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#LSR · Google macht Ernst

21 Jun

Aus Mountain View kam heute ein Rundschreiben, das wohl keine andere Lesart zulässt. (Ergänzungen »)
 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie auf diesem Wege über eine kleine, aber wichtige Veränderung unseres Dienstes Google News informieren.

Wie Sie vermutlich wissen, ändert sich zum 1. August die Rechtslage für Presseverlage im Internet. Von da an bietet das neue Leistungsschutzrecht deutschen Presseverlegern ein exklusives Recht, ihre Inhalte öffentlich im Internet verfügbar zu machen. Es gab bereits eine langwierige und komplexe Debatte rund um das neue Gesetz. Trotzdem bestehen weiterhin erhebliche Unsicherheiten zu dessen Umsetzung und juristischen Konsequenzen.

Wir sind nach eingehender Prüfung davon überzeugt, dass unser Dienst Google News mit dem Leistungsschutzrecht im Einklang steht. Dennoch möchten wir vor dem Hintergrund der Diskussion sichergehen, dass Sie weiterhin mit der Aufnahme der Inhalte Ihrer Website in Google News einverstanden sind. Wir führen deshalb am 21. Juni für unsere Verlagspartner eine neue Bestätigungserklärung ein. Diese gibt Verlagen und Webpublishern in Deutschland eine zusätzliche Möglichkeit, zu entscheiden, ob ihre Inhalte in Google News angezeigt werden sollen oder nicht.

Bitte klicken Sie hier, um zu dem neuen Tool weitergeleitet zu werden. Dort können Sie (mit wenigen Klicks) Ihre Bestätigungserklärung hinterlegen, damit Inhalte Ihrer Website (auch weiterhin) in Google News aufgenommen werden dürfen. Sie können Ihre Entscheidung natürlich jederzeit wieder ändern. Wenn Sie bis zum 1. August keine Bestätigungserklärung bei uns hinterlegen, werden Ihre Inhalte ab diesem Datum nicht mehr in Google News angezeigt.

Bitte beachten Sie, dass Sie sich mithilfe der Webmaster Tools als Websitebetreiber verifiziert haben müssen, falls Sie das noch nicht getan haben.

Zusätzliche technische Informationen finden Sie hier hier. Weitere Informationen zum Hintergrund dieser Änderung in Google News können Sie unter folgendem Link einsehen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr Haus seine Inhalte auch weiterhin über Google News einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen würde. Wenn Sie sich mit uns in Verbindung setzen möchten, verwenden Sie bitte das Kontaktformular in der Google News-Hilfe.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Google News-Team

© 2013 Google Inc. 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, USA
Sie erhalten diese verbindliche Benachrichtigungs-E-Mail, um über wichtige Änderungen bei Google News informiert zu werden.


 

Ergänzungen

 
Google News-Bestätigungserklärung

  • Google News-Bestätigungserklärung; im Moment allerdings (21.6., 22:06): „Fehler beim Laden der Anwendung. Laden Sie die Seite erneut.“
  • Alles eine Frage des Standpunkts, vulgo, des Ergebnisses des Versuchs, die Deutungshoheit zu erlangen. In einem Kommentar beschreibt Kai Biermann für ZEITonline die ersten Verlegerreaktionen:
     

    Der BDZV und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) finden es “konsequent”, dass Google mit dem neuen Verfahren das Leistungsschutzrecht anerkenne. “Die Verleger gehen allerdings davon aus, dass das Recht weiterreicht.” Die Entscheidung, ob Verlage ihre Inhalte dem Dienst Google-News kostenlos überlassen, müsse daher jedes Unternehmen selbst treffen. (ZEITonline)

  • SpOn-Meldung:
     

    Wer nicht unterschreibt, fliegt aus Google News raus. Die Verlagsinhalte sollen allerdings weiterhin in der allgemeinen Google-Suche auftauchen, sofern die Verlage dies nicht mit anderen technischen Maßnahmen unterbunden haben. Inhaber von Websites können mit Angaben in einer Datei mit dem Namen robots.txt oder auf jeder Seite einzeln festlegen, ob ein Software-Roboter von Google oder einer anderen Suchmaschine die Inhalte erfassen darf oder nicht.

  • Thomas Stadler: Google reagiert auf das Leistungsschutzrecht:
     

    Das ist im Grunde genau das Ergebnis, das die Verlage nicht erreichen wollten. Die Verlage haben jetzt nämlich nur die Wahl, draußen zu bleiben, oder per ausdrücklicher Erklärung ihre Inhalte kostenlos für Google News freizugeben.

  • Klaus Jarchow hätte gerne Eine Tonne Popcorn, bitte! Was wirklich ratsam wäre.

 

 
31 Kommentare

Verfasst von - 21. Juni 2013 in Medien, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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31 Antworten zu “#LSR · Google macht Ernst

  1. Jens Arne Männig

    21. Juni 2013 at 16:57

    Interessant! Noch interessanter sind aber vermutlich die AGB, mit denen sich die Informationsanbieter, die weiterhin in Google News vertreten sein wollen, einverstanden erklären müssen. Da steht doch sicher irgendwas von kostenloser Überlassung drin, oder?

     
  2. WhiteHaven

    21. Juni 2013 at 17:01

    Nun, mich würde es freuen wenn SPON, Focus, Welt etc etc nicht mehr die Google News dominieren würden und absagen würden ;-)

     
  3. Wolfgang Messer (@Fastvoice)

    21. Juni 2013 at 17:25

    Falls es noch nicht aufgefallen sein sollte: Google+ generiert seit rund drei Wochen bei immer zahlreicheren Accounts keine Snippets mit Vorschaubildern mehr bei Verlinkungen zu Blogs, Artikeln etc.. Teils gibt es sogar Schwierigkeiten, einen „nackten“ Link ins Anhangfenster zu kriegen. Klappt manchmal erst im dritten Anlauf.

    Dachte erst, das sei ein individuelles Problem bei mir, ist es aber nicht. Geht beispielsweise auch Anbietern wie „Eine Zeitung“ oder „1&1“ so. Nachfragen blieben bisher unbeantwortet, offizielle Mitteilungen von Google gab’s auch nicht.

     
  4. opalkatze

    21. Juni 2013 at 17:40

    Jetzt, wo du’s sagst …

     
  5. pantoufle

    21. Juni 2013 at 18:27

    Na schön, dann haben wir eben den Salat. Da ist es doch, das Neuland. Das werde ich sowieso niemals verstehen: An Googles Stelle hätte ich einmal laut und vernehmlich gefragt, wer verlinkt werden will und wer nicht und dann den Hahn zugedreht. Basta. Bastelt euch doch selbst ein Google – made bei Bertelsmann&Springer. Und die Wäsche waschen wir dann auch gleich wieder mit der Hand am Bach.
    Das hat man nun davon, wenn man das Schwarzwaldmädel FDJ-Sekretärin Bundeskanzel werden lässt.
    Wir betreten Neuland und schweigen betreten.

     
  6. opalkatze

    21. Juni 2013 at 18:28

    Öhm – das macht Google ja hiermit.

     
  7. pantoufle

    21. Juni 2013 at 18:31

    Öhm – ich hätte vielleicht leiser gefragt und komplett aus dem Index gestrichen. Das machen sie leider nicht. Das sehe ich doch richtig: Die tauchen bei google-news nicht mehr auf, wohl aber bei der normalen Suche.

     
  8. opalkatze

    21. Juni 2013 at 18:45

    Nee, kann ja nicht in ihrem Interesse sei, weder für ihr Image als beste, schnellste, tralala Suchmaschine, noch politisch.

     
  9. pantoufle

    21. Juni 2013 at 18:50

    Henne-Ei. Hätte Google von Anfang an die harte Linie gefahren… wer weiß, wie weit man sich von Verlegerseite aus dem Fenster gelehnt hätte. Im Grunde ist es auch Schnee von gestern. Wir haben das bedingungslose Grundeinkommen für Verleger und damit die schlechtste aller denkbaren Lösungen.

     
  10. opalkatze

    21. Juni 2013 at 21:04

    Von Googles Standpunkt ist das hier ziemlich das Cleverste, was sie machen können. Damit können sie die Verleger am Nasenring durch die Manege ziehen: Erstens haben die jetzt den Schwarzen Peter, alle Arbeit dürfen sie auch machen, mit Haarspaltereien von wegen robots.txt ist ebenfalls Schluss, und sie stehen unter verschärfter Beobachtung der Netzöffentlichkeit, die das alles genüsslich kommentieren wird. Gute Strategie, kann ich nur sagen.

     
  11. opalkatze

    21. Juni 2013 at 21:06

    Hatte noch keine Zeit, mir das anzusehen. Ich werde berichten.

     
  12. opalkatze

    21. Juni 2013 at 21:48

     
  13. Matthias Schwenk

    21. Juni 2013 at 23:08

    Ich finde das wunderbar! Besser hätte es Google gar nicht machen können. Allerdings denke ich auch, dass Google News heute nicht mehr die Bedeutung hat, wie das vor ein paar Jahren noch der Fall war. Vielleicht ist es einigen Verlagen deshalb auch egal, wenn sie dort nicht mehr in Erscheinung treten.

     
  14. opalkatze

    21. Juni 2013 at 23:17

    – aber mal ehrlich: Würdest du das als Verlag unbedingt ausprobieren wollen?

    Wie Klaus Jarchow so schön sagt: Eine Tonne Popcorn, bitte!

     
  15. pantoufle

    22. Juni 2013 at 00:12

    @katze
    Mann – bin ich blöd: So langsam dämmerts mir auch. So richtig hab ich das mit der Win-Win Situation nie verstanden, aber da ist sie: Die Loose-Loose Situation.

     
  16. Michi

    22. Juni 2013 at 04:02

    Google trollt das LSR. Ist das geil. Ein Gesetz, bei dem noch vor Inkrafttreten klar ist, dass es völlig ins Leere läuft.

    Ich bin sicher kein Fan von Google, aber zu dem Schachzug kann man ihnen nur gratulieren. Einfach mal den Spieß umgedreht und den Verlagen gezeigt, wo der Hammer hängt, sprich: wer hier von wem abhängig ist.

    Eigentlich sollte man aus dem Lachen nicht mehr herauskommen, wäre die ganze LSR-Geschichte nicht so ein hundserbärmliches Paradebeispiel für Gesetzgebung auf Lobby-Zuruf.

     
  17. Conrad Pfeffer

    22. Juni 2013 at 10:13

    Das #altland bekommt jetzt eine robots.txt-Packung. Richtig schön deutsch, mit einem Prozess drüber und Marke ziehen. Ich bin amüsiert.

     
  18. opalkatze

    22. Juni 2013 at 11:51

    Jetzt steh ich auf dem Schlauch. Win-Win ist es sicher nicht, aber Google gewinnt in jedem Fall.

     
  19. Alex

    22. Juni 2013 at 12:52

    Gute Reaktion von Google. Wer ein Problem mit der (kostenfreien) Anzeige seiner Inhalte hat, braucht auch nicht gelistet zu werden.
    Verlage hatten mit dem LSR sicher etwas anderes im Sinn und werden nun reagieren müssen. Ob sie versuchen werden Google zur kostenpflichtigen Darstellung zu zwingen? Wie sollte das gehen? Das wird sicher spannend. Ich habe vorsorglich jede Menge Popcorn gehortet.

     
  20. Netz-TV

    22. Juni 2013 at 13:14

    Ich hab bereits vor einem viertel Jahr einem Onlinechef eines Verlages gesagt er möge regelmäßig in die Webmastertools schauen wann genau diese Nachricht dort aufschlägt. Denn eine Google-News-Listung wird ja von Google nicht einfach gemacht- man muss sich dort als Nachrichtenquelle anmelden. Jetzt hat natürlich ein Herr Keese von Springer ein dickes Problem, das er bei einem bisschen Denken hätte voraussehen müssen. :-) Wenn am 1. August BILD und WELT in den Google News erscheinen schlage ich für Twitter schonmal das Diskussionstag #Heuchler vor. :-)

     
  21. opalkatze

    22. Juni 2013 at 13:27

    Hätte auch nie gedacht, dass ich für Googles Handlungsweise einmal das Wort elegant verwenden würde … :]

     
  22. Wigger

    22. Juni 2013 at 21:29

    Ha, ich kenne ausser dem Suchschlitz keine Online-Maske von google die irgendwo noch halbwegs funktioniert. Geschweige denn von den Topleuten die bei G in D arbeiten. Idee ist ja lustig, die saubere Umsetzung sehe ich als das Problem, da wird es viele kleinere Angebote in die eine oder andere Richtung erwischen ohne dass Sie Einfluss nehmen können.

     
 
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