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Parteitag der Linken: Erschütternd

03 Jun

Ein Gregor Gysi, der vom Blatt spricht und müde und resigniert wirkt. Ein Oskar Lafontaine, einstmals mitreißender Redner, wütend und teilweise auf der Suche nach passenden Worten. Ein Klaus Ernst, bei dem man immer noch das Gefühl hat, er spreche vor den zerstrittenen Landesverbänden einer Gewerkschaft und spiele ein bisschen Bundespolitik. Das alles fasst zusammen, welche Signale von diesem Parteitag ausgehen: Keine Stärke, kein Aufbruch, sondern ledigich die Beschwörung einer besseren Vergangenheit und die Mutlosigkeit der ständig wiederholten Formel, wie schön doch alles sein könnte.

Die Wahl der beiden neuen Vorsitzenden ein Kompromiss: Statt die Frauen-Doppelspitze zu wagen, ein lahmer Konsens, von dem keine Strahlkraft ausgeht, sondern der nur den Willen zur Vermeidung neuen Konfliktpotentials ausdrückt. Wenn nicht ganz ungewöhnliche Anstrengungen unternommen werden, die Flügel zumindest so weit zu versöhnen, dass die Partei arbeitsfähig ist, war dieser Bundesparteitag der Anfang vom Ende der Linken.

Mit Klaus Ernst mag man sich wirklich nicht die Folgen vorstellen, wenn das immerhin in Spuren vorhandene Korrektiv durch die einzig verbleibende linke Partei ganz wegfällt. Wenn aber nicht einmal die Einsicht ausreicht, dass ein solches Korrektiv bitter nötig ist, besteht keine Hoffnung mehr. Es wird dann auf die Trennung in eine Volkspartei im Osten und die Reste einer Pseudo-SPD im Westen hinauslaufen, die höchstens noch mit Anstand sterben kann.

Nicht, dass Katja Kipping und Bernd Riexinger nicht wollten. Doch die Tatsache, dass Riexinger Dietmar Bartsch nahesteht und Sahra Wagenknecht eine der stellvertretende Parteivorsitzenden ist, ist schon fast Programm für erneute Zerwürfnisse. Die viel beschworene und notwendige Hinwendung zurück zu den Menschen und zu politischen Lösungen scheint da eher unwahrscheinlich. Integrationswille der Führungsspitze allein reicht nicht aus. Es müssen auch alle mitmachen.

Crosspost von Carta

 
18 Kommentare

Verfasst von - 3. Juni 2012 in Politik

 

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18 Antworten zu “Parteitag der Linken: Erschütternd

  1. Andrea Kamphuis (@ak_text)

    3. Juni 2012 at 17:03

    „Doch die Tatsache, dass Riexinger Dietmar Bartsch nahesteht“ – das habe ich in der Berichterstattung aber anders verstanden; er wird überall als Lafontaine-Mann bezeichnet.

     
  2. opalkatze

    3. Juni 2012 at 17:20

    Habe ich so gesehen, dass Riexinger von den ostdeutschen Landesverbänden unterstützt wurde und Kipping von den westdeutschen.

     
  3. pantoufle

    3. Juni 2012 at 17:32

    Seh ich auch so: Das die jeweils von der anderen Seite wenigstens akzeptiert – wenn nicht geschätzt – wurden, dürfte für ihre Wahl ausschlaggebend gewesen sein.
    Diese Idee der „Doppelspitze“ halte ich dagegen von vorne bis hinten unsinnig. Egal, ob die zwei Mädels es gemacht hätten oder jemand anders. Alleine das Zeichen: Mindestens zwei Flügel; dann auch gleich zwei Vorsitzende, ist desaströs. Warum nicht gleich 4 oder 5. Dann hätte man sogar mehr als die SPD und käme der Zahl der Flügel näher.
    Das Ganze ist zum speien. Alle frustrierten SPD-Funktionäre raus aus der LINKEN – ab in die USPD. Die DDR-Trachtengruppe auch raus – gründet die SED/ML (für:“mehr Leistung“). Der verbliebene Rest kann dann gemütlich eine Partei sein, die zu recht „DIE LINKE“ heißt. Vorsitzende: Sahra Wagenknecht.
    Die hätte gute Chancen, von mir gewählt zu werden.

    Pantoufle köchelt auf kleiner Flamme.

     
  4. opalkatze

    3. Juni 2012 at 17:46

    Na ja, bei allem Respekt, den ich für Sahra Wagenknecht habe, aber sie gehört meinem Gefühl nach auch zu den Fundis, wenn auch nicht im Sinn der SED/ML (= marode Linke?).

     
  5. pantoufle

    3. Juni 2012 at 17:51

    Aber hübsch ist sie … oder?
    Nun mach mir meine Jeanne d`Arc nicht madig. Inhaltlich sehe ich erhebliche Unterschiede zwischen ihr und den Altstalinisten. Und vielleicht bin ich ja auch ein wenig fundi …
    LG
    Pantoufle

     
  6. opalkatze

    3. Juni 2012 at 17:59

    Sei dir gegönnt. Außerdem ist sie die Einzige, die Wirtschaft so erklären kann, dass es alle verstehen. Kein blubb-blubb, sondern Klartext, würde ich mir gerade im Moment auch von Anderen wünschen.

    Oh, sorry, habe in meinem letzten Kommentar noch nicht ergänzt. Denke wieder schneller, als ich schreiben kann.

     
  7. Fjonka

    3. Juni 2012 at 18:52

    Müder Gysi? Ich habe zwar nur einen Ausschnitt seiner Rede gehört, von dem war ich allerdings beeindruckt und habe mich als als „leicht sympathisierende, aber dabei stark fremdelnde sich-nebenher-Informierende“ (um mein Verhältnis zur Linken ein bißchen zu beschreiben) wieder einmal gefragt: warum denn nicht er? Will er nicht?
    Vielleicht kann mir das hier ja mal EineR erklären….
    Und warum dieses furchtbare Festhalten an „einer wichtigen Rolle“ für den unsäglichen Lafontaine? Das verstehe ich sowas von überhaupt gar nicht, schon erst recht nicht jetzt nach diesem letzten „Ich komm, aber nur wenn…“-Auftritt
    Tja.

     
  8. opalkatze

    3. Juni 2012 at 19:04

    Gysi liest vom Blatt, ein müses Witzchen, der Rest Resignation (hier ist noch mal die ganze Rede). Woraus liest du das mit Lafontaine? Um Himmels Willen –

     
  9. Fjonka

    3. Juni 2012 at 19:13

    NDR Info, ein Interview – auch Gysi. Ich dachte, ich hör nicht recht!
    Rede les ich mir nachher mal durch. Danke.

     
  10. pantoufle

    3. Juni 2012 at 19:21

    @Katze
    Europäische Wirtschaft leicht erklärt: Da bin ich bei Flatter fündig geworden. Der verlinkt auf einen Beitrag von Flassbeck … nicht der geniale Redner, aber mit der gehörigen Portion Zynismus versehen, um daß Ganze schmackhaft zu machen.
    Link zu YouTube
    … und danke für die Korrektur der Formatierung .-)

     
  11. opalkatze

    3. Juni 2012 at 19:34

    Nö, aber jetzt nicht noch 1:13 lang Flassbeck. Hab gestern und heute genug Reden gehört. Morgen wieder.

     
  12. opalkatze

    3. Juni 2012 at 19:34

    Hast du noch den Link?

     
  13. Fjonka

    3. Juni 2012 at 19:43

    NDR Info- Radio im Auto. Kein Link, sorry.

     
  14. opalkatze

    3. Juni 2012 at 19:52

    Ah, danke.

     
  15. daMax

    3. Juni 2012 at 20:39

    Tja. Jeder stirbt eben seinen eigenen Tod. Traurig ist sowas leider immer.

     
  16. rundertischdgf

    4. Juni 2012 at 14:39

    Es gibt Wichtigeres als das Schicksal der SED Nachfolger. Zum Beispiel das:
    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/06/02/bericht-uber-die-demonstration-gegen-den-esm-in-munchen/
    Aber immerhin sind auch die linken Bundestagsabgeordneten mit vernünftigen Argumenten die einzige Partei im Bundestag, die den ESM ablehnt.

     
  17. Publikviewer

    4. Juni 2012 at 15:21

    Es ist doch so, die etablierten Parteien, sowohl als auch das Volk, sind einer immer größer werdenden Meinungsvielfalt ausgesetzt.
    Die Diversität und die daraus resultierende Polarität, der mehr und mehr auseinander gehenden Meinungen machen es den Parteien eben auch immer schwieriger eine konforme Lösung zu finden.
    Ich nenne beispielsweise, das hier so oft genannte Urheberrechtsproblem).
    Keine der Parteien möchte natürlich in diesem Zusammenhang, unpopuläre Maßnahmen propagieren, weil sie alle Angst haben die potentiellen Wähler zu vergraulen.
    Die Linken habe genau das gleiche Problem wie seinerzeit die Grünen.
    Es gibt Realos und Fundis und eigentlich weiß keiner so richtig, wie es weitergehen soll..
    Es gibt eine Abwanderungswelle zu den Piraten, die wiederum erst am Anfang dieser Entwicklung stehen.
    Ich sehe unterm Strich, dass wohl sich nicht viel ändern wird, egal an welcher Stelle wir nächstes Jahr unser Kreuz machen werden.

     
  18. opalkatze

    4. Juni 2012 at 16:04

    @Andrea
    du hattest Recht: Zwar wurden beide jeweils von den „andersdenkenden“ Landesverbänden unterstützt, aber das mit dem Bartsch-nah war ein klarer Verleser von mir bei ZEITonline und betraf Matthias Höhn, hab es gerade noch mal gesucht.

    Trotzdem finde ich nicht, dass die durch Lafontaine angestoßene Kandidatur ausreicht, um ihn zu einem Lafontaine-Mann zu machen; nach eigener Aussage hat Riexinger deswegen noch nicht mal mit ihm persönlich gesprochen. Da ging es wohl nur um Bartsch-Verhinderung mit allen Mitteln.

     
 
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