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Franziskus I. – du lieber Himmel

13 Mrz

Das haben sie fein ausgekaspert im Vatikan. Ging auch ganz fix. Der Neue ist 76, gilt als Held der Armen, „fährt sogar mit dem Bus“, oh heiliger Bimbam, und hatte anscheinend während der Diktatur in Argentinien interessante Bekanntschaften. Und er ist Jesuit, was an sich schon eine längere Geschichte ist, erst recht im Zusammenhang mit dem Papsttum. Der Papstname – ein echter Coup – passt zumindest zu einem Teil des Bildes: Offiziell ist Franziskus von Assisi als der spartanische Heilige bekannt. Tatsächlich soll er ein ziemlicher Eiferer gewesen sein.

Aber, wie gesagt, es ging sehr fix. Ratzinger mit seinem Rücktritt hat sie eiskalt erwischt, also gab es nur eine kurze Vorbereitungszeit für das Konklave. Die Machtstrukturen im kirchlichen Rom sind stabil, so dass wohl die Meisten mit einem längeren Wahlverfahren gerechnet haben. Weil es der Sancta Ecclesia aber gerade nicht so gut geht, haben die Kardinäle ein sehr cleveres Verfahren gefunden:

1. Sie haben schnell gewählt. Das hat Spekulationen über eventuelle Machtkämpfe vorgebeugt.

2. Sie haben einen Lateinamerikaner gewählt. Das wurde allerhöchste Eisenbahn, denn dort befindet sich die stabile Basis der katholischen Kirche, außerdem im Vergleich zu einem Afrikaner das kleinere Übel. So weit ist die Kirche noch nicht. Ein asiatischer Papst hätte von vornherein politische Probleme bedeutet – davon hat Rom schon genug.

3. Sie haben einen alten Papst gewählt. Zeit genug, im Stillen über die Anforderungen aus der katholischen Christenheit zu beraten und Gegenmittel für die berechtigten Erneuerungsabsichten zu finden. Sehr wahrscheinlich nicht genug Zeit, Machtgefüge nachhaltig zu verändern oder gar neu zu etablieren.

Sie haben es hingekriegt, als einig und fortschrittlich dazustehen. Jahrhundertelange Übung, trotzdem, spannend, das. Es gibt zwar keine Wunder, aber Überraschungen. Bescheidenheit als Programm? Warten wir’s ab.
 

 

 

 
20 Kommentare

Verfasst von - 13. März 2013 in Menschen, Politik, Welt

 

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20 Antworten zu “Franziskus I. – du lieber Himmel

  1. Tante Jay

    13. März 2013 at 22:06

    Der Wikipedia-Eintrag zu ihm ist interessant:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Franziskus_I.#Verh.C3.A4ltnis_zur_Milit.C3.A4rdiktatur

    Und dass er die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare als „Kindesmissbrauch“ bezeichnet hat, ist bereits ein Schlag ins Gesicht der Opfer, von denen grad wieder ein paar Zehntausend in den Niederlanden gefunden wurden.

    Und was wohl die Opfer der Jesuiten in Deutschland zu der Tatsache sagen, dass ein Jesuit jetzt Papst ist?

     
  2. GrooveX

    14. März 2013 at 05:52

    ratzinger war wohl auch in dem alter (77), als er auf den thron gehievt wurde. das zählt als argument nicht. und für eine hermetische und uralte organisation wie den vatikan ist ein ‚lateinamerikanischer‘ papst auch nur spanisch. das passt schon alles zum system. überraschend finde ich eher, wie professionell die pr-maschine des vatikan funktioniert.

     
  3. altautonomer

    14. März 2013 at 08:06

    Sommertrend 2013. Neue Männer in Frauenkleidern.

    Jorge der I. (by Heidi Klum)

    Jorge der II

     
  4. Jordanus

    14. März 2013 at 11:00

    Ein schöner und informativer kurzer Kommentar, danke! Ich war auch überrascht, dass es so schnel ging, hatte mir aber noch keine Gedanken dazu gemacht, warum. Die drei Punkte könnten die Sache erklären…

     
  5. ein anderer Stefan

    14. März 2013 at 19:58

    Ein Grund könnte auch sein, dass ein Außenseiter, also nicht aus dem Vatikan, sehr von den vorhandenen Strukturen abhängig sein wird und also gar nicht (oder nicht sehr schnell) irgendwas ändern können wird. Ich gehe mal davon aus, dass sein Bild als Wohltäter der Armen noch größer aufgeblasen werden wird, um von den eigentlichen Problemen der kath. Kirche abzulenken – zigtausendfacher Kindesmißbrauch, Schürung von Schwulenhaß, Mithilfe bei der Verbreitung tödlicher Krankheiten etc. Reformen? Nicht in diesem Altherrenverein, der Perverse und politische Extremisten deckt.

     
  6. opalkatze

    14. März 2013 at 20:39

    Ja, ist in Punkt 3 enthalten. Sorry, ich hab das gestern Abend nur schnell runtergehackt. Zu wenig Zeit für was Ausführliches.

     
  7. opalkatze

    14. März 2013 at 20:44

    Danke dito :)

     
  8. opalkatze

    14. März 2013 at 20:44

    *giggl* Du bist nicht nett.

     
  9. opalkatze

    14. März 2013 at 20:46

    Falls du Langeweile hast, kannst du ja mal die unzähligen kritischen Kommentare in den Mainstreammedien lesen. Kaum zu bewältigen.

     
  10. altautonomer

    15. März 2013 at 08:41

    Inhaltliche Ergänzung unter dem Label „Pikante Petitesse“, falls noch nicht bekannt:

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/konklave-im-vatikan-geistliche-teilen-sich-palazzo-mit-schwulensauna-1.1622364

     
  11. Michael

    15. März 2013 at 08:43

    Die haben übrigens wohl nicht absichtlich einen alten Papst gewählt, die sind einfach alle so alt. Bei einer Versammlung, bei der der jüngste Teilnehmer 53 Jahre als ist, muss man sowas halt erwarten.

     
  12. ein anderer Stefan

    15. März 2013 at 15:25

    Zwischen 53 und 76 sehe ich aber noch eine kleine Altersdifferenz. JPII war auch so Mitte 50, als er gewählt wurde, und ein Vierteljahrhundert wollen sie nicht nochmal riskieren…

     
  13. opalkatze

    15. März 2013 at 15:41

    +1

     
  14. opalkatze

    15. März 2013 at 15:42

    Was @Stefan sagt. Ich glaube nicht, dass dort irgendjemand irgendetwas ohne Kalkül macht.

     
  15. Jordanus

    19. März 2013 at 17:40

    Eine Ergänzung hätte ich noch, auch wenn das wirklich reine Spekulation ist: Dieser Papst hat in Argentinien schon Erfahrungen in Wirtschaftskrisen sammeln können. Vielleicht war das ein wichtiges Auswahlkriterium, denn die Krise ist noch längst nicht zu Ende!

     
  16. opalkatze

    19. März 2013 at 17:44

    Spekulation, aber sehr wahrscheinlich. Nach dem alten Programmierermotto: Was könnte es denn noch können können? Passt scho.

     
 
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