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Und wenn der Strom ausfällt? · Lesetipp

19 Apr

Vor Jahren habe ich mit einer Freundin ein Gedankenspiel begonnen, das wir seither immer wieder aufnehmen. Wir sind daran gewöhnt, beinahe alles mit Strom zu erledigen. Der kommt stetig aus der Steckdose, das ist völlig selbstverständlich und wird nicht hinterfragt. Vom elektrischen Wecker, der Milch aus dem Kühschrank zum Kaffee aus der Maschine am Morgen, dem elektronischen Arbeitsplatz und der Mikrowelle am Mittag, bis zum Soufflé aus dem Backofen und der rotierenden Zahnbürste am Abend – alles elektrisch. Die Freundin ist viel jünger als ich und war nicht einmal in ihrer Vorstellung in der Lage, Dinge alternativ – ohne Strom – zu tun. Die erdachten Probleme zu lösen, amüsiert uns, es ist einfach ein lehrreiches Spiel.

Die Lösungen, die wir ganz stolz immer wieder finden, stehen in sehr großen, supranationalen Strukturen wie dem Internet jedoch nicht zur Verfügung: Energie, Produktion, Handel, Versorgung, Transport, Banken und Börsen wären in so einem Szenario einfach platt: Ausgefallen, unbrauchbar, tot. Die absolute Katastrophe.

Sandro Gaycken betrachtet von Berufs wegen die ganz großen Strukturen und beschreibt in seinem eben erschienenen Buch Cyberwar – Das Wettrüsten hat längst begonnen · Vom digitalen Angriff zum realen Ausnahmezustand die Konsequenzen, wenn sie versagen. Er zeigt aber auch Möglichkeiten auf, wie der Katastrophe jetzt noch vorgebeugt werden könnte. In einem Buch-Auszug auf Spiegel online könnt ihr euch einen ersten Eindruck verschaffen. Ich werde es auf jeden Fall lesen.

 

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12 Antworten zu “Und wenn der Strom ausfällt? · Lesetipp

  1. altautonomer

    19. April 2012 at 09:56

    Es gibt noch einen aktuellen Bestseller, der sich mit dem Thema befasst. „Black Out“ von Marc Elsberg:

    BLACK OUT

    „Fahrstühle bleiben stecken, Zapfsäulen an den Tankstellen funktionieren nicht mehr, die Wasserspülung in sämtlichen Toilettenanlagen bleibt aus, Banken schließen nicht nur die Türen sondern auch die Geldautomaten, in Kühlhäusern, bei Lebensmitteldiscountern und in Massentierhaltungsbetrieben stellen die Kühlsysteme ihren Dienst ein, öffentliche Verkehrsmittel fahren bis auf wenige Züge nicht mehr, Wohnungen werden nicht geheizt , Elektrozäune in Zoos stellen kein Hindernis mehr für die Tiere dar. Und am schlimmsten: Die Atomkraftwerke laufen nur noch begrenzte Zeit auf Notstromaggregaten.

    Dieses Szenario beschreibt der Autor Marc Elsberg nach sorgfältiger Recherche als Folge eines plötzlichen, winterlichen Stromausfalls in Mitteleuropa, später auch in Teilen der USA und anderen westeuropäischen Ländern. Die Ursache sei hier nicht verraten, um den Leserinnen und Lesern nicht vorab die Spannung bei der Lektüre zu nehmen.

    In dem rund 800 Seiten starken Werk schockiert insbesondere die Beschreibung der Auflösung sozialer Bindungen, des Kampfes ums Überleben durch mühevolle Beschaffung von Lebensmitteln, so wie wir es bisher nur aus den Elendsvierteln der Armutsregionen dieser Welt kennen. Damit einher geht die Brutalisierung und Rücksichtlosigkeit der vermeintlich Stärkeren, die sich im Kollektiv, teilweise sogar bewaffnet, aneignen, was zum Überleben benötigt wird. Marodierende Banden, Diebstähle und alle übrigen Facetten freigesetzter krimineller Energien sind nicht nur das Ergebnis massenhafter Gefängnisausbrüche.“

    Dies ist ein Teil meiner Rezension, die ich heute für ein Büchermagazin schrieb.

    http://www.blackout-das-buch.de/

     
  2. eSeF

    19. April 2012 at 15:26

    Letztes Jahr gab es einen nur 20-minütigen Stromausfall in Hannover. Das reichte um die Diebstahlsquote nach oben schnellen zu lassen und für die Plünderung eines kleinen Supermarktes.

    Ebenfalls letztes Jahr brachte der Bund eine Studie zu genau diesem Thema. Link zum PDF:
    http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a18/anhoerungen/Stromausfall/ADrs_17-5672.pdf
    Fazit daraus: Ein großer, flächendeckender Stromausfall entwickelt sich spätestens nach 72 Stunden zu einem Zivilisationskiller.
    Aber da kann der Katastrophenschutz nicht mehr viel helfen. Bei Großkatastrophen wie dem Schneechaos im Münsterland oder dem Jahrhunderthochwasser an der Oder wurden deutschlandweit Hilfskräfte zusammengezogen. Bei lokal begrenzten Fällen können die Hilfsorganisationen noch was reißen. Erstreckt sich das Problem über 3-4 Bundesländer dann sieht’s düster aus.

    Für genau solche lokalen Fälle gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz Empfehlungen in diversen Broschüren http://www.bbk.bund.de/
    Vorräte, Brennstoffe (heizen, kochen) und Wasser für wenigstens 2 Wochen sollte man immer im Haus haben. Für die meisten kurzfristigen Notfälle sollte das reichen.

    Ist das Problem großflächiger, dann hilft kein Staat, kein Katastrophenschutz, evtl. nicht mal ein Nachbarland (wenn es vielleicht ähnliche Probleme hat). Außerdem braucht das alles Anlaufzeit. Ohne Kommunikation, die ja komplett auf Elektrizität beruht, stocken die Hilfsmaßnahmen.

    Und dann gibt es natürlich die Prepper (von Preparedness), die die persönliche Katastrophenvorsorge ein ganzes Stück weiter treiben. Einige wenige von denen sind zwar Apokalyptiker, die mit Asteroideneinschlägen oder Kriegen und einem Mad-Max-Szenario rechnen. Die meisten sind aber nur Leute, die sich ein Stück weit von der Versorgungsmentalität ihrer Mitmenschen gelöst haben. Realisten, die wissen, dass man sich in der Katastrophe erst mal selber helfen muss. Denn bis die Hilfe da ist – das kann dauern.

    http://www.human-survival-project.de/ – das Forum ist eine Fundgrube, auch für die kleineren Katastrophen des Alltags.
    http://www.survivalforum.ch/ – Auch das ein seriöses Forum für No-Nonsense-Katastrophenvorbereitung.

    Münsterländer Schneechaos: http://de.wikipedia.org/wiki/Münsterländer_Schneechaos
    Insiderbericht vom Hurrikan Kathrina/New Orleans http://www.human-survival-project.de/html/body_erfahrungsberichte.html
    Sicher nicht alles für Europa relevant und unser Kat-Schutz ist besser organisiert als die FEMA in den USA zu dieser Zeit, aber trotzdem lesenswert.

     
  3. Publicviewer

    19. April 2012 at 16:57

    Wir sind alle nur 3 Mahlzeiten von Plünderungen und Chaos entfernt…

     
  4. opalkatze

    19. April 2012 at 20:06

    Ja, ich kenne einige der Prepper-Initiativen. Es sind aber viel zu Wenige, die darüber nachdenken, und die es vielleicht gerne würden, werden von den, wie @esef sagt, Apokalyptikern abgeschreckt. Die schreien einfach lauter und schaden dadurch der an sich guten Sache.

    „Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose und das Fleisch aus der Tiefkühltruhe“. „Man muß bloß dafür sorgen, dass die Netze stabil und der Strom bezahlbar sind“ – ihr glaubt nicht, wie da zum Teil argumentiert wird. Ich bin kein Techniker oder großartiger Panikmacher, aber alt genug, um zu wissen, dass kleine Ursachen schreckliche Wirkungen bedingen können.

     
  5. eSeF

    19. April 2012 at 20:40

    Diese Pseudo-Argumentationen kenne ich. Rhetorische Tricks um sich selbst zu täuschen. Bloß nicht hingucken, denn das würde ja bedeuten, dass man eine potenzielle Gefahr wahrnehmen, akzeptieren und drauf reagieren müsste. Blindes Vertrauen in die Technik, die Behörden, die Hilfsorganisationen, den Staat …

    Sollte es mal krachen, dann sind das die Leute, die mit dem Finger auf diejenigen deuten, die vorbereitet waren, sie anklagen und gleichzeitig „ihren Anteil“ fordern. Wollen wir hoffen, dass so ein Fall niemals eintritt. Aber wenn … dann wird das sehr hässlich.

    Dabei ist ein Blackout nicht nur sehr wahrscheinlich, sondern hat auch schon öfters stattgefunden. Meist nicht lange oder in überschaubaren Grenzen, aber auch großflächige Stromausfälle gibt es jedes Jahr. Und manche entstehen nicht mal durch technische Fehler oder menschliches Versagen. Auch die Energiezocker an den Börsen könnten so was verursachen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,815587,00.html

    Ich bin seit über 10 Jahren in der Prepper- und Doomer-Szene unterwegs. Nachdem sich die Leute in diversen Zusammenbruchs-Foren ihre schlimmsten Phantasien ausgemalt hatten und danach wieder vernünftig wurden, hat sich so was wie eine bodenständige Szene entwickelt.

    Ach ja – wenn man’s noch nicht kennt. Ganz ohne Panikmache. Einfach Tatsachen und Wahrscheinlichkeiten:


    Quarks und Co. – Blackout

     
  6. Presto

    19. April 2012 at 22:07

    Der Begriff „Prepper“ ist eigentlich nur eine personifizierende Ableitung von dem Wort „Preparedness“ – die Vorbereiteten – nur, auf was? Es läßt sich nicht alles in Vorbereitung abwickeln.

    Du kannst Vorsorge betreiben wegen der Maya Apokalypse, einem drohenden A-Waffen Anschlag und wenn Du weiter schaust, dann wird Dir in der Geschichte das Ende der Welt präsentiert – sorry, ich bin Realist und träume nicht.

    Sicherlich, mit Sorge betrachte ich das Geschehen um mich herum und meiner Mitmenschen, die scheinbar jeden Mist für bare Münze nehmen, der aus der Mainstream Presse stammt. Aber in Panik geraten sollte niemand.

    Stromausfälle sind, wenn sie vorkommen, zu beheben. Ich mache mir eher Sorgen um das Chaos, wenn unser Geldsystem zusammenstürzt, vor lauter Luftbuchungen und Hinhaltetaktiken. Siehe Querschuesse und Jahnke.

    Weiterhin ist ein „Problem“, das die bestehenden Oel- und Gasquellen einen weiteren Abstand gewinnen zu den noch zu fördernden Quellen sowie denen, die noch nicht hundertprozentig zu erschließen sind.

    Wir haben in all den Jahren der Menschheit viele Fortschritte in der Zivilisation gemacht. Ohne Frage – es hat vielen Menschen sehr viel Wohlstand gebracht, anderen Erdbewohnern Leid und Qual. Tiere vergiftet, Landflächen unbewohnbar gemacht und den Hunger nach immer mehr Gewinnen vervielfacht. Ganz zu schweigen von Einschränkungen in Sachen Menschenrechten wie in Afrika / Südamerika und den Oelkonzernen.

    Letztendlich wird der Mensch aber feststellen, dass all die schönen Dinge keinen Wert haben, wenn sich nichts mehr anpflanzen läßt und somit die Lebensgrundlage keinen Boden hat. Geld ist nur der vom Menschen erschaffene Wert. Die Einzigartigkeit der Natur und ihrer Schätze ist keine Garantie für einen zukunftsfähigen Bestand der Menschheit, wenn wir nicht langfristige Planungen anstellen, um Folgegenerationen eine Grundlage und Zukunft zu bieten.

    Ich fürchte mich somit „noch nicht“ vor einem Stromausfall, eher vor den Folgen der geostrategischen Erpressung der Natur, wenn ich das mal so schreibe. Die totale Ausbeutung, wie gerade aktuell durch Wintershall in der Nordsee, beschreibt doch sehr genau, wie sehr wir um die letzten Ressourcen dieser Erde kämpfen – so, als gäbe es kein Morgen mehr. Das macht mir mehr Sorgen. Es geht dabei nicht nur um Arbeitsplätze, wie immer behauptet wird.

     
  7. Publicviewer

    19. April 2012 at 23:38

    @Presto
    Erst wenn der letzte Baum gerodet…ihr kennt das sicherlich noch aus meiner Zeit….
    das passt gut zu meinem Beitrag: http://youtu.be/WvI0XxeFPcY den ich auch hier irgendwo gepostet habe..
    Es wird nicht nur den Cyberkrieg geben und den um Erdöl, sondern auch um sauberes Wasser und Erdgas..
    Durch Fracking und ähnliche Methoden werden wir auch noch viel mehr Grundwasser nachhaltig verschmutzen und somit ungenießbar machen.

     
  8. Presto

    20. April 2012 at 00:27

    @publicviewer

    Es geht nicht ausschließlich um den letzten Baum und die Oelreserven. Sicherlich, ich habe die Wackersdorf- und Landebahnproteste sehr gut in Erinnerung. Das war eine Zeit, in der wirklich protestiert wurde. Diese Generation ist aber fast ausgestorben bzw. brachte keine „wirklichen Nachkommen“ mit sich und in der heutigen Zeit beherrschen „ich will Millionär sein“ sowie „Karriere“ die Geister. Geld ist nicht alles.

    Die Gier nach Rohstoffen, die Gier nach Anerkennung und Platzhaltertum sind mir der falsche Weg. Die Menschheit läuft auf den falschen Wegen in eine zerstörte Zukunft.

    Der Mensch, so meine ich, hat eine große Schwäche: Seine Fahne nach dem Wind auszurichten. Ich gehöre bei Weitem nicht zu den Denkern, bin eher im Kleinen aktiv. Karriere war mir nie wichtig; eher die persönliche Freiheit. Schaue ich mich um, sehe ich nur noch „wachstumsorientierte Neoliberale“, geifernd nach jedem Halm, der sich anbietet. Das sind Produkte der Erziehung einer Generation aus Karrieretypen. Dazu kommen Mitläufer, die sich alles, was lästig ist wie Wahlen und ihre persönlichen Rechte, selbst wenn sie verankert sind, abwählen/wegdeligieren und gerne weggeben. Protestieren tun demnach nur Faule, Kommunisten und was so ins Feindbild passt ( mich inklusiv, was mich aber nicht kratzt ).

    Strom ist nur ein Teil dessen, was wir z. B. zum Kochen und Wäsche waschen, zum Bügeln und für den PC benötigen. Die gesamte Bevölkerung/Industrie hängt aber vom Rohstoff Oel ab – ein Arm, der immer kürzer wird. Darüber will sich aber offen keine Seele unterhalten. Ich sehe hier in meinem Viertel viele SUV-Fahrer, denen scheinbar nicht bewußt werden will, das die Nutzung dieser Spritschleudern uns alle belastet. Hauptsache, Spaß, Fahrgefühl und Angeberei – wofür? Das ist nur ein Beispiel.

    Ich habe hier keine Lösung für die Strom- und Rohstoffversorgung parat. Ich meine aber, das wir uns in die Richtung bewegen müssen, um nachfolgenden Generationen ein Leben zu ermöglichen, ohne das es einen Mangel geben muss. Wenn wir weíter alles auf eine Karte setzen, Rohstoffe mit Gier ungezügelt ausbeuten und verbrauchen, dann werden die Probleme z. B. der Klimabelastung auch für die der Folgegenerationen präsent bleiben. Engpässe der Stromversorgung inklusiv. Diese Schraube dreht sich dann immer schneller in den Boden.

     
  9. Publicviewer

    20. April 2012 at 00:46

    Wenn nur die vielen Energien und Gelder nicht in die Atomwirschaft geflossen wären, hätten wir längst ausreichende Alternativen.
    Es scheint aber niemanden zu kümmern, daß wir kein Enlager für Atommüll haben.
    Nur mal so nebenbei…Du BÜGELST????
    Mein ganzes Leben konnte ich mir Freude und Stolz darauf verzichten….lächel…

     
  10. altautonomer

    20. April 2012 at 08:45

    Presto: „Diese Generation ist aber fast ausgestorben bzw. brachte keine “wirklichen Nachkommen” mit sich und in der heutigen Zeit beherrschen “ich will Millionär sein” sowie “Karriere” die Geister. “

    Zustimmung: Nach dem Schulabschluss heißt es, „ich bewerbe mich bei DSDS und wenns da nicht klappt, gehe ich zu Günter Jauch!“.

    In autonomen Zusammenhängen wurde anläßlich der Diskussion über das Buch „Der kommende Auftstand“ das Szenario beschrieben, was geschehen könnte, wenn die Geldinstitute dicht machen und selbst die Bankautomaten nichts mehr hergeben. Obwohl -wie Du meinst-Geld nicht alles ist, würde bereits dann das soziale Chaos herrschen.

     
  11. VonFernSeher

    20. April 2012 at 20:33

    @opalkatze

    Mit Panikmache hat das wenig zu tun, geht manchmal ganz schnell. In Ländern, in denen es relativ häufig zu kurzfristigen Stromausfällen kommt (wie hier in Panama, letzte Schwankung ca. 20 min her), ist man deswegen noch lange nicht irgendwie institutionell auf längere Ausfälle vorbereitet. Nur auf dem Land haben die Menschen einen Vorsprung von einigen wenigen Tagen mit ihren gasbetriebenen Kühlschränken und Waschmaschinen (=Pumpe), ihren Dieselgeneratoren und kurzen Wegen zu den Feldern. Aber ohne Strom befüllt auch keiner mehr die Tanks. Ich hätte zur Not eine Axt und einen Wald in der Nähe. Mit Feuer kann man Wasser abkochen und Nahrung zubereiten. Und ich weiß noch, wie man einen Baum fällt und Feuer macht. Es hat halt etwas für sich auf dem Land aufgewachsen zu sein.

     
  12. opalkatze

    20. April 2012 at 21:00

    Ööhm – sag ich doch.

     
 
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