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Piraten: Die Kunst der Unsichtbarkeit

25 Jul

So ziemlich von Anfang an bekam ich die Flaschenpost, den Newsletter der Piraten. Mit zunehmendem Erfolg der Partei nahm das Angebot an Informationen und schließlich Pressemitteilungen zu. Mittlerweile erhalte ich oft mehrmals täglich Stellungnahmen, Ankündigungen oder Einladungen.

Gestern Abend gab es eine hoch interessante Veranstaltung, eine Podiumsdiskussion zum ESM-Vertrag mit Peter Bofinger und Klaus P. Regling. Der Wirtschaftsweise und der Chef des EFSF (künftig des ESM) sind nun wirklich keine kleinen Lichter, die man mal eben so abfeiert, das war den Veranstaltern wohl auch klar. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet eine so prominent besetzte Diskussion, noch dazu über ein Thema von allgemeinem Interesse, nicht mit ausreichend Vorlauf beworben wurde. So blieb sie denn auch einigermaßen unsichtbar: Am Ende des Livestreams werteten die Organisatoren geschätzte vier- bis fünfhundert Zuhörer als Erfolg.

Liebe Piraten, nutzt eure Multiplikatoren, die Leute, die über ihre Kanäle viele andere Leute erreichen und so auf ein Ereignis oder eine Veranstaltung hinweisen können. Wie Netzknoten funktionieren, wisst ihr doch. Allein über die bestens vernetzten Wirtschaftsblogger auf Twitter und das Carta-Blog, geschweige, über eure sonstigen, mittlerweile vorhandenen Kontakte hätten sich deutlich mehr Zuhörer erreichen lassen. Nebenbei bemerkt ist es auch ein Zeichen von Respekt für die Gesprächsteilnehmer, dass für eine breitere Öffentlichkeit gesorgt wird.

So sind interessante Aussagen der beiden Fachleute einfach mangels Masse untergegangen, zum Beispiel, dass die Medien über viele positive Entwicklungen hinsichtlich der Rettungspakete überhaupt nicht berichten.

Ihr habt das gut organisiert, die Gesprächsführung war stringent und sachlich – bisschen viel Danksagung am Anfang, aber na gut – das wäre für wesentlich mehr als 400 bis 500 Zuhörer hörenswert gewesen. Bekannte Menschen sagen auch häufig in kleinerer Runde schon einmal Sachen, die sie bei Maybrit Illner nicht sagen würden. Außerdem bietet nicht jede Debatte die Teilnahmemöglichkeit, die ihr mit Mumble und auf dem Pad zur Verfügung stellt.

Also hört endlich auf, vor euch hin zu oszillieren, und schöpft die Kommunikationsmittel aus, die ihr doch wirklich beherrschen müsstet. Partikularinteressen einzelner AGen sind schön und fein: Podiumsdiskussionen mit bekannten und sachkundigen Teilnehmern zählen definitiv nicht dazu, die gehören vor ein möglichst großes Publikum. Macht endlich ordentliche Pressearbeit und gebt Dingen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Sonst müsst ihr euch nicht wundern, wenn ihr öfter als nur gelegentlich als Dilettanten wahrgenommen werdet.

Übrigens fehlt bis jetzt der Hinweis auf die angekündigte MP3.

Wir können alles – außer Öffentlichkeitsarbeit? Ihr wollt doch in den Bundestag, oder?

 
11 Kommentare

Verfasst von - 25. Juli 2012 in Journalismus, Medien, Politik, Web 2.0, Wissen

 

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11 Antworten zu “Piraten: Die Kunst der Unsichtbarkeit

  1. Publicviewer

    25. Juli 2012 at 17:41

    Positives über das ESM_Paket…???
    Wir gehen alle den Bach runter wenn der ratifiziert wird.
    Es gibt eh kein halten mehr, Griechenland ist raus, Spanien wird folgen.
    Warum sollen wir uns in die Hände selbstgewählter Lobbyisten begeben, die uns auf Generationen hin weiter verschulden?

     
  2. gflaig

    26. Juli 2012 at 00:24

    Mit solchen SImplifizierungen wird man dem Thema genauso wenig gerecht, wie mit der Vorgehensweise der Politiker, die leider unfähig sind, zu erkennen, dass mit purem Aktionismus nichts erreicht ist, wenn die, die „gefühlt“ alles zu zahlen haben, nicht mit im Boot sind.

     
  3. Klaus

    26. Juli 2012 at 11:44

    Darf ich auf den Flaschenpost-Artikel vom 17. Juli hinweisen?
    https://flaschenpost.piratenpartei.de/2012/07/17/hochkaratige-podiumsdiskussion-zum-esm/

    Gruß,
    Klaus

     
  4. opalkatze

    26. Juli 2012 at 13:22

    Danke, das ist richtig. Aber bitte berücksichtige, was an einem einzigen Tag alles an Ankündigungen, Stellungnahmen, Bitten um Veröffentlichung etc. in meinem Postfach ankommt: Es gibt ja nicht nur die Piratenpartei. Da sind Meldungen aus dem gesamten Politik- und Wirtschaftsbereich drin, Infos von NGOs und Interessenverbänden, Medienberichte, Verlagsanzeigen, Statistiken, die ganz ’normalen‘ Presseverteiler und, und, und. Darunter sind auch jede Menge PM, die so fürchterlich geschrieben sind, dass (nicht nur) ich sie sofort lösche. Das alles soll ich filtern, lesen und bei Bedarf etwas damit tun – auch Kurzmeldungen schreiben sich nicht selbst.

    Vielleicht hast du Verständnis, dass ich dann nicht auch noch in einem längeren Newsletter oder auf Websites etwas suche, von dem ich gar nicht weiß, dass es sich dort befindet. Dafür gibt es ja PM: Kurz und knackig, alles auf einen Blick, um das (digitale) Leben ein bisschen leichter zu machen.

     
  5. Herbderp

    26. Juli 2012 at 14:01

    Piraten, seid mal nicht so Kritikresistent! Opalkatze hat recht, ein emailchen hier, ein Pressemitteilungchen dort ist zu wenig. Und die 500 Views sind ja wohl Beleg genug dafür. Nutz Twitter, Blogs und Co um eure wichtigen Events puplik zu machen, dass solltet ihr ja wohl drauf haben!

     
  6. sunnyromy

    26. Juli 2012 at 15:04

    Reblogged this on SunnyRomy.

     
  7. opalkatze

    26. Juli 2012 at 16:18

    @Klaus
    Wie ich oben schon geschrieben habe: Die PM ist nicht etwas, was ich woanders suche. Dann müsste ich jeden Tag noch sehr viel mehr lesen …

     
  8. opalkatze

    26. Juli 2012 at 16:20

    @Herpderp
    Es ist aber auch nicht einfach, einen guten Presseverteiler auf die Beine zu stellen, der muss nämlich nicht nur bedient, sondern auch jeden Tag (!) gepflegt werden. Nur, langsam sollte das innerhalb der Gruppierungen der Piratenpartei klappen.

     
  9. Sabine Engelhardt

    27. Juli 2012 at 19:38

    Vera, die Pressearbeit, die Du Dir wünschst, ist mit den Resourcen, die wir Piraten haben, schlicht nicht zu machen. Das ist nicht mit dem vergleichbar, was die Altparteien auffahren können, wenn sie ein Thema pushen wollen. Wir mögen zwar andere bzw. zusätzliche Kommunikationsmittel haben, aber auch für (aktive) Piraten hat der Tag nur 24 Stunden. ;-)

     
  10. opalkatze

    28. Juli 2012 at 15:35

    Ah bah, Ressourcen. Es wäre völlig ausreichend, wenn die einzelnen Gruppierungen an Anita melden würde – die kann das schon, sie macht sehr gute Arbeit und ist durchaus in der Lage, zu filtern, dass ein Grillfest einen anderen Stellenwert hat als eine Diskussionh dieses Kalibers. Ein bisschen drängt sich das Gefühl auf, dass es da in Teilen der PP eine ‚alles meins‘-Mentalität gibt.

     
 
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