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YouTube & Vimeo: Web-Video ist das neue Lagerfeuer

24 Mai

Dieses DRadio Wissen-Interview neulich hat mich geschockt: Der YouTuber Florian Mundt ist 24 und sagt, er habe von der re:publica bis jetzt nichts gewusst. Dabei ist er unglaublich aktiv im Netz.
 

 
Sascha Lobos Bezeichnung „Unsere uns unbekannten, jüngeren Geschwister“ trifft es:

Auf den Demos gegen ACTA waren viele sehr junge Leute, die Generation YouTube eben, die hochmobilisierbar ist. Und zu denen wir, die 32- bis 48jährigen, zu 87% männlichen Internettypen völlig versäumt haben, Verbindungen aufzubauen. Y-Titty hat laut Suche null Videos gemacht zum Leistungsschutzrecht. Und offenbar ist keiner von uns auf die Idee gekommen, es ihnen vorzuschlagen. Die große Kraft des Netzes, sie endet für uns an der Grenze unserer Blogs.

Y-Tittys Kanal Abgedrehte Comedy hatte heute kurz vor 12 1.787.031 Abonnenten – nur als Info. Also, was ist dieses YouTube?

In YouTube – zwischen Wildwest und Goldgrube beschreiben @Videopunk Markus Hündgen und Bertram Gugel (@digitalerfilm) auf der #rp13, wie YouTube funktioniert.

Ich hab mir das angesehen. Und festgestellt, dass ich – wie umgekehrt Florian – von dieser anderen Welt nichts weiß.

Als Kind habe ich zuerst fotografiert, lange vor dem Schreiben. Kino habe ich geliebt, ohne aber je zu fragen, wie es geht. Beim Schreiben hat mich das von Anfang an interessiert: Wie machen die das? Wie kommt die und die Wirkung zustande, weshalb stößt etwas mich ab oder zieht mich an, warum ist dies spannend und das langweilig? Sind doch schließlich nur Buchstaben, trotzdem kann ich mit Kombinationen aus ihnen mehr anfangen als mit bewegten Bildern.

Irgendwann gab es nicht mehr viele Geschichten, die „auf meine Art“ erzählt wurden. Die schnellen Schnitte und optischen Effekte waren nicht meins, ich kam mir eher vor wie auf einer Achterbahn als im Kino. Chabrol, zum Beispiel, hat mir genug Zeit gelassen. Die Entwicklung der Story war mir immer wichtiger als die Bilder.

Dann kam YouTube, nur am Rand wahrgenommen als Musik-Kanal, wo man nicht unbedingt hingucken musste. Ach ja, Filme gibt’s da auch? Kann man sich ja noch mal ansehen, dies und das. Eine Freundin schickte mir Simon’s Cat. In der Seitenleiste hab ich hier- und dorthin geklickt und fand eine Menge Sachen, die mich zum Lachen brachten. Auf Vimeo bin ich den Followern von Alexander Lehmann gefolgt und fand dort auch Filme, die nicht so ’schnell‘ waren. Es gibt auch tolle Erklärungen oder Anschauungsunterricht, etwa, wie man eine Weinflasche ohne Korkenzieher (und ohne Schraubverschluss) aufkriegt.

Allerdings haben wir da in Deutschland ein kleines, sehr spezielles Problem, wie Fefe hier beschreibt:

Man kann ja auf Youtube alles mögliche lernen oder zu lernen versuchen. Von Mauern über Drachensteigen und Kochen bis Klavierspielen. Konnte, im Fall von Klavierspielen, denn Youtube hat jetzt die Lektionen von einem Online-Klavierunterricht runtergeschmissen, weil sie Urheberrechtsverletzungen witterten. Und sie haben völlig Recht, ich an deren Stelle wäre da auch lieber zu vorsichtig als Post vom Landgericht Hamburg oder der GEMA zu riskieren. Solange die frei herummarodieren dürfen, kann ich als Ausweg nur eine Grunderneuerung des Urheberrechts sehen, noch klarer formuliert, um solchen Missbrauch auszuschließen.

Ja. Das ist ein ganzer Haufen ungelöster Probleme, und sie müssen geregelt werden – dies ist Internet hier. Keine ummauerte optische Telegrafenstrecke.

Webvideopreis2013Auch die Blogosphäre hat ja keine Mauern. Aber wer, wie ich, blogorientiert (= einseitig, uninformiert, leicht irritiert) zum ersten Mal Web-Videos ansieht, staunt Bauklötze, wenn er/sie sich die Einreichungen und Nominierungen zum Deutschen Webvideopreis ansieht, der am 25. Mai in Düsseldorf verliehen wird. Dort habe ich zum ersten Mal gesehen, was alles unter dem Begriff Web-Video möglich ist.

Es gibt Inhalte zum Lachen, Weinen, Träumen, Lernen, Zusehen und Zuhören. Dort werden wieder Geschichten erzählt. Ich will immer noch nicht wissen, wie sie das machen. Es macht einfach Spaß, unterhält mich oder bringt mich zum Nachdenken. Und mittlerweile wird damit richtig viel Geld verdient. (Web-Filmer arbeiten übrigens häufig mit Creative CommonsLizenzen.)

Da hat sich eine ganz eigene Kultur gebildet hat, das hab ich lange verpennt, einfach zu wenig und zu flüchtig hingeguckt. Dass dieses Ökosystem anders funktioniert als das der Blogs, begreift man schnell – warum das so ist, braucht deutlich mehr Zeit. Und noch mehr, um als Nichtyoutuber die ganz anderen Mechanismen auch nur ein bisschen zu verstehen.

YouTube hat mehr Nutzer als Facebook. Mit den Mitteln des Web-Videos lassen sich ganz andere und viel mehr Menschen erreichen als mit einem Blog: Optik wirkt. Web-Videos sind das neue Fernsehen, nicht mehr als ‚alle um ein Lagerfeuer‘ definiert, sondern mit ganz vielen unterschiedlichen Lagerfeuern. Genauso verschieden sind die Erzählweisen, jeder Kanal ist ein kleines Biotop für sich. Auch Blogger finden da noch Ideen, wie man einer Geschichte einen Dreh geben kann.

Ich werde deshalb nicht mein Blog zumachen und zu filmen anfangen, aber immer mal wieder hinsehen, was denn auf YouTube und Vimeo so läuft. Wie die da ticken. Es wäre eine großartige Sache, wenn die beiden Welten zusammenfänden, und sei es nur in Teilbereichen. Es wäre ein Anfang. Und, wer weiß …
 

 
9 Kommentare

Verfasst von - 24. Mai 2013 in Blogs, Kultur, Netzpolitik, Web 2.0

 

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9 Antworten zu “YouTube & Vimeo: Web-Video ist das neue Lagerfeuer

  1. flatter

    24. Mai 2013 at 14:33

    Warum schreibt Lobo neben Fleischhauer? Weil man vorher schon weiß, was sie sagen werden. Lobo tourt seit Jahren herum und erzählt den Leuten, dass sie nichts auf die Reihe kriegen. Und natürlich dass Lobo der Größte ist. Die Verlage und Sendeanstalten glauben ihm Letzteres auch, also gibt Lobo brav den Lobo. Ist das ein Grund, ihn zu zitieren?
    Kommen wir zur Sache: Die Grenzen zwischen den Aktiven unterschiedlicher Schwerpunkte liegen in mangelndem Interesse. Punkt. Ich will gar kein Youtube. Und kein Twitter und kein Facebook. Ich heule aber auch nicht herum, dass alle so unsolidarisch sind. Das Netz ist kein Aufmarschplatz für Revolutionen, sondern Spielwiese für Einzelne. Der Blick auf ‚Bewegungen‘ ist i.d.R. völlig falsch, die Vorstellung, politische Einflussnahme sei über das Netz eher möglich als draußen, völlig naiv. Es gab kein Video gegen das Leistungsschutzrecht? Dann hat sich wohl kein Filmer dafür interessiert. Daher ist auch falsch, man könne „viel mehr Menschen erreichen als mit einem Blog“. ‚Erreicht‘ man mehr Menschen durch Teletubbies als durch einen Artikel über sinkende Profitraten?
    Kurzum: Die mangende Kooperation ist kein Resultat mangelnder Organisation, sondern fehlender gemeinsamer Interessen. Das Netz ist ein Medium, weder ein Werkzeug noch eine Gemeinschaft.

     
  2. opalkatze

    24. Mai 2013 at 16:47

    Warum schreibt Lobo neben Fleischhauer? Weil man vorher schon weiß, was sie sagen werden. Lobo tourt seit Jahren herum und erzählt den Leuten, dass sie nichts auf die Reihe kriegen. Und natürlich dass Lobo der Größte ist. Die Verlage und Sendeanstalten glauben ihm Letzteres auch, also gibt Lobo brav den Lobo. Ist das ein Grund, ihn zu zitieren?

    a. mag und schätze ich Lobo, b. zitiere ich auch zuweilen genüsslichst Fleischhauer, den ich nicht mag.

    Kommen wir zur Sache: Die Grenzen zwischen den Aktiven unterschiedlicher Schwerpunkte liegen in mangelndem Interesse.

    – oder mangelnder Kenntnis, wie bei mir. Soll‘s geben.

    Punkt. Ich will gar kein Youtube. Und kein Twitter und kein Facebook.

    Geschmackssache. Facebook will ich auch nicht.

    Ich heule aber auch nicht herum, dass alle so unsolidarisch sind.

    Hab ich? Nö.

    Das Netz ist kein Aufmarschplatz für Revolutionen, sondern Spielwiese für Einzelne. Der Blick auf ‚Bewegungen‘ ist i.d.R. völlig falsch, die Vorstellung, politische Einflussnahme sei über das Netz eher möglich als draußen, völlig naiv.

    Richtig, klappt in Parteien ja auch nicht. Ist aber den Gedanken wert, wie man verschiedene Fähigkeiten zusammenbringen könnte, um doch Einfluss zu kriegen. Geht aber nur mit denen „draußen“ zusammen.

    Es gab kein Video gegen das Leistungsschutzrecht? Dann hat sich wohl kein Filmer dafür interessiert.

    Wir haben aber auch nicht die Idee gehabt, die YouTuber mal anzusprechen – gleicher Fehler: nicht über die Hecken unseres gemütlichen walled gardens zu gucken.

    Daher ist auch falsch, man könne „viel mehr Menschen erreichen als mit einem Blog“. ‚Erreicht‘ man mehr Menschen durch Teletubbies als durch einen Artikel über sinkende Profitraten?

    Menschen sind Augentiere (nicht meine Erfindung). Zudem sind die Jüngeren da schon bestens konditioniert (aber wem sag ich das).

    Kurzum: Die mangende Kooperation ist kein Resultat mangelnder Organisation, sondern fehlender gemeinsamer Interessen.

    Zum Teil, nicht generell. Welche Gemeinsamkeiten es gibt, lernt man erst, wenn man miteinander redet. Da könnte mehr passieren, wenn man sich einfach mal kennenlernte – bis jetzt sind das getrennte Welten. Hat sicher mit Desinteresse, auch mit Ignoranz, zu tun, aber auch mit sehr viel Nichtwissen.

    Das Netz ist ein Medium, weder ein Werkzeug noch eine Gemeinschaft.

    Man kann es aber als Werkzeug benutzen und darin Gemeinschaften bilden. Was ist denn dein Blog anderes, wenn auch im Kleinen?

     
  3. flatter

    24. Mai 2013 at 18:19

    Vorab: Mein Rantig bezieht sich nicht auf dich, sondern allgemein auf die Klagen über Kooperationen, die da nicht stattfinden und die Analysen dieses Umstands.
    Natürlich gibt es Gemeinschaften und Kooperationen im Netz, natürlich kann es davon mehr geben und wäre das ggf. begrüßenswert. Ich sehe aber, dass die Erwartungen gerade angegsichts der Wirklichkeit zu hoch sind und auch daher auch die Klagen über verpasste Chancen zu laut. Mit mehr Realismus kann man m.E: am Ende mehr erreichen, wenn auch nicht viel mehr.

     
  4. WhiteHaven

    24. Mai 2013 at 18:36

    Ich finde diese Möglichkeiten – Verbreitungs- und Mobilisierungs-Plattformen, WP, Tumblr, Vimeo, Youtube, Twitter etc. die einem das Netz bietet, toll!!! in dem Zusammenhang möchte ich auf ein Zitat von Paul Sethe, den verstorbenen Herausgeber der FAZ zitieren: „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten ihre Meinung zu verbreiten.“
    Dank dem Internet ist das Gott sei Dank nicht mehr so… jetzt haben zig Millionen die Freiheit ihre Gedanken unters Internetvolk zu bringen. Das finde ich gut.
    Ich würde sagen, das Netz ist ein Medium, aber auch ein Werkzeug und natürlich gibt es auch das Internetvolk… nämlich die, die das Netz nutzen und benützen.
    Ein gutes Beispiel ist der Erfolg der Internet-Petition: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_04/_23/Petition_41906.nc.html die innerhalb weniger Tage das erforderliche Quorum erreicht hat. Ich hab da auch elektronisch unterschrieben… ihr auch?

     
  5. opalkatze

    24. Mai 2013 at 18:45

    Sag das doch gleich ,)

    Im Augenblick sehe ich ziemlich viel Resignation, was teilweise ebenfalls mit mangelndem Realismus zusammenhängt. Viele haben sich auch jahrelang vorbeten lassen, dass sie stark sind, und sind enttäuscht, weil ihnen jetzt niemand sagen kann, wie es weitergeht. Da finde ich so einigermaßen erstaunliche Allianzen wie die zwischen DigiGes und D64 schon sehr erfreulich, denn das Kooperieren über Meinungsverschiedenheiten hinweg müssen viele erst lernen. Wohl dem, der von zu Hause Diskussionskultur mitgekriegt hat – das ist aber nicht die Masse der Netzmenschen, die sind viel jünger und eher „ich will aber!“ gewöhnt.
    Hat keiner gesagt, ist einfach. Isses nich. Aber der Mühe wert. [Du bloggst ja auch immer noch. Dä.]

     
  6. opalkatze

    24. Mai 2013 at 18:45

    Lesen hilft.

     
  7. Moritz

    25. Mai 2013 at 20:21

    Ich lebe in beiden Welten, vielleicht ein bisschen mehr in den Blogs als auf YouTube. Denn bei Blogs finde ich – so mein Eindruck – eher Dinge, die mich zum nachdenken anregen und über die man diskutieren kann. YouTube ist eher Unterhaltung, auch wenn ich selbst in meinem Kanal versuche, eine Brücke zwischen Blödsinn und Ernsthaftigkeit zu bauen. Aber vielleicht irre ich mich auch und schaue die falschen Videos bzw. lese die richtigen Blogs :D

     
  8. gsohn

    26. Mai 2013 at 09:12

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

     
  9. Östermann

    26. Mai 2013 at 21:47

    Hat dies auf Östermanns Blog rebloggt und kommentierte:
    Es ist wohl an der Zeit, sich Youtube etwas genauer anzusehen. Denn: „Es gibt Inhalte zum Lachen, Weinen, Träumen, Lernen, Zusehen und Zuhören. Dort werden wieder Geschichten erzählt.“

     
 
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