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Frauen & Blogs: Die Rückkehr zur Normalität

20 Dez

Am Dienstag rief eine Redakteurin von frau.tv an und wollte wissen, wie es denn mit den weiblichen Politbloggern aussehe: Ein Anlass, nach meiner letzten größeren Bestandsaufnahme vom Januar 2010 mal wieder darüber nachzudenken.

Es hat sich gleichzeitig viel und wenig geändert. Ehe ich das auseinanderklamüsere, will ich kurz erklären, weshalb ich mich aus dem Thema rausgezogen habe.

Genderpolizei

2010 war ich sehr zuversichtlich, dass die vielen gescheiten Netzfrauen dabei sind, sich freizuschwimmen und die Möglichkeiten von Blogs und sozialen Netzwerken für ihre Anliegen zu nutzen. Die Mädchenmannschaft war eine Anlaufstelle, die auch Menschen angesprochen hat, die sich selbst als „nicht politisch“ bezeichnen. Diskussionen wurden dort offen, sachlich und höflich geführt, außerdem waren viele Männer unter den regelmäßigen Kommentatoren, was der Lebenswirklichkeit entspricht. Leider hat sich das geändert.

Es war dieser neue, dogmatische Ton, der eine Zeitlang die gesamte Feminismusdebatte im Netz bestimmt und mich abgestoßen hat. Ich wollte mir nicht anhören, was ich erst mal alles lesen müsse, um überhaupt mitreden zu dürfen. Die akademische Diskussion ist wichtig, sollte aber an entsprechender Stelle stattfinden und nicht Frauen ausschließen, die sich mit dem ganz alltäglichen Wahnsinn der Geschlechterdebatte auseinandersetzen wollen. Eine neue, unabhängige Plattform dieser Art gibt es meines Wissens nicht, obwohl auf einzelnen Blogs weiterhin sachlich und allgemein verständlich diskutiert wird. Dabei wäre sie dringend notwendig.

Antje Schrupps Beitrag „Kein Bock mehr“ beschreibt gut, wie ich mich fühle. Auch der Ausdruck Genderpolizei gefällt mir sehr: So komme ich mir vor, wenn wütende Kommentare mir vorwerfen, dass ich in meinen Texten nicht gendere. Für mich ist das eine Lesebremse, und Sprache ist mir nun mal wichtig. Wenn andere gendern möchten, ist das auch in Ordnung. Wer deshalb aus meinen Artikeln herauszulesen meint, ich sei frauenfeindlich, bitte. Es gibt da dieses riesige Netz, da ist für jeden Geschmack was dabei.

Ich habe absolut keine Lust, mich auf Debatten über Feminismus einzulassen, die sich nicht im Geringsten mit lebendigen, atmenden Frauen beschäftigen oder nur den Versuch machen, sie mitzunehmen. Für mich ist die Durchschnittsfrau eine, die Alltagsprobleme hat, und wenn die mit ihrem Frausein zusammenhängen, braucht sie Lösungen, und keine 50 Bücher oder ein Soziologiediplom. Sie braucht Rückendeckung, Selbstbewusstsein und ganz normalen Hausverstand. Man kann tatsächlich nützliche Strategien entwickeln, ohne jemals von Gender Studies gehört zu haben.

Ein falsches Politikbild

Mein Anliegen waren immer die Frauen, die sich selbst als unpolitisch bezeichnen. Es ist erstaunlich, wie weit dieses Selbstverständnis oft von der Wirklichkeit entfernt ist. Die Beschäftigung mit Politik machen viele Frauen immer noch daran fest, Namen von Politikern zu kennen, stets parat zu haben, welche Themen gerade im Bundestag behandelt werden, und die weltpolitische Lage samt Akteuren in fünf Minuten auswendig zusammenfassen zu können. Falsch, Mädelz, das braucht kein Mensch.

Zu dieser Einstellung haben jahrzehntelang (Medienschelte – kommt jetzt, ihr habt sicher schon drauf gewartet) die Massenmedien beigetragen. Weder in der Sache, noch im Tonfall oder in der Ausdrucksweise haben sie beschrieben, was politische Ereignisse bedeuten und was an ihnen wichtig ist. Sie haben vergessen, einfach darzustellen, was an diesem und jenem den Einzelnen betrifft, welche Auswirkungen es auf jeden Bürger hat. Sie haben ihre Rolle als Übersetzer nicht wahrgenommen. Bis heute scheint ein Schreibwettbewerb stattzufinden, wer den abgehobensten politischen Text verfassen kann. Wenn Journalisten belehrend auf dem hohen Ross des Durchblickers sitzen und mit Fremdworten und Schachtelsätzen Vermutungen anstellen, ist das bestenfalls feuilletonistischer Unfug und die tätige Förderung von Politikverdrossenheit.

Hinzu kommt die gesellschaftlich verbreitete Ablehnung der politischen Klasse an sich, weil sie unverständlich, intransparent und/oder selbstsüchtig handelt. Eine Familienministerin etwa, die in der Seifenblase eines virtuellen Biedermeiers lebt und weltferne Gesetze beschließen lässt, hätte eigentlich die Aufgabe, sich mit den Lebensumständen da draußen vertraut zu machen und Bedingungen zu schaffen, die sie erleichtern oder vereinfachen.

Es ist verständlich, dass Frauen sich mit so etwas nicht beschäftigen wollen, sie haben wahrlich Besseres zu tun. Allerdings verzichtet diese schweigende Mehrheit dadurch freiwillig auf ihren politischen Einfluss. Mit dem Internet ist eine Ausdrucksmöglichkeit entstanden, die Abhilfe schaffen könnte, aber durch die eingangs beschriebenen Diskussionen im Elfenbeinturm ist eher Abschreckung entstanden.

Das Netz hat sich verändert

Es gibt viel mehr Frauenblogs als noch vor zwei Jahren, auch solche, die sich mit den Alltagsproblemen von Frauen beschäftigen, und die das in verständlicher und oft amüsanter Form tun. Doch das Kind müsste erst aus dem Brunnen geborgen werden: Die erste Welle der Netzbegeisterung ist vorbei. Damit sind auch viele Frauen wieder verschwunden, die eigentlich Interesse gehabt hätten, sich aber in der damals männlich dominierten Blogosphäre nicht wohlfühlten oder ihre Bedürfnisse nicht abgebildet sahen. Inzwischen hat sich die Bloglandschaft verändert und konsolidiert. Gründe sind unter anderem das Thema Netzpolitik, von dem sich viele betroffen fühlen, und die immens gestiegene Akzeptanz des Internets als Kommunikationsmittel, die langsam auch in der Politik ankommt. So hat Nessy heute auf ihren offenen Brief ans Familienministerium eine ausführliche Antwort auf ihrem Blog bekommen – vor zwei Jahren noch unvorstellbar.

Das Internet wird nicht mehr als Biotop für Spinner wahrgenommen. Neben der Tatsache, dass es ein riesiger Wirtschaftsfaktor ist (was zu neuen Problemen führt, aber das ist eine andere Baustelle), werden Blogs und soziale Netzwerke mittlerweile auch von Referenten und Mitarbeitern in netzferneren Dienststellen sorgfältig beobachtet. Das sollte nicht unterschätzt werden. Zwar stehen immer noch Netzangst und peinliches Unwissen im öffentlichen Fokus, aber die Einsicht, dass dieses Netz nicht mehr weggeht, ist doch Konsens. Und die Beschäftigten in den Ministerien sind großenteils jung und fit; dass sie keine Entscheidungsbefugnis haben, sagt nichts über ihren internen Wirkungsgrad aus.

Es ist ein großer Fortschritt, dass so unterschiedliche Politikerinnen wie Tabea Rößner (Grüne), Dagmar Wöhrl (CSU) oder Halina Wawzyniak (Die Linke) – neben vielen anderen – engagiert bloggen und twittern. Dahinter steht auch die Erkenntnis, dass der Rückkanal für die politische Arbeit nur nützlich sein kann. Wer eine twitternde Politikerin anspricht, bekommt fast immer Antwort – Frauen scheinen da weniger Berührungsängste zu haben, denn bei den twitternden Männern sind (sinnvolle) Antworten immer noch die Ausnahme. Diese Präsenz wird weitere Frauen ermutigen, auch ins Netz zu kommen.

Ins Netz schreiben

Die Debatte über die Unterschiede zwischen Bloggern und Journalisten ist weitgehend durch, unter Frauen hat sie auch kaum stattgefunden. Nach den Ereignissen während des arabischen Frühlings und in Fukushima hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Beide sich gegenseitig ganz gut ergänzen. Unter den Jüngeren ist das ohnehin kein Thema mehr. Das Argument, nicht schreiben zu können „wie ein Journalist“, ist damit obsolet (wobei sowieso nicht feststeht, dass Journalisten per se besser schreiben).

Die Vernetzung hat sehr erfreulich zugenommen. Blogs verlinken sich gezielter. Auf Twitter findet schnelle Verständigung statt, wenn man etwas wissen oder ein Thema publik machen will. Man kennt sich, Neue werden freundlich und hilfsbereit aufgenommen. Retweets sind ein Gebot der Höflichkeit, wenn man weiß, das Thema liegt der Absenderin besonders am Herzen, Rückfragen oder Absprachen sind per DM unkompliziert und schnell möglich. Und natürlich ist es die großartigste Informations- und Gossipquelle, die ich mir denken kann. (Facebook kann ich nicht leiden, dafür bin ich auf Google+.)

Nun wird nicht Jede, die twittert oder auf Facebook oder G+ unterwegs ist, gleich ein Blog aufmachen. Wichtig ist aber, dass die Bekanntheit der verschiedenen Blogging-Möglichkeiten zugenommen hat. Es ist etwas anderes, beispielsweise auf dem einfach einzurichtenden und zu bedienenden tumblr erste Versuche zu posten, wenn man sowieso schon bei Facebook ist. Damit ist der erste Schritt zum eigenen, „richtigen“ Blog getan, und man kann es ja erst mal ausprobieren und nur für den engsten Freundeskreis freigeben. Der auch kommerziell große Erfolg der Koch- und Modeblogs zeigt, dass es jede kann, die schreiben mag und ein Thema hat, mit dem sie sich auskennt.

Es fehlt eine Anlaufstelle, wo Frauen über gelegentliches Kommentieren allmählich ins selbst Schreiben reinrutschen können. Ich bekomme häufig Mails, die ohne Weiteres als Blogartikel taugen würden, die Absenderinnen möchten sie aber durchaus nicht veröffentlichen, nicht einmal in den Kommentaren. Im gestrigen Gespräch vermutete die frau.tv-Redakteurin, das habe vielleicht mit der Angreifbarkeit zu tun, der man sich damit aussetze. Ich glaube das nicht.

Meine These von vor zwei Jahren „Klappern, laut sein!“ steht noch, sie enthält aber keineswegs die Forderung, gleich mit dem Klarnamen loszulegen, und Lautsein ist auch keine Voraussetzung dafür, seine Meinung im Netz aufzuschreiben. Die Pseudonymität ermöglicht ja gerade die geschützte Meinungsäußerung; sie ist für viele Bloggerinnen, die ich kenne, der entscheidende Auslöser gewesen, es zu versuchen. Diese Frauen wollen sich nicht verstecken, geschweige denn, irgendwelchen Unrat absondern. Sie schaffen sich dadurch vielmehr einen Freiraum abseits ihres Alltags und die Möglichkeit, eine bestimmte Seite ihres Wesens darzustellen. Das fordert Unterstützung und Anerkennung, denn je mehr Frauen ins Netz schreiben, desto besser werden sie wahrgenommen, desto mehr steigt insgesamt der Einfluss von Frauen.

Traut euch!

Der Knackpunkt ist nach wie vor die eigene Einschätzung, man „verstehe nichts von Politik“. Dann beobachtet euch doch mal abends bei den Fernsehnachrichten. Ihr sitzt da bestimmt immer seelenruhig im Sessel, auch, wenn Frau von der Leyen und Herr Rösler einen geschönten Armutsbericht veröffentlichen wollen, nicht wahr? Findet ihr ganz normal, klar, wie auch das Betreuungsgeld, das der alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin nicht im Geringsten hilft, oder? Altersarmut ist natürlich auch nicht euer Bier. Denkt mal drüber nach.

Man muss nicht an hochgestochenen Diskussionen teilnehmen oder die veröffentlichte Meinung teilen, um mitreden oder -schreiben zu können. Es reicht ganz und gar, eine Meinung zu haben und genügend Deutsch zu können, um sie so aufzuschreiben, dass andere sie verstehen. Macht ihr doch jeden Tag – ihr unterhaltet euch bei der Arbeit, im Supermarkt, im Kindergarten oder in der Schule, im Bus, mit der Familie und mit Freunden. Und dabei sagt ihr nie etwas „Politisches“? Sorry, ihr seid lausige Schwindlerinnen.

Also: Es hat sich viel getan, das Internet ist keine Nerdecke oder Männerdomäne mehr. Frauen werden ebenso gerne gelesen wie Männer, und aus demselben Grund: Sie haben etwas zu sagen, weil sie über ihre Anliegen nachdenken und ihnen klar ist, dass andere dieselben haben. Es gibt kein Thema, das uninteressant ist. Wer im Netz unterwegs ist, weiß, dass es für die wildesten Hobbys und Interessen irgendwo ein paar Blogs gibt. Macht die Augen auf und sucht eure Nische.

Nachsatz
Liebe Medien,

von euch wünsche ich mir, dass ihr die Unwilligkeit der Politiker ausgleicht, sich mit Alltagsproblemen zu beschäftigen. Dafür seid ihr da: dem gewöhnlichen Bürger zu erklären, was Sache ist. Nehmt zur Kentnis, dass die Bevölkerung nicht überwiegend aus Akademikern und Feuilletonlesern besteht. Seht euch die Sorgen und Nöte der Menschen an und fragt sie, was sie bewegt, bekümmert und freut. An frau.tv: Seid bissig. Macht den Frauen klar, dass sie etwas bewegen können – und dass sie sich dafür selbst bewegen müssen.

Bearbeiteter Crosspost von Carta

 
14 Kommentare

Verfasst von - 20. Dezember 2012 in Blogs, Frauen, Medien, Politik, Web 2.0

 

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14 Antworten zu “Frauen & Blogs: Die Rückkehr zur Normalität

  1. liawriting

    20. Dezember 2012 at 19:03

    @genderpolizei: ich habe die verwendung des ausdrucks genderpolizei bei antje schrupps artikel ganz gegenteilig verstanden – sie regt sich dort meiner meinung nach nicht über die sogenannte genderpolizei auf, sondern darüber, dass sie keinen bock mehr auf diskussionen mit leuten hat, die sich noch nie mit gender auseinandergesetzt haben und dass von diesen immer die gleichen argumente gegen bestimmte dinge wie gendering vorgebracht werden, und dass sie auch keine lust hat für diese die „genderpolizei“ zu spielen.

    @erste gehversuche: was tumblr betrifft stimme ich dir zu: ideales einstiegsmedium, weil es sehr intuitiv bedienbar ist. [es folgt mein sehr subjektiver eindruck von tumblr.] was auch bei tumblr problematisch sein könnte, ist, dass man durch die fehlende grundfunktion für kommentare und die tatsache, dass ich im vergleich zu den deutschsprachigen mehr englischsprachige blogs auf tumblr, gestoßen bin (zwei gründe, warum ich zu wordpress gewechselt habe), weniger
    möglichkeiten hat sich auszutauschen, wenn man einsteigt und nicht auf englisch bloggen will.

    @politikblogs allgemein: ich habe auch auf wordpress noch keine wirklich guten politikblogs zur österreichischen (tages-)politik gefunden (über empfehlungen jeder art würde ich mich freuen). mir kommt aber auch oftmals vor, dass sich sowieso niemand (männer und frauen) mehr für politik interssiert, was sich an der von dir angesprochenen abgehobenheit der feuilleton-sprache liegt (und in österreich evtl. daran, dass die meisten (okay die meisten ist übertrieben – es gilt die unschuldsvermutung…) unserer politiker_innen verurteilt sind (wegen korruption, körperverletzung u.a.) … aber das ist auch ein subjektiver eindruck und vielleicht bewege ich mich einfach im falschen umfeld. (weil die meisten meiner geschichte studienkollegen interessieren sich nur für politik im mittelalter, alles was nach 1600 kommt, ist für die nie passiert.)

    @politikblogs von frauen: irgendwie wirkt das so, als könnten frauen nur über politik bloggen, wenn sie sich mit frauenthemen in der politik beschäftigen. vor allem, wenn du mit dem elfenbeinturm die mädchenmannschaft u.a. meinst, und nicht die allgemeine bloggerinnensphäre. aber theoretisch kann ich mich als frau ja auch mit thematiken wie datenschutz auseinandersetzen oder der volksabstimmung über das bundesheer, ohne dass ich je gender auch nur erwähne? ist mit weiblichen politikbloggern jetzt gemeint, dass frauen über frauenpolitische themen oder dass frauen über politik schreiben?

     
  2. opalkatze

    20. Dezember 2012 at 19:44

    (Sry, mit sehr wenig Zeit.)
    Im Text hab ich gesagt, dass ich Antjes Begriff übernommen und umgedeutet habe.
    Plattformen/Technik gerne, wenn mehr Zeit ist.
    A kann ich nicht beurteilen, weiß aber, dass DieStandard.at eine tolle Anlaufstelle ist, die auch gern vermittelt. [Und den Misik hätten wir in D mit Kusshand gern.]
    Ja, war Arroganz. Hab beim Schreiben vorausgesetzt, dass meine Geschichte/Schreibe bekannt ist, ist auch irgendwo im Text verlinkt. Sonst im Blog „frauen“ suchen, wannst mogst, vllt. auch mal in rechter Datenleiste tags anschauen.

     
  3. Anne Roth

    20. Dezember 2012 at 23:12

    Ich war auch ein bisschen überrascht – beim Einstieg zu „weiblichen Politbloggern“ hatte ich mit was anderem gerechnet als dem, was dann kam: eher die Auseinandersetzung mit Frauen- /feministischen Blogs oder Blogs, die sich mit Frauenalltag beschäftigen. Wie kommst du vom einen auf das andere?

    Ganz am Schluss steht, „das Internet ist keine Nerdecke oder Männerdomäne mehr. Frauen werden ebenso gerne gelesen wie Männer“ – den Eindruck teile ich überhaupt nicht, tut mir leid. Bekannte Bloggerinnen kannst du doch an einer Hand abzählen, würde ich sagen. Zufällig habe ich gerade mal die Autorinnen in den beiden Netzpolitik-Jahrbücher von irights.info und von netzpolitik.org gezählt: 24 bzw. 25%. Von der Hälfte also noch weit entfernt, und mir fällt gerade kein anderes Thema ein, wo das anders wäre, abgesehen natürlich von den ‚Frauenthemen‘.

     
  4. opalkatze

    21. Dezember 2012 at 14:28

    @Anne
    Ja, der Text ist mir ein bisschen davongelaufen. Aber ist Frauenalltag unpolitisch? Ich finde, nein. Die Lebenswirklichkeit von Frauen ist sehr politisch, auch, wenn sie es nicht so wahrnehmen. Blogs wie etwa Sammelmappe, Manu bloggt, dyfustifications, Draußen nur Kännchen oder Frau Meike sind nicht unpolitisch, bloß, weil nicht „Politik“ drübersteht (während es z.B. bei Atari-Frosch sofort klar wird). Sie haben eine Sicht auf Politik, die sich mit der der meisten Leserinnen deckt, die dabei wahrscheinlich überhaupt nicht an Politik denken.

    Ich bin mittlerweile in ganz anderen Netzecken unterwegs und habe mich wohl weitgehend von der traditionellen, selbstreferentiellen Sicht entfernt. Bloggende Frauen schreiben eben nicht nur über Feminismus, soziale Themen oder Mode / Kochen / Events. Sie bloggen über Autos, Technik, Software, Hardware, Wissenschaft, Wirtschaft, Banking, Journalismus, Geschichte, Literatur, Theater, und und und. „Weiblich, deutsch, bloggt“ bedeutet nicht per se Befindlichkeits-Blogging. Der Ausschnitt, der immer beleuchtet wird, ist zu klein, der rein netzpolitische Blick zu eng, und Bekanntheit hat nichts mit Relevanz zu tun. Wenn man immer nur Kochblogs liest, kann natürlich der Eindruck entstehen, es gebe im Netz nichts anderes, aber der Tellerrand ist trotzdem nur einen Klick weit weg.

     
  5. Anne Roth

    21. Dezember 2012 at 14:42

    Vera, mir musst du das im Grunde nicht sagen, aber wenn der Alltag von Frauen politisch ist (ist er), dann ist auch der von Männern politisch (ist er), und damit sind dann alle Politblogger. Hm.

    Aber darum ging es ja wahrscheinlich bei der Frage der Redakteurin nicht ;).

    Natürlich schreiben Frauen über alle möglichen Themen, wie eben Männer auch. Aber u.a. deswegen habe ich mich eben gewundert, dass du (nur) über die feministischen Blogs und dann die Frauen geschrieben hast, die sich ’nicht trauen‘ (oder andere Gründe haben, warum sie nicht bloggen wollen). Und die Partei-Netzpolitikerinnen. Dabei gibt es ja Frauen, die über dezidiert politische Themen bloggen, manche mit, manche ohne Bezug zu ihrem eigenen Alltag – und die hast du beim ‚Davonlaufen‘ vergessen, glaube ich, oder? Mehr wollte ich gar nicht sagen.

     
  6. opalkatze

    21. Dezember 2012 at 14:47

    Einverstanden. Dann muss ich wohl die Tage noch mal nachfassen, wenn ich ein bisschen Zeit habe. Danke für deinen Anschubs, mit etwas Input geht es einfach besser.

     
  7. Mechthild Mühlstein

    21. Dezember 2012 at 19:36

    es erachtens ist dieser »frauen und blogs«-krempel völlig überflüssig. Wenn ich einen guten text lese, ist das geschlecht des verfassers egal.

    Es gibt lesenswerte blogs, die von frauen geschrieben werden, ich selbst blogge seit etwas mehr als fünf jahren. Aber doch nicht, weil ich zufällig frau bin. Das wäre für mich ein völlig falscher ansatz. Ich kann diese »frauenblogs«, die sich mit der sogenannten emanzipation befassen allesamt nicht ausstehen. Und wenn sie mich kennten, tät das mit sicherheit auf gegenseitigkeit beruhen.

    Weshalb soll es einen unterschied machen, ob ein mann oder eine frau etwas blogt?

    Wer eine idee hat, etwas zu schreiben, der machts halt. Dabei kommt meist ödelkram raus. Aber auch egal.

     
  8. pantoufle

    22. Dezember 2012 at 17:26

    Yep!

     
  9. Desmondu

    22. Dezember 2012 at 23:44

    Mir als „Mann“ ist es schlicht egal, wer wie wann was schreibt – es sollte nur ansprechend und – wie ich es von z. B. Roberto gewohnt bin – tiefgreifende Haftung im Hirn hervorrufen.

    Politik, Gesellschaftsthemen, Umwelt, Bildung…all das ist so wichtig für die Denke. Woher es kommt, ist egal. Ich würde mir wünschen, in meinen Bookmarks gäbe es mehr Frauen, die ich lesen könnte, denn die Schreibe hat auch etwas von – hm – vielleicht anderer Ansicht dieser Welt, als es ein Mann sieht. Das interessiert mich schon. Ich werde mal verstärkt auf die Suche dieser Blogseiten gehen; auch im benachbarten Ausland, was ich in den nächsten Tagen gerne angehen will.

    Schöne Tage euch hier. Vor allem beim Schmausen.

     
  10. tolu

    27. Dezember 2012 at 20:32

    Politik ist der Versuch die eigenen Interessen zu vertreten, das ist hier ziemlich gut erkannt.
    Wer in dem Sinne nicht politisch ist ist schlicht leicht verblödet.

    Das erste Problem, das Ott(o)ilie (versprochen der letzte Genderismus) Normalverbraucher hat, ist das Zeitproblem. Sich mit den Konsequenzen auch nur der grundlegensten Dingen in unserer Gesellschaft zu befassen kostet Zeit. Denn ist es wirklich in meinem Interesse, dass das Recht auf Eigentum zu den Grundrechten gehört gleich neben dem Recht auf Leben ?
    Und dergleichen Fragen gibt es nicht wenige.

    Das zweite Problem ist : wo bekomme ich die nötigen Informationen her. Denn Fakt ist das effektivste Mittel meine Interessen durchzusetzen, ist andere davon zu überzeugen, dass das auch ihre Interessen sind. Oder zumindest, dass deren Interessenkonflikte zu dritten Gruppen größer sind als zu mir. Wenn das gelingt hab ich gewonnen. (Teile und herrsche war schon bei den Römern ein bekannten Vorgehen, ich denke aber das Suchen von Sündenböcken war schon in der Steinzeit ein gern genutztes Verhaltensmuster)
    Wenn dem so, ist werd ich also mit Desinformation rechnen müssen. Die Frage „Wem nützt es?“ muss ich also bei jeder angeblichen Selbstverständlichkeit immer stellen.
    Dazu gehört dann auch die Frage : ist der Interessenkonflikt Frau/Mann wirklich ein wichtiger oder spielt hier jemand das „divide et impera“-Spiel nur besonders geschickt.

    Das dritte Problem ist : wie kann ich meine Interessen dann auch wirklich vertreten? Reicht es die „richtige“ Partei zu wählen – sofern ich eine finde, die meine Interessen vertritt, d.h. das was ich als meine Interessen erkannt habe. Oder gibt es noch andere Wege, die hier helfen können.

    Was mich betrifft hab ich schon mit den ersten beiden Problemen mehr als genug zu kämpfen, vor dem dritten Problem stehe ich ziemlich hilflos.

    Auf ein schönen neues Jahr 2013

     
  11. Farbenfreundin (@farbenfreundin)

    30. Dezember 2012 at 12:23

    Ich blogge seit 2010: http://blog.farbenfreundin.de/ und bin superglücklich, dass es heute diese Möglichkeit der Meinungsäußerung gibt. Musste man früher inform von Leserbriefen und Flugblättern hoffen, sich mal äußern zu dürfen, kann dies heute jeder. Verstehe nicht, warum Frauen dann doch eher Rezepte und Häkelanleitungen tauschen… aber das werde ich wohl nie verstehen. Ausnahmen gibt es zum Glück

     
  12. pantoufle

    31. Dezember 2012 at 17:17

    @Farbenfreundin
    Du solltest auch superglücklich sein, in Deiner Meinugsäußerung dermaßen viel Mode-Markennamen, Geschäfte, und Schönheitstips unterbringen zu können. Früher mußte man für so etwas eine eigene Zeitung gründen – das ist allerdings einfacher geworden.
    »Verstehe nicht, warum Frauen dann doch eher Rezepte und Häkelanleitungen tauschen…«
    Ich schon: Da steckt immer noch erheblich mehr Kreativität drin als in dem puren Konsumrausch und dem »Schönsein um jeden Preis«, wie es sich auf Deiner Seite darstellt.

    »Ausnahmen gibt es zum Glück« : Die Vera zum Beispiel wie auch Mechtild Mühlenstein, Mädchenmanschaft, Antje Schrupp und viele, viele mehr. Solltest Du mal lesen – es lohnt sich!
    Was unbedingt verbesserungswürdig ist, wären die Spamfilter von WordPress… aber das ist eine andere Geschichte.

    Mit lieben Gruß
    das Pantoufle

    P.S. Wenn Du den Artikel von Vera gelesen hätten, wäre Dir die politische Aussage sicher nicht entgangen. Ich halte es für wenigstens fragwürdig, den Dir duchaus zustehenden Kommentar mit dem Link einer kommerziellen Mode-Seite zu versehen. Das ist eigentlich genau die Art von Blog, die nicht gemeint war… vielleicht doch einmal lesen…

     
 
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