet, reicht Schönreden oder gefühlte Sachverdrehung als Erklärung nicht aus. Man muss das Amt nicht künstlich überhöhen, aber es sollte von einer Person besetzt werden, die respektabel ist und allgemein respektiert wird.

Noch seine Rücktrittserklärung ist eine Zumutung. Sie impliziert, einem unbescholtenen Menschen sei bitteres Unrecht zugefügt worden. Dass er nichts falsch gemacht habe, ist nicht haltbar. Ohne ihm bisher Straftaten nachgewiesen zu haben, hätte das klare Eingeständnis gemachter Fehler zumindest einen Rest Anstand bewiesen. Dass er Angriffe auf seine Frau vorschiebt, sie aber nicht selbst durch seinen rechtzeitigen Rücktritt geschützt hat, ist reine Heuchelei. Er hat sie und seine Familie schlecht behandelt. Er hat die Möglichkeit vergeben, sich zumindest mit seiner letzten Ansprache als Präsident noch ein wenig Respekt zu verdienen. Nun wird er als peinlicher Lapsus in Erinnerung bleiben, menschlich wie politisch. Das hat er sich auf der ganzen Linie selbst zuzuschreiben.

 
14 Kommentare

Verfasst von - 17. Februar 2012 in Politik

 

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14 Antworten zu “Keine Einsicht

  1. Andreas Moser

    17. Februar 2012 at 14:36

     
  2. opalkatze

    17. Februar 2012 at 15:15

    Darf ich dir als Linkschleuder Twitter, Facebook und Google+ empfehlen?

     
  3. rainer

    17. Februar 2012 at 15:37

    …lach…er musste so reden, dénn so ist es denn ein Rücktritt aus politischen Gründen …und das rettet ihm den „Ehrensold“………….und unsere FDJ-Sekretärin hat es ja in ihrer Rede bestätigt…..er soll nicht darben…..lach………ein Deal halt, wie üblich unter den POlit-Typen

     
  4. dr demento

    17. Februar 2012 at 17:25

    korrekt, ein deal…und jetzt kommt der nächste vorteilsnehmer und politstricher, hoffentlich schon der stasi-gauck, dann kanns schon mal 1:1 so weiter laufen…arme bananenrepublik!

     
  5. egghat

    17. Februar 2012 at 17:31

    Das ist das Schlimmste …

    Sie machen Fehler und sagen im gleichen Satz, dass sie keine gemacht haben.
    Sie geben jedes Detail nur unter extremen externen Druck zu und nennen das Transparenz.

    etc. pp.

    Das ist echt Orwell.

    Ich weiss ehrlich nicht, ob diese Wulff Rede heute oder die Guttenberg Nummer vor einem knappen Jahr peinlicher war …

    Puh, wo sind die Politiker, die mit den Glauben an die Politik zurückgeben?

     
  6. opalkatze

    17. Februar 2012 at 17:37

    Das Schlimme ist – die gibt’s. Die Tausende Ehrenamtlichen an der Basis. Je höher du steigst, desto abhängiger wirst du von Sachzwängen. Wenn dann noch ein, örrem, besonderer Charakter hinzu kommt …

     
  7. VonFernSeher

    17. Februar 2012 at 20:12

    Der Kassenbon (eigtl. hist.Pfand~)? Manchmal bin ich so müde…

     
  8. Medienkanzler

    17. Februar 2012 at 20:32

    Ich bin nicht das Volk. Aber an den Kassenbon muss ich auch immer denken. Das ist alles einfach unglaublich…

     
  9. egghat

    17. Februar 2012 at 23:18

    Tja, da hast du wahrscheinlich Recht.

    Dann wäre die Frage: Wie baut man ein Politiksystem, das diese Sachzwänge, diese Abhängigkeiten, nicht entstehen lassen.

    Ich habe nicht einmal den Ansatz einer Antwort …

     
  10. opalkatze

    17. Februar 2012 at 23:50

    Ich halte das nicht für möglich. Basisdemokratie läuft ab einer kritischen Masse vor die Wand. Um etwas zu bewegen, muss also einer die rote Mütze aufsetzen. Der kann nicht alles alleine machen. Je mehr Aufgaben, desto mehr Leute. Und das sind nicht nur Menschen mit allen Macken und Fehlern, sondern auch viele, so dass zusätzlich auch noch lange Wege entstehen. Schwupps, hast du die Probleme.

     
  11. egghat

    18. Februar 2012 at 00:01

    Du warst meine letzte Hoffnung ;-)

    Ernsthafter: Ich befürchte, du hast Recht …

     
  12. opalkatze

    18. Februar 2012 at 00:41

    Sind einfach meine Erfahrungen nach fast 30 Jahren in der Politik. Selbst, wenn du die kleinen Gemeinschaften wieder stärkst (was dringend nötig wäre), wirst du irgendwann einen brauchen, der die übergeordneten Aufgaben erledigt. Damit bist du wieder am Anfang.

    Eine andere Frage ist die Anwendung von Repression innerhalb einer Gesellschaft, was im Augenblick nach meinem Empfinden der eigentliche Kritikpunkt ist, oder zumindest der Punkt, von dem ein großer Teil der derzeitigen Kritik ausgeht. Im Vordergrund steht zwar Kapitalismuskritik, aber in der Tat geht es um die dadurch bedingten und ausgelösten Repressionen.

     
  13. ricalb

    19. Februar 2012 at 10:00

    Hallo @ OK,

    zum BPD-„AMT“ – mal´n AlternativVorschlag zur Güte oder Nasen hin, Nasen her:

    1) Den Posten wenn schon nicht ganz abschaffen dann wenigstens in zwei quotierte Halbtagserwerbsarbeitsplätze splitten: 1.1. Grüßaugust/e fürs öffentliche Gerede (kann jede/r werden) und 1.2. Notar/in zur Gesetzesunterzeichnung (muss Rechtsadvokat/in sein)

    2) Personale Ausstattung der Neudienstposten: jeweils halbtags 2.1. Fahrer/in, 2.2. Pressewart/in, 2.3. Referent/in

    3) Bleibt die Doppelfrage an Blogger/innen und den Rest der PolitWelt hier und andernorts: 3.1. wieviel/e Millonen Teuro und 3.2. welche Typen werden ab Mitte März 2012 „dem deutschen Volke“ ge- und erspart?

    4) Aber wie auch immer: Palais Schaumburg war vorvorgestern. Warum sollte Schloß Bellevue nicht nächst gestern gewesen sein?

    Richard Albrecht, 190212
    http://duckhome.de/tb/archives/9861-WULFFS-ABTRITT.html

     
 
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