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Wir schaffen es nicht

09 Aug

Im Medienmagazin ZAPP finden Julie Kurz und Kathrin Drehkopf in Der unverstandene Skandal, die deutschen Journalisten schaffen es nicht, die Folgen der Snowden-Enthüllungen zu erklären. Ja. Niemand schafft es. Dieser Skandal ist unsichtbar, er riecht und schmeckt nicht. Er raubt unsere Grundrechte, zeigt uns die ganze Erbärmlichkeit der achselzuckenden Regierung und die eigene Ohnmacht.

Heribert Prantl meint, jetzt wäre die Energie nötig, die während der Wulff-Affäre unangemessen investiert wurde. Noch mal ja. Aber Energie allein reicht nicht. Es braucht Ideen. Die Nachricht ist, was man draus macht: Das Fernsehen vermeldet doch sonst in dringendem Ton die Horrormeldungen aus dem Internet – das klappt so gut, dass es die Bevölkerung verinnerlicht hat. Warum benutzt es seine erprobten Skandalisierungsinstrumente nicht zur Verteidigung der Grundrechte?

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 ist die einzige vergleichbar bedrohliche Situation. Auch diese Gefahr war optisch nicht wahrnehmbar, geruch- und geschmacklos. Damals haben die Medien durch stetige und ausführliche Berichterstattung erreicht, dass die Menschen die Risiken kannten und sich z.B. nicht mehr bei Regen im Freien aufhielten oder auf den Verzehr bestimmter Lebensmittel verzichteten. Es geht.

Hier, bitte – eine richtige Aufgabe, macht endlich was draus. Hallo? Findet ihr in eurer Gebührenseligkeit wirklich Bundesliga, Schwarzer-Peter-Spielchen oder diese Lachnummer von Wahlkampf wichtiger? Was muss denn noch passieren?!

 
16 Kommentare

Verfasst von - 9. August 2013 in Blogs, Journalismus, Medien, Netzpolitik, Web 2.0

 

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16 Antworten zu “Wir schaffen es nicht

  1. Max Kuckucksvater

    9. August 2013 at 18:32

    Ist die Tonqualität nur bei mir so schlecht? kanal rechts links vertauscht – rechter Kanal (Interviewerin) hat immer wieder elektrisches Fiepen vom Mobiltelefon.

     
  2. opalkatze

    9. August 2013 at 18:42

    Ich hatte das auch, weiß aber nicht, ob es noch mehr Menschen feststellen?

     
  3. Sebastian Mondial

    9. August 2013 at 19:00

    Eigentlich hatten wir alle beim Dreh das Telefon aus. Wirklich seltsam.
    Aber ich finde es besser, ganze Interviewstrecken zu veröffentlichen (auch für den Kontext und die Fragen) selbst wenn da ein wenig Fiepen drin ist.

     
  4. opalkatze

    9. August 2013 at 19:04

    Ah, demnach haben es noch mehr Leute moniert. Ich denk immer erst mal, es liegt an meinem DSL, Marke Sparta.

    Ja, das ist das Schöne bei ZAPP, dass sie die immer mit veröffentlichen, ich hör die fast immer durch.

     
  5. Max Kuckucksvater

    9. August 2013 at 20:08

    man kann sich wirklich nur sicher sein, dass ein Mobiltelefon ausgeschaltet ist, wenn man die Batterie entnimmt. Aber eine Möglichkeit wäre, bei den Stellen, wo es fiept, den Ton auf dem Kanal der Interviewerin abzustellen, da dieses Fiepen stets nur dann kam, wenn sie nichts sagte. Dass die Kanäle links und rechts vertauscht sind ist nur geringfügig irritierend.

     
  6. Max Kuckucksvater

    9. August 2013 at 20:16

    @Sebastian Mondial Ein sehr interessantes Interview, dass Sie da gegeben haben. Habe es mit Interesse mir angehört und hoffe, dass mehr Journalisten erkennen, dass sie noch einiges dazulernen müssen, um bessere Fragen zu stellen und auch erkennen zu können, wenn Politiker ihnen gerade Mist zu verzapfen versuchen.

     
  7. opalkatze

    9. August 2013 at 20:29

    Nee nee, die können das schon. Folgendes: Merkel (um mal das Paradekissen zu nennen) gibt eines ihrer sog. Interviews. Nach 7 Minuten steht der Journalist auf und bittet Merkel, sich doch zu melden, wenn sie mal antworten möchte. Das wäre die angemessene Reaktion, und zwar in einer Live-Schalte. Dummerweise hat der Kollege Familie, und es warten mindestens 30 Nachrücker auf seinen Job. Der Kollege wird zwar berühmt, bekommt aber leider keine Aufträge mehr. So viel zum Thema können.

    Sorry, bei solchen Bemerkungen krieg ich ’n Hals.

     
  8. castellvecchio

    9. August 2013 at 22:24

    Hat dies auf castellvecchio rebloggt.

     
  9. _Nachtflug_

    10. August 2013 at 10:06

    Und natürlich kommt das um 23:20Uhr und auf einem möglichst „unbeachteten“ Kanal (ohne den NDR jetzt abwenden zu wollen!) Die Thematik sollte jeden (!) Tag 3x in den Nachrichten auf allen (!) Kanälen behandelt werden – aber da hätten glaub ich unsere gewählten Volksvertreter etwas dagegen…..

     
  10. theomix

    10. August 2013 at 13:13

    Reblogged this on Theomix and commented:
    Bedenkenswertes am Samstag (und auch sonst).

     
  11. Erbloggtes

    11. August 2013 at 23:40

    „Guten Tag meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie zu unserer Sonderberichterstattung zum NSA-GAU und seinen Folgen! Geheimdienste rund um den Globus kombinieren jeden Klick im Internet zu umfassenden Bewegungsprofilen und bedrohen damit Grundrechte, Rechtsstaat und Demokratie. Privatunternehmen unterstützen sie dabei tatkräftig. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Facebook-Seite oder bei Google.“

     
  12. schneeschmelze

    12. August 2013 at 01:56

    Das Problem ist nicht dieses Thema oder seine Komplexität, das Problem ist der Niedergang der Massenmedien insgesamt. Ganz viele Themen werden in den Massenmedien nicht angemessen dargestellt, z.B. auch sozialpolitische Fragen, die eben naturgemäß Querschnittsmaterien sind, die aus der Sicht mehrerer Fächer beleuchtet werden müssen. Hinzu kommt, daß es Skandale alten Typs – „Flick“, „Barschel“ – schlicht nicht mehr gibt – liegt nicht daran, daß es heute keine Flicks oder Barschels mehr gäbe, sondern solche Stories werden einfach nicht mehr gedruckt und gesendet. Deshalb weicht man aus ins Netz, liest Blogs und soziale Netzwerke. Sucht Kanäle, die weniger von PR-Agenturen bespielt oder beeinflußt werden. Der Journalismus schafft sich ab. Hat sich abgeschafft. Ja, hat sich abgeschafft.

     
  13. Erbloggtes

    12. August 2013 at 10:41

    So ist es. Habe als weitere Beispiele hier die Themen Klimawandel/Klimaskepsis und Evolution/Kreationismus (beide v.a. in den US-Medien) sowie Plagiarismus aufgeführt. Journalisten können nicht die Welt erklären, wenn sie dabei stehen bleiben, die „Presseerklärungen“ konfligierender Parteien nachzubeten, weil sie nicht beurteilen können, was wirklich der Fall ist.

     
  14. opalkatze

    12. August 2013 at 13:26

    Nein. „Bitte besuchen Sie unseren Blog (sic! der Blog), klicken Sie sich einfach durch, bis sie finden, wonach Sie suchen. Wenn Sie nicht wissen, dass es zu diesem Thema einen Beitrag gibt, haben Sie leider Pech gehabt. Das tut uns leid.“

     
  15. opalkatze

    12. August 2013 at 13:30

    Passt gut zu #tag2020. Die Leute, die es können, wären schon da, aber werden saumäßig bezahlt. Es zählt nur noch der Mainstream alias MSM, oder: es wird nur geschrieben/gesendet, von dem man annimmt, es interessiere „alle“. Long live die Quote.

     
 
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