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Kontodaten & Krankenakten

06 Sep

Kürzlich habe ich hier angemeckert, dass wir – Journalisten, Blogger, Medien – es nicht schaffen, die Themen Überwachung und Ausverkauf von Grundrechten einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Natürlich gab es auch wieder die durchgenudelte Bemerkung, „die Journalisten“ müssten noch viel lernen, ich hab geantwortet:

Nee nee, die können das schon. Folgendes: Merkel (um mal das Paradekissen zu nennen) gibt eines ihrer sog. Interviews. Nach 7 Minuten steht der Journalist auf und bittet Merkel, sich doch zu melden, wenn sie mal antworten möchte. Das wäre die angemessene Reaktion, und zwar in einer Live-Schalte. Dummerweise hat der Kollege Familie, und es warten mindestens 30 Nachrücker auf seinen Job. Der Kollege wird zwar berühmt, bekommt aber leider keine Aufträge mehr. So viel zum Thema KÖNNEN.

Ein konstruktiver Vorschlag kam von Erbloggtes in den Kommentaren:

“Guten Tag meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie zu unserer Sonderberichterstattung zum NSA-GAU und seinen Folgen! Geheimdienste rund um den Globus kombinieren jeden Klick im Internet zu umfassenden Bewegungsprofilen und bedrohen damit Grundrechte, Rechtsstaat und Demokratie. Privatunternehmen unterstützen sie dabei tatkräftig. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Facebook-Seite oder bei Google.”

Schön wär’s.

Jetzt hat sich etwas geändert – es könnte nützlich sein:
 

 
(Der Ausdruck ‚open source‚ ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig, äh, suboptimal.)

Die letzten Snowden-Leaks decken jedenfalls auf, dass selbst verschlüsselte Mails, Kontodaten und Krankenakten nicht sicher sind. Das ist was, das jeder versteht, das will nämlich niemand. Und die Medien berichten endlich über etwas, das die Menschen anfassen können: die Bedrohung, dass die Daten öffentlich werden könnten, die sie unter allen Daten am liebsten geheimhalten wollen. Das geht ans Eingemachte und macht endlich klar, dass „ich hab nix zu verbergen“ Unfug ist. Jeder hat was zu verbergen.
 

 
Darüber gab es eben noch eine schöne kleine Twitterdiskussion (na gut, ich hab den anderen ein Ohr abgekaut).

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 6. September 2013 in Journalismus, Medien, Netzpolitik, Politik, Web 2.0

 

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Eine Antwort zu “Kontodaten & Krankenakten

  1. Maxim

    6. September 2013 at 22:43

    Solange es Geheimdienste sind, die Kontodaten und Krankenakten durchstöbern, ficht das den „mündigen Bürger“ nicht an, es dient ja schließlich der Terroristenjagd. Es ist erst dann eine konkrete Bedrohung, wenn der Nachbar nebenan alles mitlesen kann. Googles Praktiken waren für viele auch erst ein Problem, als deren Kamerawagen die Häuserfassaden der Reihenhaussiedlungen geknipst hat.

     
 
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