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Vorschläge für ein sinnvolles Urheberrecht

21 Mrz

Ein neues Urheberrecht, an dem wirklich die Schöpfer partizipieren, ist dringend erforderlich. Im Folgenden einige Vorschläge.

Alle geschaffenen Werke werden mit einem Wasserzeichen versehen. Die Kennung der Wasserzeichen wird in einer großen Datenbank bei einer leistungsfähigen Verwertungsbehörde gesammelt. Eine weitere Behörde verfolgt per Social-Media-Scanner die Wege der Werke im Netz (das können die vielen arbeitslosen Journalisten erledigen, die dann auch gleich sinnvoll untergebracht sind. Natürlich gibt es dafür satte Spitzen-Stundensätze nicht unter drei Euro.)

Wer verwerten oder remixen will, meldet das formlos per PDF bei der Behörde an und bekommt ebenfalls ein Wasserzeichen. Alle Teilnehmer am System müssen sich mit dem ePerso anmelden, die Zuteilung der Wasserzeichen erfolgt sicherheitshalber per Briefpost (E-Postbrief). Remixe werden auf geistige Schöpfungshöhe geprüft. Die Genehmigung für Remixe, die den strengen Kriterien genügen, kosten weniger als die Verwertung des Werks als Ganzes. Als Prüfer sollte man frühere Mitarbeiter von Patentbehörden oder ehemalige Bibliothekare zu gewinnen versuchen. Viele Rentner bekämen auf diese Weise ein attraktives Zubrot. Den reinen Papierkram können weniger Qualifizierte verwalten, zum Beispiel Praktikanten nach erfolgreich abgeschlossenem Studium.

Die footsteps der Werke werden halbjährlich maschinell ausgewertet und über eine der Europäischen Zentralbank angeschlossene Inkassostelle direkt an die Urheber ausgeschüttet. Kapazitäten, die durch diese Maßnahmen bei GEMA, VG Wort, VG Bild-Kunst, Anwaltskanzleien u.Ä. frei werden, werden der Überwachung der ordnungsgemäßen Durchführung sowie dem Beschwerdewesen zugeführt. Eventuelle Rechtsstreitigkeiten werden, je nach Schwere des Falls, zeitnah von den nationalen Verfassungsgerichten oder dem Europäischen Gerichtshof geklärt.

Gleichzeitig werden in allen EU-Ländern Behörden nach dem Vorbild der GEZ errichtet. Da sie ohnehin die Daten der Gesamtheit aller Haushalte verwalten, lassen sich so vielfältige Synergien nutzen. Auch der Zugriff auf Fluggastdaten bildet eine Option, da Kreative erfahrungsgemäß wohlhabend sind und viel reisen.

Die Einführung dieses Systems sowie die notwendigen multilateralen Abkommen mögen vom Europäischen Rat beraten und durch das Europäische Parlament beschlossen werden. Vorschläge sind während der Beratungsphase bürgernah auf den Internetseiten der Europäischen Union einzureichen.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 21. März 2012 in Europa, Glosse, Journalismus, Kultur, Politik, Web 2.0

 

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5 Antworten zu “Vorschläge für ein sinnvolles Urheberrecht

  1. Ratking-Agentur

    21. März 2012 at 14:16

    Alternativ würde ich vorschlagen geistiges Eigentum über erst 100 Jahre nach dem Versterben des Schöpfers zu veröffentlichen, bei gleichzeitiger Einrichtung einer speziellen „Geistessteuer“ natürlich, welche direkt an die Unternehmen weitergeleitet wird, um deren Einkommensausfälle zu entschädigen. Dann müssten die Firmen auch nicht mehr mühsam Bibliotheken verklagen, die Lesekreise für Kinder veranstalten. Hat sich dann der zu erwartende Gewinn, den die Unternehmen natürlich vorher abschätzen müssten, durch die Steuer amortisiert, so kann das Werk auch vorzeitig, also vor Ablauf der 100 Jahre, veröffentlicht werden.

    Da allerdings viele Künstler die unangenehme Eigenschaft haben, sich auf die Werke anderer Künstler zu berufen und damit deren geistiges Eigentum stehlen (siehe Picasso, u.a.) und davon profitieren, könnte aufgrund des finanziell nur schwer einschätzbaren Schadens von einer Veröffentlichung allerdings auch komplett abgesehen werden.

    Die Steuer müsste in diesem Fall natürlich angehoben werden, auch weil dadurch viele Künstler uninspiriert bleiben und keine neuen Werke schaffen, die man vermarkten könnte, wodurch der Schaden für die Unternehmen wiederum enorm wäre. Und wer bezahlt sonst Justin Bieber seine Villa?! Mit anderen Worten: ich fände es gerecht, wenn wir die Firmen dafür bezahlen, dass sie gar nichts machen, sondern geistiges Eigentum allenfalls zurückhalten! …. …. …. moment mal… das kommt mir aber irgendwie bekannt vor….?!

     
  2. opalkatze

    21. März 2012 at 15:21

    Nein, das ist aus dem Blickwinkel der Verwerter gesehen. Eine tatsächliche, ernsthafte Forderung ist die nach der Trennung von Urheber- und Verwerterrechten. Die Verwerter – sofern sie nicht ausdrücklich die Interessen der Schöpfer, sondern die eigenen, merkantilen, wahrnehmen – sind immer in der mächtigeren Position, weil sie durch die Rechtekonzentration schon aufgrund der Masse anders verhandeln können.

     
  3. opalkatze

    21. März 2012 at 15:26

    Kommentar bei G+:

    Zu wenig toter Baum, zu wenig Durchschläge involviert, es fehlt der Zwang zur Übersetzung in 17 EU Verkehrssprachen sowie sorbisch und kasachisch, …

    So wird das nix.

     
  4. ninjaturkey

    21. März 2012 at 16:44

    Alles Schnickschnack. Man muss das Übel an der Wurzel packen. Das Problem besteht ja überhaupt darin, dass ein jeder (!) unqualifiziert so genanntes „Geistiges Eigentum“ produzieren darf. Hierzu sollte eine kostenpflichtige Lizenz (zu entrichten an die Große Allgemeine Verwertungsgesellschaft) pro Werk notwendig sein. Sodann erfolgt die Prüfung der Schöpfungshöhe vor einem Gremium aus Vertretern von Verlagen (ab 10 Mio. EUR Jahresumsatz) und den Verwertungsgesellschaften, wobei Höhe und Umfang der zu erwartenden Wertschöpfungskette definiert wird. Anschließend wird das Geistige Eigentum an die Verlage versteigert. Der Erlös fließt in die Verwertungsgesellschaften, die Rechte an den meistbietenden Verlag an den auch eine Lieferungspflicht des geistigen Urhebers für nicht unter 10 Jahre entsteht. Der Urheber erhält für seine Leistung einen einmaligen Betrag aus der Quadratwurzel des Verlagsgewinns nach Steuern zzgl. der Kubikwurzel aus den zu erwartenden Einnahmen der Verwertungsgesellschaft.
    Die Nutzung solcher Werke erfolgt ausschließlich (!) digital auf dafür lizensierten Daten-Endgeräten (Handy, Computer, etc.) die von Verlagen und Vertungsgesellschaften über die ISPs lückenlos (lt. digitalem Protokoll) zu erfassen sind.

    Na – das Modell ist doch ausbaufähig und gar nicht mal so weit von den aktuellen Vorschlägen aus der Wirtschaft entfernt.

     
  5. opalkatze

    21. März 2012 at 18:31

    Es ist zum Schreien. Seht das doch bitte mal getrennt: Ein (1) Urheberrecht. Ein (1) Verwerterrecht. Die ganze Diskussion – die ernst gemeinte – dreht sich nur um die Verwerter, weil UrhR eben damit gleich gesetzt wird – was es tatsächlich nicht ist.

     
 
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