RSS

#LSR: Ab 1. August greift das famose Leistungsschutzrecht

30 Jul

Bei Christoph Keese, Springers ehedem so eifrig stänkerndem Außenminister, ist es seit April still, ganz still. Irgendwie ja auch verständlich, mir geht da was von Mohr und Schuldigkeit getan im Kopf rum. Das mit der langen Nase haben sie jedenfalls geschafft, nicht nur gedreht, sondern gleich dreifach, sozusagen eingesprungen: Erst das Leistungsschutzrecht durchgedrückt, dann beim Ausverkauf ihrer Zeitungen an Funke ganz laut „Ätsch!“ geschrien, und lukrativ wird es für Springer so oder so. Ganz nebenbei werden noch ein paar Abmahnkanzleien versorgt. Journalisten werden leider, leider nicht profitieren, aber die braucht eh kein Schwein. Man kann der deutschen Urheberrechtspolitik zu solchen Verbündeten wirklich nur gratulieren.

Der journalist berichtet vom Rückzug einiger vielbeachteter und unverzichtbarer Meinungsbildner von Google News: Saarbrücker Zeitung, Trierischer Volksfreund, Lausitzer Rundschau und (Update v. 31.7., am Textende) Rhein-Zeitung möchten Googles Einverständniserklärung lieber besser vorsichtshalber nicht unterschreiben. Kann man verstehen, schließlich ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod eine bewährte Maßnahme. Ob Google das verkraften wird?

Dass durch das LSR ein Dienst mit beschädigt wird, der für Blogger eine wichtige Anlaufstelle ist – Frank Westphals Rivva –, ist einer dieser Kollateralschäden, die man eben für den Sieg der Guten in Kauf nehmen muss. Das ist wie bei den Drohnen, wenn da ein paar Zivilisten mit erwischt werden: kann man halt nix machen, wo gehobelt wird, fallen Späne. Auch die schmarotzenden Blogger haben jetzt nichts mehr, worüber sie schreiben können, denn sie nähren sich ja bekanntlich ausschließlich am Busen der Mainstreammedien. Ach, das wird ganz wunderbar: nur noch die werden gefunden, die auch wirklich was zu sagen haben (bis auf die Ausnahmen oben, leider).

Der Urheberrechtsschutz hat mit dem LSR einen Riesensprung gemacht. Danke, Springer, danke, Regierung.
 

Update, 16:50 Uhr, aus dem turi2-Newsletter:

Auch Burda und „FAZ“ kuschen bei Google News.
Vorläufige Kapitulation: Die größten Kämpfer gegen Google und für ein Leistungsschutzrecht ziehen im Angesicht der Marktmacht von Google den Schwanz ein. Nach Springer wollen auch Burda und „FAZ“ Artikel ihrer Websites weiter von Google News finden lassen – wenn auch nur „vorläufig“ und „vorbehaltlich eines jederzeitigen Widerrufs“. Die Verlage fürchten „erhebliche Reichweitenverluste“ und „nicht überschaubare wirtschaftlichen Risiken“. Nur wenige Zeitungen, darunter „Rhein-Zeitung“ und „Saarbrücker Zeitung“, bieten Google die Stirn und werden daher künftig von Google News nicht mehr gefunden. Google erzielt damit einen klaren Etappensieg. Die Verlage suchen einen Weg, doch noch eine Lizenzgebühr für Google durchzusetzen – ein nahezu aussichtsloses Unterfangen angesichts der Marktmacht von Google und der Uneinigkeit der Verlage.
weiterlesen auf turi2.de, kress.de (FAZ), meedia.de (Burda), welt.de, taz.de, zapp.blog.ndr.de

 

 
7 Kommentare

Verfasst von - 30. Juli 2013 in Blogs, Kultur, Medien, Netzpolitik, Web 2.0

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

7 Antworten zu “#LSR: Ab 1. August greift das famose Leistungsschutzrecht

  1. Floyd

    30. Juli 2013 at 16:11

    Danke, du sprichst mir aus der Seele. Tief in mir drin spüre ich, Keese wird eines Tages als Poster in der Bravo auftauchen. Nur so ein Gefühl.

     
  2. opalkatze

    30. Juli 2013 at 16:22

    Als Starschnitt. Au ja.

     
  3. pantoufle

    31. Juli 2013 at 09:28

    Der Trierischer Volksfreund! Ob sich der deutsche Kuh-Journalismus von diesem Schlag erholen wird, erscheint unwahrscheinlich. Was ist eigentlich das Gegenteil von Neuland? Abseits?

    Auf die erste Abmahnwelle darf man gespannt warten. Da man sich von Verlegerseite aus magazinweise die Munition in die Knie geballert hat, blieben als Opfer ja nur die Kleinen über. Also wahrscheinlich wir. Welchen Wert das Zitatrecht noch haben wird, ist an der Behandlung der informationellen Freiheit und dem Briefgeheimnis abzulesen.

     
  4. opalkatze

    31. Juli 2013 at 11:45

    Kann nur empfehlen, mindestens §51 UrhG auswendig zu lernen. Interessanter finde ich die Frage, ob das Ganze von Springer nicht gezielt auf die geplante Digitalisierungsoffensive hin geplant wurde, hab ich aber noch nicht fertig gedacht.

     
  5. Joachim

    31. Juli 2013 at 12:50

    1) die Artikel der Rhein-Zeitung wird von Google News, ixquick, startpage aber auch von duckduckgo mit Anreißertext gefunden. Offensichtlich ändert sich für die durch das LSR nix. Das ist unbefriedigend weil nicht rechtssicher.

    2) Wenn Google ein Opt-In erzwingen kann, kleinere Suchmaschinen aber nicht, dann sehe ich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil durch pure Marktpräsenz für Google. Google findet Dinge, die kleine Suchmaschinen nicht finden dürfen.

    3) Umgekehrt werden sich kleine Zeitungen kaum bei jeder denkbaren Suchmaschine und schon gar nicht bei Bloggern anmelden. Kleine Zeitungen werden nicht mehr gefunden.

    Die Folge: kleine Zeitungen, Blogger und sogar alternative Suchmaschinen werden stark benachteiligt. Es scheint mir so, als würden sich wieder einmal die „Großen“ ein Loch in den Bauch freuen können. Unter der Voraussetzung, dass Christoph Keese oder Mathias Döpfner nicht wirklich dumm sind, könnte man vermuten: Es war wohl nie geplant, dass wirklich irgendwo Geld fließen sollte. Wenn nun möglichst viel Konkurrenz stirbt, dann heißt es wohl: Mission abgeschlossen. Win – Win für die beiden „Gegner“.

    Man könnte fast auf die Idee kommen, das sei alles so zwischen Springer und Google abgesprochen.

     
  6. opalkatze

    31. Juli 2013 at 13:16

    Ja, geht in die richtige Richtung, glaube ich. Wie gesagt, ich denke noch dran rum. Kann man auch ganz anders sehen, aber ich halte Springer überhaupt nicht für dumm.

     
 
%d Bloggern gefällt das: