RSS

Social Media im Katastrophenfall: Zweiklassengesellschaft

17 Apr

Sybille Klormann und Juliane Leopold beschreiben auf ZEITonline, wie nach dem Anschlag in Boston die sozialen Netzwerke zur Kommunikation mit der Bevölkerung genutzt werden. Sie kommen zu dem Schluss, in Deutschland sei das wegen der geringen Verbreitung von Twitter und Facebook noch nicht möglich.

Es ist das klassische Henne-Ei-Problem, denn es geht nicht um Verbreitung, sondern um Akzeptanz. Wie sollen sie sich verbreiten, wenn in den Mainstreammedien ständig vor dem Internet gewarnt, Twitter als lustiges Spielzeug und Facebook als Schmuddelecke dargestellt wird?

Es sind zwei getrennte Kommunikationssysteme entstanden. Das ist ineffektiv und gefährlich. Was also würde in einem Katastrophenfall passieren?

Die Jüngeren wären früh und umfangreich informiert. Dank Medienkompetenz – oder Surfpraxis – wüssten sie nach den ersten Meldungen, woher sie weitere, zuverlässige Informationen bekommen. Auf die Infohäppchen der Sender wären sie nicht angewiesen. Sie könnten schnell Netzwerke bilden, Hilfe leisten oder andere informieren.

Die „klassischen Warnungen über Funk und Fernsehen“ würden die Älteren erreichen, zeitverzögert und gefiltert. Wie lange es dauert, bis die Sendeanstalten reagieren, konnten wir schon ausreichend besichtigen (zuletzt bei dem sogenannten Anschlag am Bonner Bahnhof). In der Folge solcher Ereignisse wird auch keineswegs informiert, sondern spekuliert.
Die Sirenen sind mittlerweile weitgehend abgebaut. Man könnte allerdings Lautsprecherwagen durch die Straßen fahren lassen – sehr sinnvoll, da sich Katastrophen vorzugsweise auf dem dünnbesiedelten Land ereignen, wo viel Platz und wenig Umgebungslärm ist.

Vielleicht sollten sich Katastrophenschützer, Politiker und Medien endlich zusammensetzen und beraten, ob die Verteufelung der sozialen Netzwerke wünschenswert ist, oder ob sich damit vielleicht eine Notfall-Kommunikation für die breite Bevölkerung aufbauen ließe. Die allgemeine Akzeptanz würde sicher erheblich steigen durch den Hinweis, dass dieses Internet Leben retten kann.
 

 
17 Kommentare

Verfasst von - 17. April 2013 in Medien, Politik, Telekommunikation, Web 2.0

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

17 Antworten zu “Social Media im Katastrophenfall: Zweiklassengesellschaft

  1. Tante Jay

    17. April 2013 at 22:33

    Ich hab mir die Infos direkt von salon.com, usatoday, CNN geholt – also direkt aus den USA. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Journalisten hier aus der Distanz berichten müssen: In der Tagesschau sind 2 Stunden nach dem Attentat noch Infos verbreitet worden, die in den US-Medien zu dem Zeitpunkt bereits widerlegt wurden.

    Die US-Medien haben sich übrigens vorbildlich *auch* um die ganzen Verschwörungstheorien gekümmert, die sofort aus dem Boden sprossen (Alex Jones von Info Wars hat keine 5 min. gebraucht, um „False Flag“ festzustellen).

    Das schlimmste Bild, was ungeprüft stolz als „Rechercheergebnis“ gerade bei Facebook rumgereicht wird (und das hauptsächlich von deutschen Nutzern, soweit ich das verfolgen kann) ist eine Montage, die „beweisen“ soll, dass ein angeblicher Kriegsveteran, der bereits in Afghanistan seine Beine verloren hat, jetzt auch in dem Anschlag nochmal die Beine verloren hat, weil er da mitgelaufen ist.

    Die Botschaft ist klar: Das ist der „Mann der Regierung der im Zweifel die Beine verliert“. Ekelerregend.

    Es gibt eine vage Ähnlichkeit zwischen den Männern, aber sie sind nicht identisch. Wenn du fotografierst, siehst du das schnell. Und kein Mensch hierzulande scheint sich die Frage zu stellen, wie abartig das ist.

    Und genau HIER versagen die deutschen Medien komplett und überlassen den ganzen VTlern das Feld völlig kampflos.

    Dass, wie gesagt, Dinge als „letzte Meldung“ verkauft werden, die in den USA schon längst ein alter Hut sind, interessiert da nicht mehr.

     
  2. ein anderer Stefan

    17. April 2013 at 22:57

    Aber nicht, so lange Friedrich und Co. von „rechtsfreien Räumen“ schwafeln und unsere Überwachungsbehörden glauben, durch E-Mail-Überwachung Terroristen fangen zu können. Da wird lieber über die „hohe abstrakte Bedrohungslage“ schwadroniert und dass man ja alles besser kontrollieren müsse, um Bedrohungen abzuwehren. Die zuständigen Politiker und Sicherheitsbehörden kommen mir immer mehr so vor wie die Leute, die vor fast 200 Jahren meinten, schneller als 30 km/h in der Bahn zu fahren wäre lebensgefährlich…
    (Wie gut unsere Behörden arbeiten, zeigt ja jedes neue Detail zum NSU-Prozeß – da meint man ja bis heute in Sachsen, einen verurteilten Verbrecher aus der rechtsextremen Szene als V-Mann anzuwerben, sei der richtige Weg – immerhin habe er ja auch Hinweise zur NSU geliefert… Nur genützt hats nichts.)

     
  3. opalkatze

    18. April 2013 at 13:09

    Christian Bartels hat das im Altpapier schön zusammengefasst: http://weblogs.evangelisch.de/weblogs/d/altpapier

     
  4. Pingback: Nics Bloghaus
  5. Boris Schneider

    19. April 2013 at 16:16

    Die Deutschen sind halt noch immer ein wenig altbacken, was die sozialen Netzwerke angeht. Da vertraut man den klassischen Medien immer noch mehr. Ob das so bleiben sollte? Ich meine ganz klar: NEIN! Man sollte sich modernen Trends stellen um ihre Vorteile ausschöpfen zu können und das betrifft auch soziale Netzwerke, die dennoch immer wichtiger werden.

     
  6. garfield080

    21. April 2013 at 11:29

    Wie sollen sie sich verbreiten, wenn in den Mainstreammedien ständig vor dem Internet gewarnt, Twitter als lustiges Spielzeug und Facebook als Schmuddelecke dargestellt wird?

    sorry, aber wie soll man Facebook denn sonst darstellen? Auch wenn statt „Schmuddelecke“ Datenkrake angebrachter wäre.

    Von „zu wenig Verbreitung“ kann gerade bei FB auch nicht die Rede sein. Das betrifft vllt die >30jährigen, für die Jüngeren ist FB im Gegenteil absoluter Zwang.

    FB ist nicht mehr der Markenschuh, ohne den man auf dem Schulhof außen vor war – FB ist der „Schulhof“. Wer unter 20 und ohne FB-„Vertretung“ ist, an dem gehn praktisch alle Partys etc vorbei.
    Die Gesellschaft ist hier sowieso auf dem Weg in eine sehr zweifelhafte Entwicklung.

    Daneben sollte man auch nicht vergessen – Internet ist keine Selbstveständlichkeit. Wenn man selbst im Netz ist, kommt es einem leicht so vor, als sei die ganze Welt online. Gerade in der sogenannten „Unterschicht“, unter Hartz-4-Empfängern etc, hat aber kaum jmd Internet-Zugang.

    Und gerade wo ein „anderer Stefan“ hier die Verbindung zum Überwachungsstaat aufmacht –
    Katastrophen sind nicht selten auch mit Stromausfall verbunden, dann würde über Twitter etc sowieso nur erreicht wer ein Internet-fähiges Handy hat. Die sind meist mit GPS und dem ganzen Rattenschwanz der da mitkommt verbunden, „stille SMS“ sind ein Witz gegen das, was schon für halbwegs Professionelle auf dem Gebiet möglich ist.
    Zum Preis der Katastrophenvorsorge würde die Privatsphäre aufgegeben.

    Da ist mir die „gewöhnliche“ Durchsage über Radio jedenfalls lieber. Das können auch viele nicht-Internet-fähigen Handys empfangen. Wenn’s mal wirklich drauf ankommt v.A. auch technisch zuverlässiger.

     
  7. garfield080

    21. April 2013 at 11:33

    eine andere Antwort hätte ich von jemand, der einen offensichtlich kommerziellen Blog betreibt, um Ärzten Patienten zu vermitteln, ehrlichgesagt auch nicht erwartet.

     
  8. garfield080

    21. April 2013 at 12:08

    Nachtrag – @ ein anderer Stefan

    Die zuständigen Politiker und Sicherheitsbehörden kommen mir immer mehr so vor wie die Leute, die vor fast 200 Jahren meinten, schneller als 30 km/h in der Bahn zu fahren wäre lebensgefährlich

    lustig daß du gerade dieses Beispiel bringst.

    Rückwirkend wirkt immer alles „normal“, weil es halt gegeben ist.
    Aber hätte z.B. die Erfindung des Autos auch so euphorisch vorangetrieben, wenn man damals schon gewußt hätte, daß diese Erfindung mal durchschnittlich 3½ Tausend Menschenleben pro Jahr fordern würde?
    heute erscheint uns das Auto natürlich als selbstverständlich – die Verkehrstoten sind unumgehbare „Kollateralschäden“, keiner würde deshalb das Auto in Frage stellen – auch wenn es 10 oder 100 Tausend Tote wären. Die Frage, ob Mobilität soviele Menschenleben wert ist, stellt sich gar nicht (mehr). Sie werden nicht mal direkt auf das Auto, sondern individuelle Ursachen zurückgeführt.

    Es geht mir jetzt nicht darum, ob das richtig oder falsch ist – aber so läuft es halt, und mit dem Kommunikations-Fortschrittjedenfalls wird’s genauso sein. Auch Dinge, die uns heute noch als viel zu hoher Preis erscheinen würden, werden keinen mehr jucken, wenn sie erstmal etabliert sind.

    Daß die Regierung irgendwann mal problemlos & jederzeit deinen Aufenthaltsort ausfindig machen kann, wird einfach hingenommen werden – weil war ja schon immer so.

     
  9. Mordred

    23. April 2013 at 00:40

    ähm, woot?
    „Sie kommen zu dem Schluss, in Deutschland sei das wegen der geringen Verbreitung von Twitter und Facebook noch nicht möglich.“
    und das soll schlecht sein? lol.
    ich bin mit meinen 34 jahren kein sog. digital native, habe aber als wirtschaftsinformatiker und nerd viele berührungspunkte mit technologien, netzpolitik usw. des weiteren lese ich beruflich und privat (zu)viel zu obigem. des weiteren habe ich nen großen freundeskreis und auch zwangsläufig kontakt mit kollegen in anderen staaten.
    ich sehe fb und twitter bestenfalls (!) als zeitverschwendung und sinnlosen verbrauch von menschlichen und technischen ressourcen.
    mir leuchtet dein zweiklassen-szenario durchaus ein. nur bedenkst du dabei in keinster weise bereits realisierte und weitere mögliche probleme. garfield hat ja schon nen paar sachen aufgezählt. mal nur ein paar weitere:
    – diese netzwerke sind nicht sozial, sondern kommerziell. damit soll vor allem anderen geld verdient werden. is vielleicht nicht so das, was man sich unter freiem inet vorstellt ;)
    – es baut sich ein internet im internet auf, welches anders als es früher war, gekapselt ist. viele unternehmungen oder auch zb radiosender pflegen jetzt mind. 2 präsenzen (ressourcen?!)
    – es geht nicht um das pöse inet, wovor die mainstreammedien warnen, sondern es geht um 2-x darauf basierende plattformen. wenn die für dich das inet sind – omg
    – die gesellschaft macht sich von 2-x konzernen in sachen inet extrem abhängig. fb löscht willkürlich einträge oder leitet nach eigenem ermessen und gutdünken infos an strafverfolgungsbehörden weiter. zugespitzt: weltpolizei^^
    – mal eins von vielen erlebnissen aus meinem mikrokosmos: 2 teenager-verwandte bekommen sich via fb annem samstagabend in die haare. war wohl auch alk im spiel, ka. jedenfalls schrieb man sich nciht unbedingt jugendfreie ausdrücke und beledigte die jeweiligen eltern. am nächsten tag wird jeweils das gepostete des anderen bei den jeweiligen eltern und der gemeinsamen oma gezeigt. den rest kann man sich denken. ohne fb wäre dieser schrott nicht passiert.
    – vor ca. 10 jahren galt ich schon als nerdy, weil ich partys usw. via email organisieren wollte. heutzutage nutzen die nörgler von damals witziger weise fb und erreichen mich damit aber nicht. is mir hupe. habe im zweifelsfall auch noch andere hobbys
    – als letztes nochmal einer aus meinem mikrokosmos: tochter des bruders vom chef. mitte 20, abgeschlossenen bachelor of irgendwas mit bwl. kütt aus amiland für planmäßig 3 jahre zu uns in die zentrale. soweit ich sie kennengelernt habe, ist sie alles andere als auf den kopf gefallen. bei uns wird nach einigen monaten festgestellt, dass wir keine passenden aufgaben haben. nun wird sich umgehört, ob es andere firmen für sie gibt. meine persönliche meinung, warum das seit 2 monaten nicht so ganz klappt: ihre sozialen netzwerkprofile etc. wenn ich sie nur google, bekomme ich bspw. (neben vielen anderen infos wie wohnort in usa etc.) sehr ansprechende fotos im bikini zu gesicht. oder auch nette videos von irgendwelchen musikfestivals (war ich früher auch für zu haben – wacken, rar etc.).
    – ….. reicht hoffentlich

    oben schrieb ich ja, was ich bestenfalls von fb und twitter halte. schlimmstenfalls lasse ich mal weg und nenne leiber nur meine reale einschätzung: soziale netzwerke haben ihre daseinsbrechtigung, NEBEN anderen, WICHTIGEREN diensten, die das inet bereitstellt. keinesfalls sollten sie gleichgestellt werden mit einrichtungen wie dem profanen ukw-radio, geschweige denn diese ersetzen. die gesellschaft oder der gesamte globus darf sich nciht von einzelnen kommerziellen plattformen abhängig machen. bei microsoft als os-monopol is das ja noch witzig anzuschauen. dem laden wird oft für schrott geld ohne ende in den rachen geworfen. oder noch besser is heutzutage eigentlich apple. digitale ddr inkl. überteuerter hardware. bei sozialen netzwerken hört für mich der spaß alleine deswegen schon auf, weil das erste wort der bezeichnung „soziale“ nicht zutreffend ist. siehe garfield.

     
  10. opalkatze

    23. April 2013 at 12:38

     
  11. garfield080

    24. April 2013 at 05:38

    ich weiß zwar nicht, auf was genau du mit dem Link hinaus wolltest, mit dem Artikel/ den Worten d. Autorin stimme ich auch absolut überein – ich antworte aber einfach mal an Mordreds Stelle…

    es geht ja längst nicht mehr um „nur um ein bißchen social media“, das ok ist – im Gegenteil ist es für die Jüngeren schon längst unumgehbare Pflicht.
    Den fehlenden Markenschuh konnte man wenigstens noch mit einem gesunden Selbstbewußtsein oder Durchsetzungsvermögen ausgleichen – was man verpasst, verpasst man einfach (Partys etc); keine Chance…
    Mordreds treffendes Beispiel, FB hat wie Microsoft ein Monopol – nur das es nicht um sowas profanes wie den PC geht, sondern fast das ganze soziale Leben.

    btw – die im Artikel beschriebenen Auswirkungen bemerke ich sogar bei mir in geringem Maß, wenn auch nur indem ich während des Tippen dieses Kommentars zw. den Tabs hin & her schalte – einfach weil ich es kann.

    Anders als die Autorin bin ich aber weniger optimistisch… der Vgl mit dem Nikotin hinkt MMN auch, denn anders als die Entscheidung zu Rauchen, die man unabhängig von andern treffen kann, bezieht FB seine Macht gerade aus der Zahl der Teilnehmer, und kollektive Gewohnheiten sind wie Bräuche und sehr schwer abzulegen…

    Was gerade social media + Katastrophenfälle angeht, bin ich auch aus dem Punkt skeptisch, weil digitale Netze im Fall des Falles vermutlich eh zusammenbrechen, siehe 11. September.
    Von daher hätte sich auch das „Erreichen über Handy“ erledigt.

     
  12. Mordred

    24. April 2013 at 23:54

    @garfield: 100% agreed.
    @opalkatze: was hat dieser artikel mit meinen punkten zu tun? mehr als „nix“ wäre wohl übertrieben.
    wäre schön, wenn du noch darauf eingehen würdest.

     
  13. opalkatze

    28. April 2013 at 20:00

    Nö. Ich hab hier und anderswo n Mal über meine Einstellung zu sozialen Netzwerken geschrieben, das muss ich nicht noch mal wiederkäuen. Der Link zu dem Artikel war, glaube ich, mit einem Zwinkern versehen.

     
  14. Mordred

    28. April 2013 at 21:30

    lol. also kontextfrei einfach mal nen link gepostet? geiler blog.

     
  15. opalkatze

    28. April 2013 at 21:34

    Wenn du den Zusammenhang nicht siehst, ist das nicht mein Problem. Ende der Durchsage.

     
  16. Mordred

    28. April 2013 at 21:51

    es gibt keinen kontext. beweis mir das gegenteil. meine ich ernst.

     
 
%d Bloggern gefällt das: