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Pferdegedöns

03 Aug

Anne Schüssler hat eine Blogparade angeschubst, die ich nur mitgekriegt habe, weil Antje Schrupp mal Marie Louise Fischer gelesen und ix was über pferde (klein!) geschrieben hat.

Völlig beknackt, das ist 40 Jahre her, aber meine Pferdezeiterinnerungen kommen wieder hoch.

Zu unserem Dorf gehörte eine weltberühmte Araberzucht, im Besitz schwerreicher ungarischstämmiger Liebhaber. Ein Verwandter besaß Anteile, aber da reiten zu gehen, war trotzdem verboten. Der viel zu gering als Reitknecht titulierte X, der für das Wohlergehen der Pferde, das Ansehen des Hofs und die Öfentlichkeitsarbeit zuständig war, wohnte im Dorf und war ein ganz Lieber. Er kannte unsere Geheimnisse und wusste natürlich auch, dass wir heimlich zu den Pferden gingen. Er hat uns nie verraten.

Wir glaubten, der Trick bestünde darin, eines der Pferde an den Zaun zu locken, es einzulullen und so sein Einverständnis für einen Ritt zu erreichen. Zucker gab es nicht, natürlich nicht, aber Möhren und – ebenfalls verbotene – Brötchen. Die Kunst war, dachten wir, mit dem Pferd zu sprechen, so, dass es einen auf seinen Rücken ließ. Das ist nicht so, aber die nächsten Generationen glauben trotzdem weiter daran.

Zwischen Kindern und Pferden besteht irgendeine geheimnisvolle Verbindung. Jedenfalls erlaubte der n-fach preisgekrönte Zucht- und Leithengst uns immer wieder die unbeschreibliche Wonne, auf ihm ein paar Runden über das große Areal seines Gefängnisses zu reiten, ohne alles – kein Sattel, kein Zaum, keine Leine. Er schien genau zu wissen, wie er uns Spaß bereiten konnte, ohne uns jemals in Gefahr zu bringen. Reiterische Fähigkeiten hatten wir nicht, weil wir sie nirgends erwerben konnten. Er hat auf uns aufgepasst.

Meine Freundin Birte und ich hatten ein perfektes Täuschungssystem entwickelt, es durfte ja niemand wissen, was wir nachmittags wirklich trieben. Birte machte offiziell bei mir Hausaufgaben, ich bei ihr. Wir waren einigermaßen erfinderisch darin, Treffen unserer Familien zu verhindern. Natürlich sind wir doch aufgeflogen. Wir hatten es übertrieben und eine ganze Weile vormittags die Schule geschwänzt. Ich kam ins Internat (das ich, btw, dann doch noch geliebt habe), Birtes Familie zog wieder nach B., weil ihr Vater dort eine bessere Arbeit bekam.

Viele Jahre später habe ich X wiedergetroffen. Wir hatten eine kurze, rundrum schöne Affäre. Dann ist er zu seinen Pferden heimgekehrt.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 3. August 2013 in Leben, Mensch bleiben, Web 2.0

 

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3 Antworten zu “Pferdegedöns

  1. altautonomer

    4. August 2013 at 09:46

    Auf meinen Radtouren kommen ich beim „Einrollen“ immer wieder an einem Reiterhof vorbei und sehe Mädchen und junge Frauen reiten. Nie Männer oder Jungen. Ich frage mich jedesmal, warum weibliche Personen eine besondere Affinität zu Pferden haben. Kann mir hier ein Leut die Frage beantworten?

     
  2. opalkatze

    4. August 2013 at 17:25

    Hm, ich denke, darum geht es bei der Blogparade, kann aber nur jede für sich selbst erklären. Es sind aber schon männliche Wesen auf Reiterhöfen gesichtet worden. Glaube ich.

     
 
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