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Lebensmittelskandale

24 Feb

Skandal! Skandal! Heute neu! Frischer Skandaaal!

Ach, ist das nicht schön? Diese hohe Schlagzahl – immer Abwechslung, immer was Neues, Aufregendes, das für Gesprächsstoff in der Teeküche und im Supermarkt, auf dem Bauhof und in der Presse sorgt. Wunderbar. Ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, eine (Online-) Zeitung zu gründen, die alle Lebensmittelskandale sammelt, die Hintergründe, Summen und Akteure recherchiert und der begierigen Kundschaft dann die Fiktion des Gegenteils als Lesefutter anbietet? Als Alternative zu diesen ganzen ekligen, chemieverseuchten oder unkorrekten sogenannten Nahrungsmitteln?

Oder einen Pharmakonzern, der Essen in Pillenform herstellt, direkt mit allem drin von A bis Suchtstoff? Dann brauchten wir uns wenigstens nicht mehr zu ekeln. Die gut geölte Werbemaschinerie von Bayer, Pfizer und Konsorten hat das notwendige Know-how, um uns auch auf diesem Gebiet davon zu überzeugen, das alles sei gut und gesund für uns. Und weil die Ställe und Agrarflächen eh schon ausgelagert sind, brauchen wir auch nicht zu sehen, wie das alles ursprünglich mal aussah. Außerdem, ob wir den Dünger, die Steroide und Antibiotika nun als Hühnchen à l’orange, Entrecôte mit gemischter Gemüseplatte oder als praktische Lutschpastille zu uns nehmen, ist nun wirklich schnuppe. Und was das an zusätzlicher Zeit zum Arbeiten freisetzt!

Großartig, diese marktkonforme Demokratie. Auf dem deutschen Markt herrscht nun schon fast lückenloses Misstrauen gegen alles, was man essen kann. Den Rest besorgen die europäischen Bürokraten. Herrliche Zeiten. Einfach herrlich.
 

 
5 Kommentare

Verfasst von - 24. Februar 2013 in Europa, Kultur, Leben, Marketing, Politik

 

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5 Antworten zu “Lebensmittelskandale

  1. AlterKnacker

    25. Februar 2013 at 06:04

    Manchmal habe ich bei Dir und mir den Eindruck, irgend etwas verbindet uns, denn auch mein Beitrag, schon 3 Minuten nach der Erstveröffentlichung im SPON entstanden, hat dieses ‚freudige‘ Ereignis (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2013/02/24/natrlich-sind-auch-berfllte-hhnerstlle-bio/) gleich ins rechte Licht gerückt.

     
  2. ein anderer Stefan

    25. Februar 2013 at 07:23

    Die „geiz ist geil“-Mentalität schlägt schon lange auf den Lebensmittelmarkt durch, verbunden mit einer diffusen, lang tradierten Angst vor „schlechten Zeiten“. Lebensmittel sind in Deutschland m.W. europaweit am günstigsten – irgendwoher müssen die Preise ja kommen.Und da in der marktkonformen Demokratie der Wettbewerb ja eine heilige Kuh ist und der Einzelhandel das in Reinform zelebriert, wird sich daran auch nichts ändern. Vernünftige Lebensmittel kosten Geld. VIele können sich das nicht leisten. Deswegen zu fordern, dass Lebensmittel günstig sein müssen, ist allerdings zynisch – es müsste dafür gesorgt werden, dass jeder sich gute Lebensmittel leisten kann. Aber der gleiche Mechanismus ist ja auch im Gesundheitssystem zu beobachten – nur wer es sich leisten kann, kriegt die Top-Versorgung. Leistung muss sich halt lohnen, und sei es nur, um gesund leben zu können…

     
  3. altautonomer

    25. Februar 2013 at 08:25

    Früher konnte ich mir als Vegetarier bei Fleischskandalen eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Das ist aber seit EHEC auch vorbei. Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer (Iss und stirb!) sagte vor einigen Tagen in einem Fernsehinterview: „Die Lebensmittelproduktion ist wie beim Bau eines Computer nur noch Technik.“

    Will ich wissen, was auf den Verpackungen an bösen Sachen steht, muss ich mein Schülermikroskop zum Einkaufen mitnehmen. Diese ganze Panscherei und Manipuliererei empfinde ich als strukturelle Gewalt.

     
  4. altautonomer

    25. Februar 2013 at 10:27

    „Herr Ober, das Pferdesteak schmeckt ja wie ein alter Gummireifen“! „Da sehen Sie mal, wie selbst in der Gastronomie das Auto das Pferd verdrängt hat.“

     
  5. vilmoskörte

    2. März 2013 at 10:43

    Auf dem Weg zu Soylent Green … es sind ja auch nur noch zehn Jahre bis dahin.

     
 
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