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#btw13 · Fischerstechen

16 Sep

Das Fischerstechen ist ein vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammender Brauch. Dabei versuchen die Mitglieder zweier Mannschaften, sich mit einem lanzenähnlichen Werkzeug gegenseitig von ihren Booten ins Wasser zu befördern.

Der alte Brauch hat prominente Anhänger. Die FDP möchte die Zweitstimmen haben, weil, so Rainer Brüderle, wie immer logisch und stringent: „Wer Merkel haben will, der wählt doch FDP“ (bei 00:38). Die Anziehungskraft des nassen Elements wirkt sich auch auf die AfD aus. Sie fischt allerdings nur noch im trüben Flachwasser, nachdem es ihr nicht gelang, sich als Opfer zu stilisieren. Dann ist da noch König Horst, dessen Sieg Merkel schaden könnte und der ihr spätestens am 22. September um 18:01 Uhr den Kampf ansagen wird.

Wahlentscheidend können alle Drei werden: Die FDP, weil sie die CDU schwächt, die sich nach der Wahlrechtsreform auch nicht mehr auf Überhangmandate stützen kann. Die AfD, weil sie Stimmen der rechten CDU-Wähler abzieht. Und Seehofer, weil dessen Wähler nach der überragend gewonnenen Landtagswahl vielleicht zuhause bleiben – sie haben ja, was sie wollten, und was kümmert die Bayern Berlin?

Die Grünen machen derweil der SPD Kummer: Nach dem Walterschen Untersuchungsbericht wird Jürgen Trittin zum Problem für seine Partei. Natürlich stimmt das so nur, wenn man davon ausgeht, dass die SPD nicht längst nur noch die Große Koalition anstrebt. Die LINKE könnte der SPD noch Stimmen abnehmen, weil viele sie für die besseren Sozialdemokraten halten.

Am selben Tag wird in Hessen gewählt, auch dort steht es Spitz auf Knopf. Die Hauptrolle spielt dabei die Frage, welche Koalitionen Thorsten Schäfer-Gümebel einzugehen bereit wäre – Andrea Ypsilantis Desaster von 2008 ist noch in böser Erinnerung.

Das einzige Ergebnis, das bei der Bundestagswahl wirklich noch spannend wird, ist das der Piraten. Dafür eine Prognose zu riskieren, ist einfach unmöglich: Sie können ebensogut bei 2 wie bei knapp über 5 Prozent landen. Auf diese Spannung könnte ich allerdings gut verzichten.
 

Nachtrag

Seht, wer in eurem Wahlkreis der/die aussichtsreichste Kandidat/in eurer Geschmacksrichtung ist und gebt ihm/ihr eure Erststimme. Der Partei eures Vertrauens gebt eure Zweitstimme, damit sie in den Bundestag kommt.

 
44 Kommentare

Verfasst von - 16. September 2013 in Politik

 

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44 Antworten zu “#btw13 · Fischerstechen

  1. Tante Jay

    16. September 2013 at 19:33

    Was mich bei diesen Spielereien am meisten nervt: Es geht doch nicht darum, hier mal was zu bewegen und mal die Ärmel hochzukrempeln und mal *endlich* anzupacken, was alles so schiefläuft. Sondern um den Machterhalt oder -gewinn.

    Und natürlich darum, die Lobbyverbände weiter zu verwöhnen. Das wollen sie alle. Schließlich sagen die wo es langgeht und was die Regierung so regieren soll.

    *seufz* manchmal könnt man echt genug haben.

     
  2. opalkatze

    16. September 2013 at 19:43

    Aber was ändert man, wenn man nicht wählen geht? Dass ein paar Pfeifen ein paar andere Pfeifen wählen und der Rest sich ärgert? Dann ärgere ich mich lieber und hab es wenigstens versucht.

     
  3. Tante Jay

    16. September 2013 at 19:45

    Ich hab mich nicht gegen das Wählen ausgesprochen. Im Gegenteil, es müssen noch viel mehr Leute wählen gehen.
    Sehr viel mehr.

    So eine Wahlbeteiligung um 90% – kann dem Bundestag nur guttun.

     
  4. opalkatze

    16. September 2013 at 19:50

    Ich bleibe bei 60 bis 65 Prozent Wahlbeteiligung.

     
  5. Tante Jay

    16. September 2013 at 19:52

    Eher um 50. Aber man wird doch noch träumen dürfen…..

     
  6. thomrosenhagen

    16. September 2013 at 21:07

    Es gibt hier leider keinen (aussichtsreichen) Kandidaten meiner „Geschmacksrichtung“ – Und vor allem gibt es keine(!) Partei meines Vertrauens. D.h. ich gehe zwar „wählen“ aber meine Stimme findet keinen Eingang in das Wahlergebnis, z.b. daß der Bundestag entsprechend der Wahlbeteiligung/Neinstimmen/ungültigen Stimmen unbesetzt bleibt. Ich könnte mit den Konsequenzen der daraus z.T. entstehenden Beschlußunfähigkeit nicht schlechter und besser leben als bisher mit der Bevormundung durch unfähige und nur schwach legitimierte „Scheinmehrheiten“. Aber vielleicht würde es einen Ruck für die politische Willens- und Meinungsbildung bewirken….

     
  7. Joachim

    17. September 2013 at 13:20

    „aussichtsreichste Kandidat/in eurer Geschmacksrichtung“ wählen.

    Warum sollte ich das tun? Damit nicht aussichtsreiche Kandidaten noch weniger Aussichtsreich werden als sie sowieso schon laut Medieninformationen sind? Wer liefert mir diese Informationen und wer verdient daran? Ehrlich, deren Statistik ist nicht wahlentscheidend für mich.

    Erinnert mich an die Heisenbergsche Unschärferelation. Heisenberg meinte, dass Beobachtung immer das Ereignis beeinflusst. Der meinte das zwar anders – doch der Einfluss der Medien und deren Vorstellung einer „demokratischen Berichterstattung“ (das ist nicht zwingend eine Wertung, schon gar nicht eine triviale!) lässt sich nicht wegdiskutieren.

    Ich wähle den Kandidaten UND (unabhängig von der Partei dieses Kandidaten) die Partei, die meine Position am Besten vertreten. Na ja, und die, die mein Vertrauen am wenigsten verspielt haben.

     
  8. opalkatze

    17. September 2013 at 14:05

    Öhm, ja, so war es eigentlich gemeint. Heute wieder mein Chinesisch-Tag? Hm.

     
  9. Joachim

    17. September 2013 at 14:05

    Ach noch was: „Rainer Brüderle, wie immer logisch und stringent“, fast lag ich am Boden vor Lachen – wäre mir das nicht aus unerfindlichen Gründen vergangen. Fischerstechen, man kann es kaum besser ausdrücken.

    Nur Märkel enthält sich dem, lächelt und meint, man müsse es akzeptieren, dass sie sich mit mit dem Gedanken an homosexuelle Paare, die Kinder adoptieren wollen nicht anfreunden könne. Sie muss offensichtlich an ihre Stammwähler denken – nicht das die nicht auch mal homosexuell sein könnten. Ruft da jemand „Schere im Kopf“?

    Manchmal sieht man sehr überraschend, wie es mit der Toleranz derer bestellt ist, die meinen Dinge nur lächelnd aussitzen zu können. Intoleranz gegen Objektivität finde ich und mit einer „Kleinigkeit“ (oder für Einige gerade keine Kleinigkeit) wird klar, wie manche freundlichen Politiker wirklich „gebaut“ sind. Natürlich darf Merkel Meinung haben. Gerade das ist wahlentscheidend – oder sollte es sein.

    Solange man sich nicht grob veräppeln lasst würde ich sagen: Bauchgefühl und diese veräterischen Kleinigkeiten. Objektiv ist kaum etwas bei diesem Wahlkampf.

     
  10. Joachim

    17. September 2013 at 14:21

    Ups, so war das nicht gemeint. Aber das ist ja das Schöne an der Sprache und an Blogs. Die Unmöglichkeit Information und Gedanken 1:1 zu übertragen. In der Tat habe ich erst bei meiner Antwort wegen des (vermeintlichen) Chinesisch hier konkret gemerkt, warum es legitim für mich ist so zu wählen, wie ich es tun will.

    Aus meiner überheblichen Sicht: Bitte rede ruhig weiter dieses gnadenlos kluge menschliche „chinesisch“ – lass mich also selbst denken müssen und überlasse den Rest dem Forum ;-)

     
  11. altautonomer

    17. September 2013 at 14:34

    Wer meint, sich am Sonntag in eine dank finanzieller Ausblutung der Kommunen denkmalgeschützte, heruntergekommene Grundschule begeben zu müssen, um einem aussichtsreichen Kandidaten seiner Geschmacksrichtung für 4 Jahre leistungslosen Wohlstand zu garantieren, soll dies tun.

    „Wenn ein so gewaltiger Lebensbereich wie die Wirtschaft, die noch dazu viele weitere Lebensbereiche tyrannisch bestimmt, der gesellschaftlichen Gestaltungskraft entzogen wird, ist auch die Demokratie sinnlos. Eine Demokratie, die sich darauf beschränkt, Rauchverbote in Gaststätten zu erlassen oder die Helmpflicht von Radfahrern zu diskutieren, also dem gegenseitigen Gängelungsverhalten der Bürger nachzugeben, aber die eine große Macht, die alle gängelt, nicht beherrschen kann, ist das Papier nicht wert, auf dem ihre Verfassung gedruckt wird.“
    Die Zeit

    Ich weiger mich daher, daran mitzuwirken, dass die Demokratiekomparsen an die Tröge rankommen, an die fetten Töpfe, die Aufwandsentschädigungen nebest unverschämten Diätenerhöhungen, die Sitzungsgelder, steuerfreien Kostenpauschalen, die Fraktionszulagen, Dienstwagen, Pensionsberechtigungen, Aufsichtsratsposten, freien Eintritte, Bodyguards, Vergünstigungen, Häppchen und Schnittchen bei Lobbyisten, Freibier hier, Freitickets da.

     
  12. opalkatze

    17. September 2013 at 15:01

    Steht dir frei. Dann genehmigen sich die, die gewählt werden, eben noch ein bisschen mehr. ‚Rechte‘ Wähler sind nun mal zuverlässig.

     
  13. altautonomer

    17. September 2013 at 16:00

    Stimmt. In GR ist Wahlpflicht. Und aus dem Stand bekam die militante Rechte dort 21 Sitze. Soviel zu den rechten Wählern.

     
  14. Joachim

    17. September 2013 at 16:20

    altautonomer, ich will ja nix sagen. Zuviel daran ist wahr. Aber auch wahr ist, dass der Zeit-Text sehr „liberal“ klingt, mithin nach meiner Meinung Schablonen bedient. Was die Tröge angeht, das stimmt schon – übrigens auch bei denen die der Zeit-Text (wieder nach meiner Meinung) gut bedient.

    Doch es stimmt auch, dass der Arbeitsalltag eines Politikers nicht auf eine 40h Woche beschränkt ist, dass er sich böse Dinge und Unterstellungen nur aus Allgemeinplätzen gebildet, anhören muss, mithin in seinem möglicherweise echtem Bemühen und all den Konflikten die Demokratie mit sich bringt, missverstanden fühlen muss. Fehler werden dann fatal – und damit verlieren Fehler ihren Sinn. Sie führen nicht mehr zur Besserung.

    Das ist durchaus ein Problem. Denn wer will diesen bescheuerten Job den noch machen, wenn er Angst bekommen muss sich dauernd verbiegen zu müssen. Und dafür auch noch die Schelte einstecken muss, die er gar nicht verdient hat.

    Gut daran ist, das Politiker daran lernen. Mein Abgeordneter der Partei von der ich wünsche sie sei so, dass ich sie wählen könnte, der hatte das wohl begriffen. Ich war niemals in Allem seiner Meinung. Wir haben gestritten. Genau deshalb ziehe ich vor dem den Hut. Ich hoffe sehr möglichst viele Politiker haben sich das Recht erworben sich darin wiederzuerkennen.

     
  15. opalkatze

    17. September 2013 at 16:43

    Äpfel, Schlagbohrer und Reihenhäuser. Immer eine überzeugende Mischung.

     
  16. Joachim

    17. September 2013 at 17:49

    ach komm, opalkatze, der altautonome pauschalisiert zwar, doch es gibt diese Dinge tatsächlich viel zu oft. Ich kann altautonomer schon verstehen. Nur meine Konsequenz sieht anders aus.

    Ich denke, meine Wunsch-Lieblingspartei muss endlich den Arsch hochbekommen. Das geht nur, wenn sie sich wünschen werden wir hätten nicht gewählt. So transportiert man Inhalte in die Parteien. Kommen die Inhalte nicht an, so haben wir nichts verloren, uns aber immerin gegen Radikalismus ausgesprochen. Kommen Inhalte an so haben wir gewonnen weil wir Inhalte wählten. Doch mit Kompromissen, Bauchschmerzen, gar aus Gewohnheit etablierte Parteien zu wählen oder nicht zu wählen ändert gar nichts. Die Grünen waren auch mal klein.

    Und wegen der Inhalte fallen die Spinnerparteien einfach aus. Ich brauche nicht das Schlechteste aller Welten. Keine Kompromisse (aber starke Nerven). Punkt.

     
  17. opalkatze

    17. September 2013 at 18:24

    Ach, ich kann bloß weder Einfallswinkel ungleich Ausfallswinkel noch Totschlagargumente ab.

     
  18. altautonomer

    17. September 2013 at 20:46

    Verkaufe meine Blanco-Briefwahlunterlagen gegen Höchstgebot. Wahlkreis 140.

    Vera: Ist das ein Kompromiss nach Deinem Geschmack?;-)

     
  19. opalkatze

    17. September 2013 at 20:55

    Ach, scher dich zum … Oller Schleimer.

     
  20. Joachim

    17. September 2013 at 23:37

    Nix oller Schleimer sondern ein — och nee ich sach’s mal nicht. Könnte missverstanden werden.

    Aber das hier denke ich und sage ich, weil hier „Kinder“ mitlesen können: Wahlrecht verkaufen ist selbst im Scherz vollkommen inakzeptabel – weit schlimmer, als das was altautonomer bei der Politik kritisiert. Es gibt Länder wo das an der Tagesordnung ist. Sieh Dir diese „Staaten“ und die Situation der Menschen dort einmal an und Dir vergeht solcher Schwachflug sofort.

     
  21. pantoufle

    17. September 2013 at 23:40

    Also Katz: Mal eine Sekunde:

    Über die Geschmacksrichtungen.
    Das ganze Gerede von »wer nicht wählt, wählt rechts« ist doch kalter Kaffee. Genau wie die anderen schwammigen Argumente… Bürgerpflicht, Geschichte der Demokratie: Alles Käse.
    Wir haben im Moment keine offen faschistische Partei im Bundestag. Da nicht zu wählen ist der Unterschied von 1.2% und 1,20056% für die NPD. Mehr nicht. Da können die NPD-Wähler noch so zuverlässig sein.
    Auch das Argument »dann DIE PARTEI oder irgend einen Kleinklüngel ändert: Nix! Und fang mir jetzt keiner mit den Piraten an! Die will ich nicht. Ich will keine Partei, die die fundamentale Krise des Parlamentarismus mit dem Wechsel des Betriebssystems eines Smartphones lösen will. Kinderkram.
    Die ganze Geschichte läuft darauf hinaus, eine der ohnehin im Bundestag sitzenden Parteien zu wählen. Und damit beginnt der Brechreiz. Es gibt im Moment eine einzige Person in diesem Haufen, vor der ich Hochachtung habe – das mit ihrer Partei zu verwechseln, ist Selbstbetrug. Wo ist die Auswahl – wenn Du so willst: Die Geschmacksrichtung? Vergisst man optimistischerweise für einen Moment das gelbe Brechmittel, dann bleiben Grüne, SPD, CDU und die LINKE. Nur wenn man einen von denen wählt, kann sich an der politischen Ausrichtung dieser Organisation irgend etwas ändern. Mit anderen Worten: keine Auswahl.
    Sollte ich mich im letzten Moment noch zum Wählen aufraffen, würde es die Linke sein – wegen Frau Wagenknecht, dieser weiblichen Reinkarnation von Willy Brandt. Aber nicht wegen dem Geschmack ihrer Partei. Es gibt keine Geschmacksrichtungen – es gibt das Diktat der Zahlen. Und das sagt ganz klar: Wer eine der »Kleinparteien« wählt, wählt so wenig wie der, der gleich zu Hause bleibt. Das ist in meinen Augen keine Wahl: Das ist Erpressung.
    Man hat die Zusammensetzung des kommenden Parlaments bis auf wenige Prozentpunkte seit langem beschlossen. Es gibt nicht die allergeringste Chance, daran jetzt noch etwas zu ändern.

     
  22. opalkatze

    18. September 2013 at 00:48

    Nee nee, mit „Rechten“ meinte ich CDU/CSU, sonst ohne Anführungszeichen und mit bestimmtem Artikel. ‚tschuldjung. Morgen mehr, jetzt Bett.

     
  23. altautonomer

    18. September 2013 at 08:17

    Joachim: Hat die Katze missverstanden. Sollte provozieren (Kapitalismus des Kleinbürgers pur.). Darum stehe ich über dem Schleimer.

    Der Jugendschutz muss nicht bemüht werden.

     
  24. opalkatze

    18. September 2013 at 09:08

    @Joachim
    Hab den @altautonomer schon richtig verstanden, kenne ihn ja lang genug. Würde ihn sonst nicht so anranzen, aber so issas mit der Ironie. Friede.

    @altautonomer
    Hab deine Bemerkung also auch als Ironie begriffen. Auch Friede. Ärgert mich nur, dass du nicht wählen gehen willst, aber das ist nun mal deine Sache.

     
  25. opalkatze

    18. September 2013 at 09:16

    Wenn alle die Piraten wählten, die sagen, man kann eh nix ändern, wären die drin. Zur Begründung Herrn Haekelschweins uneuphorische Wahlempfehlung, Johnny Haeuslers, Anatols und Felix‘ Blogposts, die haben das schon aufgedröselt.

     
  26. Tante Jay

    18. September 2013 at 10:32

    Jo, das ist Hartz V

     
  27. Joachim

    18. September 2013 at 11:44

    Thx für die Antwort. Das bestätigt meine (optimistische) Vermutung.
    „Kinder“ hatte allerdings weniger mit Jugendschutz zu tun…

    Anmerkung (offensichtlich ist mir das wirklich zu wichtig):
    In der Tat sind weder pantoufles noch Deine Anmerkungen aus der Luft gegriffen – leider. Doch ich kann und werde mich mit dieser Situation nicht abfinden. Alternativen sind immer möglich. Wer mir etwas anderes erzählt ist entweder sehr frustriert oder will manipulieren. Inhalte zu wählen erscheint mir nicht so falsch. Ganz im Gegenteil, es geht um Inhalte und nicht um Halsketten, Stinkefinger und auch nicht darum auf Plakaten irgend eine Wirkung zu erzielen. Für mich sind das exemplarische disqualifizierende „Kleinigkeiten“. Verarscht jemand Anderes (gemeint ist: Hört sofort auf mit der Verarsche!)

    Das z.B. pantoufle nicht allwissend ist mit der Behauptung, die Zusammensetzung des Parlaments sei lange beschlossen, sieht man an der Existenz der Grünen – trotz Medien, trotz 5% Hürde und trotz der Schlammschlacht damals.

    Piraten oder Linke sind wohl heute die Alternativen, lange nicht perfekt doch brauchbar für den Zweck. Ihre Aufgabe ist es Druck zu machen. So möchte ich z.B. das die SPD sich ihrer Aufgabe erinnert und den neoliberalen Blödsinn unterlässt. Wegen dieses Blödsinns und wegen der Ununterscheidbarkeit zu konservativen Parteien der Pseudo-Mitte drohen weit <25% bei der SPD. Sie haben es sich wirklich zusammen mit den Grünen verdient – leider.

    Wenn man das Glück eines vernünftigen lokalen Kandidaten – nahezu egal von welcher Partei – hat, dann könnte es sich langsam bessern – bis auch der vielleicht dem Sündenfall erliegt. So ist nun einmal Realität.

    Soll ich die durch Abwarten auch noch manifestieren? Soll ich mich nicht einmischen? Hätten die vielleicht gerne. Zur einzumischung gibt es unter meinen Voraussetzungen keine Alternative – den blöden Kant++ werde ich nicht los. Deine Voraussetzungen mögen anders aussehen. Da kann ich mir momentan aber nichts Anderes als die Insel vorstellen.

    Mist tl;dr – oder doch? Dann bitte bitte nehmt das auseinander. Sonst bleibe ich dumm.

     
  28. Auf eine Zigarette mit mir.

    18. September 2013 at 12:00

    „dann DIE PARTEI oder irgend einen Kleinklüngel ändert: Nix!“ das bezweifle ich. Wenn alle nur die bereits im Bundestag sitzenden Parteien wählen, dann wählen sie mit Ausnahme der Linken nur „ehemalig/zukünftige“ Regierungsparteien. Genau die, die man eigentlich nicht mehr will.
    Wir brauchen mehr „knapp über 5% Parteien“. Das tut der Demokratie gut.
    http://blogvonthomas.wordpress.com/2013/09/18/der-umgang-mit-der-geschichte/

     
  29. pantoufle

    18. September 2013 at 14:45

    @Joachim
    … pantoufle nicht allwissend ist mit der Behauptung […]
    Bin ich ich gott sei dank nicht. Das war etwas missverständlich formuliert: Die Koalitionsvereinbarungen für die Zeit nach dieser Wahl liegen recht konkret auf dem Tisch; nach dem Totalaussetzer von Gabriel bei Günther Jauch erst recht und mit Gütesiegel sozusagen. Die einzig im Raum stehende Lachnummer wäre noch, wenn die SPD das Erbe der FDP antreten würde. Aber sonst…?
    Und an diesem voraussehbaren Ergebnis wird sich nur marginal etwas ändern.

     
  30. Joachim

    18. September 2013 at 17:23

    Gabriel bei Jauch? Nicht gesehen – diese Kombination, da kann ja nix rauskommen…
    Die weitere Antwort habe ich gestrichen. Mir ist Eure Meinung klar. Wo ihr Recht habt, da gibt es nichts zu diskutieren. Bei allem Respekt deshalb lieber:

    Eine Rede an die Nichtwähler

    Wie bewegen wir die Parteien? Na?

    Geht nicht? Wahlen bringen nichts? Unmöglichkeit ist kein Grund es nicht zu tun. Geht trotzdem nicht? Dann bitte teile mir mit, wie Du das ändern möchtest. Unmöglichkeit ist inakzeptabel. Denn Du bist nicht der Einzige auf der Welt. Du weißt auch nicht wie man das ändern kann? Okay, was soll ich dazu sagen? Ich weiß was wir tun müssen. Doch Du glaubst mir nicht.

    Sie sind doch sowieso alle korrupt? Alles ist sowieso schon festgelegt? Es stimmt, das Ergebnis dürfte sich kaum ändern. Mit Pauschalisierungen kommen wir da jedoch nicht weiter.

    Tatsache ist, die etablierten Parteien hatten alle samt, inkl. Grüne erhebliche Angst vor den Piraten. Das war Rückenwind für die wenigen ordentlichen Netzpolitiker bei den Grünen, sogar bei der SPD, der FDP, in Ansätzen tatsächlich bei der CDU/CSU. Geht doch – so lange die Piraten gewählt werden. Geht nicht, wenn Du nicht wählst.

    Wie wäre es mit ein wenig Angst vor der Linken? Oder warum betont die SPD ausgerechnet jetzt mit Steinbrück nun ihre soziale Ader? Nach dem was Schröder da veranstaltet hatte und für das Steinbrück heute noch steht? Wieso möchte die CDU plötzlich eine Art Mindestlohn? Klar, ein Fake. Nicht dass man den Parteien glauben könnte – aber dafür gibt es nun die Rechnung. Jedenfalls wenn genügend Leute mitmachen. Die kleinen Parteien können Druck machen, aber glücklicherweise kaum etwas falsch – solange die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.

    Analoges kann zu fast allen politischen Bereichen gesagt werden. Gefällt Dir etwa die Politik der nicht demokratisch gewählten EU-Kommission? Renten-, Sozial-, Bildung-, Sicherheits-, Steuer-, Wirtschafts-, Verkehrspolitik usw.? Hast Du dazu nichts zu sagen? Willst Du das weiter erleiden und nur rumheulen?

    Dafür muss es die Rechnung geben. Da wo Löcher sind (<2x%, tja liebe SPD) da fließt das Wasser hin. Das geschieht nicht, wenn Du Dich verweigerst. Mit dem Kreuzchen schiebst Du zusammen mit denen die Deiner Meinung sind die Zombies vor Dir her. Ich habe jedenfalls keine Lust mich von denen schieben zu lassen nur weil Du den Arsch nicht hoch bekommst. Und auch keine Lust dass menschenverachtende Pappnasenparteien in die Löscher fließen. Deshalb bestehe ich auf Deiner demokratischen Meinung .

    (…)

    Wenn dir die Situation nicht gefällt dann ist es an der Zeit das zu ändern. Jetzt sofort. Denn eines ist absolut sicher: Wahlverweigerung lässt die im Stich, die Deiner Meinung sind. Du lässt Deine Freunde im Stich! Eure so sehr notwendige Meinung wird verschwinden. Damit wird gar nichts besser. Selbst wenn Du meinst die verschwände sowieso: Wenn Die Situation so schlimm ist, wie Du behauptest, dann ist das Grund genug alles zu tun das zu verhindern. Zu verlieren haben wir dabei nichts. Wenn das nicht ausreichend Motivation ist, dann weiß ich auch nicht.

    Dann aber frage ich Dich:

    Wäschst Du dann die Hände in Unschuld wenn es weiter geht wie bisher? Natürlich, Du bist nicht schuld daran. Du hast aber eine Verantwortung für die Zukunft. Ist der Weg zu weit? Der Frust zu groß? Zu Faul? Man eh' bisschen zu einfach. Ein wenig zu egoistisch. Dann bekommst Du das, was Du verdienst. Leider aber nicht nur Du.

     
  31. pantoufle

    18. September 2013 at 17:42

    @Joachim
    Nur eine kurze Zwischenfrage: Wenn jemand sein Land verlässt, aus trifftigen Gründen ins Exil geht – ist er dann schuld an dem, was daheim passiert?

     
  32. Joachim

    18. September 2013 at 20:12

    Hmm. Eine einfache grundlegende Frage. MIr ist klar, was Du willst.

    Antwort: Ja, natürlich.

    Doch es kommt etwas darauf an. Im elenden 1000-jährigem Reich blieb keine Wahl. Tote können selten etwas ändern. Heute jedoch? Du gehst nach Neuseeland oder China, wohin auch immer, möglicherweise nur in Deine Kammer. Meinst Du, das ändert etwas an der Verantwortung für Deine Mitmenschen und für Deine Umwelt? Meinst Du „hier“ – der konkrete Ort sei heute in den Zeiten des Internet noch wichtig? „Daheim“, was ist das? Sicher kein Staat, schon gar keine Regierung. Ein Nationalist ist niemand, der sein Land liebt. Der liebt nichts als sich selbst. Der würde Deine Frage falsch beantworten obwohl auch der vermutlich auch „Ja, natürlich“ sagt. Tatsächlich ist es eine Frage nach dem Verständnis von „daheim“. Oder eine Frage des Denkens in Strukturen.

    Folglich: geh‘ und mach Dein Ding. Grüß‘ mir die Menschen dort – oder soll ich „hier“ sagen? Ja, soll ich, wäre das nur verständlich. Schreib mal. Der Verantwortung aber entkommst Du nicht. Das ist schließlich der Sinn der Sache.

    Jetzt bitte keine Diskussion über meinen Anspruch, Gutmenschentum oder gar Glaube. Sinnlos, weil nicht existent.

     
  33. pantoufle

    18. September 2013 at 20:30

    Lass mal den Neuseelandauswanderer außen vor – den meinte ich nicht. Nehmen wir als Beispiel Kurt Tucholsky. Oder Bertolt Brecht. Thomas Mann. Willy Brandt. Wolf Biermann. … na ja: Solche eben.

    Nein, keine Angst – ich will das gar nicht ausdiskutieren. Ich werde halt nicht wählen und fühle mich von keinem Deiner Argumente auch nur gekitzelt. (was jetzt nicht gegen Deine Einstellung spricht).
    Außerdem kann man die Opalkatze prima ärgern, wenn man für die Wahlverweigerung eintritt :-)
    P.S. Dein »Ja, natürlich« ist keine besonders kluge Antwort. Ich würde darüber noch einmal nachdenken.

     
  34. Joachim

    18. September 2013 at 23:13

    Oh oh, da hat aber jemand nichts verstanden. Sehr schade.

    – Ich erwähnte das „1000-jährigem Reich“, habe mithin Deine Protagonisten nicht vergessen. Ganz im Gegenteil – denen galt nachweislich mein erster Gedanke. Warum sagst Du mir das?

    – Nicht gekitzelt fühlen kann man als ignorant interpretieren. Jedenfalls wenn die Begründung fehlt. Bist Du nicht auf die Idee gekommen, dass Du nach meiner Meinung gefragt hast und ich dir genau die gesagt habe. Ich habe Dir nichts aufgezwungen. Schon gar nicht in meiner letzten Antwort. Und dann sagst Du: Interessiert mich sowieso nicht. Prima, toll gemacht. Bist echt ein Held.

    – Opalkatze zu ärgern gehört nicht zu meinem Plan. Warum sollte man das tun? Was musst Du kompensieren?

    – Und „Ja natürlich“ auf eine Fangfrage zu antworten und das zu begründen ist na was? Ich werde das nicht werten. Tatsächlich sind mir die Dinge, nicht einmal Deine Meinung, egal. Sonst würde ich Dir nicht antworten. Da Unklugheit zu behaupten ist ziemlich simpel wenn man gerade den Beleg lieferte nicht verstanden zu haben.

    Vielleicht überlegst Du einmal, wie Deine politischen Gestaltungsmöglichkeiten im neuem Land sind. Und ob es nicht auch hier so ist, dass Du nur in Deinem Wahlkreis wählen kannst. Du überlegst, wo denn logischerweise dann daheim ist und ob Du Deine Verantwortung so einfach wie einen Hut im Hotelzimmer vergessen kannst.

    Deine Verantwortung aber ganz abstreiten ist egoistisch in dem Sinn, dass es keinem Gesellschaftsvertrag und keiner Logik entspricht. Du meinst vielleicht Du hättest den nicht aufgekündigt. Doch dann möchte ich wissen, ob Du Dir die Kündigung von wem auch immer aufzwingen lassen möchtest? Bist Du nicht selbstbestimmt? Wessen Welt ist das? Welche Einstellung ist dafür verantwortlich, dass sie so ist, wie sie ist? Du könntest gestalten. Nun bisher war das aber nur destruktiv.

    Lohnt es das noch zu diskutieren? Bei Bedarf hat vera meine EMAIL-Adresse. Vielleicht ist sie bereit mir den Gefallen ausnahmsweise zu tun. Wenn nicht – tja, dann vielleicht alles Gute? Mehr kann ich nicht mehr tun.

     
  35. opalkatze

    18. September 2013 at 23:24

    Wenn ich das hier mal kurz empfehlen dürfte: http://www.nachdenkseiten.de/?p=18664
    Gehabt euch wohl. Öhm – ist nicht böse gemeint, hab nur keine Zeit. Ist ja irgendwann Wochenende …

     
  36. pantoufle

    19. September 2013 at 00:04

    @Joachim
    Ruhig Brauner – ruhig… alles nicht so schlimm! Ist doch nicht böse gemeint. Und eine Antwort hast Du natürlich verdient.
    Also erstens: Argumentativ habe ich mich etwas kurz gefasst, weil ich an anderer Stelle schon längeres darüber geschrieben habe; die Links schicke ich Dir gerne via E-Mail.
    Wenn es recht ist, lass uns mal kurz bei meiner Zwischenfrage mit der Emigration bleiben. Das war folgendermaßen gemeint: Es gibt die Emigration aus Gründen, wo die körperliche Unversehrtheit in Gefahr ist. Wir brauchen uns wohl kaum darüber zu unterhalten, daß Exil – oder auch Flucht – dann unabdingbar sind; sollte der Bedrohte diese Gefahr nicht erkennen, muß man ihn aus Menschenpflicht sogar dazu nötigen.
    Das Beispiel Tucholsky liegt mir aus verschieden Gründen besonders am Herzen. Sein Exil war vor dem Zeitpunkt einer direkten Gefahr für Leib und Seele. Einmal davon abgesehen, daß es sich leicht sagt, die 70 Jahre später, aber seiner Emigration nach Schweden ging eine innere Emigration voraus. Eines der letzten Dinge, die er geschrieben hat, lautete:

    »Das ist bitter, zu erkennen. Ich weiß es seit 1929 – da habe ich eine Vortragsreise gemacht und „unsere Leute“ von Angesicht zu Angesicht gesehen, vor dem Podium, Gegner und Anhänger, und da habe ich es begriffen, und von da an bin ich immer stiller geworden. Mein Leben ist mir zu kostbar, mich unter einen Apfelbaum zu stellen und ihn zu bitten, Birnen zu produzieren. Ich nicht mehr. Ich habe mit diesem Land, dessen Sprache ich so wenig wie möglich spreche, nichts mehr zu schaffen. Möge es verrecken – möge es Rußland erobern – ich bin damit fertig.«

    Er hatte genug für die Republik getan, hatte gekämpft und sich eingesetzt. Es gibt diesen einen Moment, wo jeder Mensch das Recht hat, den Kampf aufzugeben. Dieser Moment ist nicht abhängig von einem besonders gewalttätigem System oder der unmittelbaren Gefahr. Es ist zutiefst menschlich, daß man aufgibt. Ein Sieg ist immer die Ausnahme – Versagen der Normalfall. Man muß sehr jung sein oder nie gekämpft haben, um zu fordern, der Kampf möge immer weiter gehen. Es gibt diesen Moment, wo jeder Mensch ein Recht hat, aufzugeben. Wann das ist, liegt im Ermessen eines jeden Einzelnen.
    Dazu kommt etwas anderes. Man kann nur für etwas kämpfen, das man liebt und Liebe kann man nicht erzwingen. Nicht zu einem Menschen, einer Idee oder einem Land. Man kann sie bestenfalls nachvollziehen oder teilen, aber eben nicht einfordern; schon gar nicht sich selbst gegenüber. Gibt es etwas, wofür es sich lohnt zu kämpfen, Opfer zu bringen? Ist meine Liebe zu diesem Land und seinen Ideen groß genug, daß ich dafür – in welcher Form immer – leiden würde? Wer will hier vorschreiben, was liebenswert ist?
    »Wenn jemand sein Land verlässt, aus trifftigen Gründen ins Exil geht – ist er dann schuld an dem, was daheim passiert?« Joachim: Das war keine Fangfrage, ganz bestimmt nicht. Man muß nicht den Schlagbaum zur Nachbarnation passieren, um ein Land zu verlassen. Dafür genügt manchmal eine tiefe Traurigkeit. Es gibt ein inneres Exil, das sich in vielen Formen äußern kann.
    Ich will nicht abstreiten, daß es eine Verantwortung dem Nächsten in irgend einer Form gibt. Deren Erfüllung kommt in den verschiedensten Spielarten vor – einen qualitativen Unterschied zwischen einer Nonne, einem Bildhauer oder einem Revolutionär zu machen, halte ich für kindisch wenig hilfreich. Für den Dienst am Anderen existieren zu viele Formen, deren Wert sich vielleicht erst nach Jahrzehnten zeigt. Um es mit einem trivialen Beispiel zu erläutern: Die Krankenschwester, die eine Nach und einen Tag am Bett eines Patienten verbringt statt an die Wahlurne zu gehen – ist sie einer Pflicht nicht nachgekommen?
    Ich mach an dieser Stelle mal Schluß. Ich will Dich von nichts überzeugen, will aber auch nicht, daß Du glaubst, ich nähme Dich nicht ernst oder wollte Dich vorführen. Ob es sich lohnt, mit mir zu diskutieren? Ich glaube nicht. Da ist zuviel von dieser Traurigkeit, die ich versucht habe zu beschreiben. Nur die Opalkatze gelegentlich etwas zwicken – das macht mir Spaß, hörst Du: Das ist mein besonderes Vergnügen. Mehr mag ich nicht sagen.

     
  37. pantoufle

    19. September 2013 at 00:05

    Ach Vera, auch noch wach?

     
  38. altautonomer

    19. September 2013 at 09:32

    Joachim: In Deinem Plädoyer von 23.13 Uhr focussierst Du Dich sehr stark auf Parteien und Parlament als gesellschaftsverändernde Institutionen. Mein historischer Blick unter Berücksichtigung der Proteste in den südeuropäischen und nordafrikanischen Ländern beweist aber, dass diese Veränderungen nur durch den Druck der Strasse, nämlich die außerparlamentarischen Bewegungen, möglich wurden. Abschaffung des § 218 StGB, Wackersdorf, Eindämmung der Zahl der AKWs in @de, arbeitsrechtliche Verbesserungen durch Streiks, die anhaltenden Kämpfe der Antifa, Neonazis nicht die Strasse zu überlassen usw. sind keine ursprünglich parlamentarischen Entscheidungen.

    Sicher mag das alles kein Grund sein, trotzdem nicht zu wählen. Mich stört nur, dass ausgerechnet immer wieder diejenigen, die während der gesamten Wahlperiode lieber ins BVB-Stadion ziehen, anstatt mit mir die Demoroute der Nazis zu blockieren, mich jetzt mit der Moralkeule „darf hinterher auch nicht meckern“ – „demokratische Pflicht“ auffordern, doch wählen zu gehen. Das allein ruft bei mir schon einen Trotzreflex hervor.

     
  39. Joachim

    19. September 2013 at 16:31

    Das dumme ist ich kann das nachvollziehen. Es war mir sowieso klar. Nimm dieses sowieso bitte nicht als Überheblichkeit. Nimm es als Ausdruck der Solidarität und des Respekts.

    Hmm, ich hatte nicht umsonst die EMAIL-Adresse angeboten. Ihr Anderen schaut also einfach jetzt mal weg.

    He, ich sagte doch ihr Anderen sollt wegschauen! Nicht? Na gut, dann wolltet ihr es so. Eure Schuld, nicht die Meine.

    Ich hätte sonst kaum derart mit Dir geredet, Dir schon gar nicht in Allem außer einem Punkt zugestimmt. Dass Du mir nicht zustimmst, das ist irrelevant. Ich muss nicht Recht haben. Aber kann Wasser freiwillig den Berg hinauf fließen? Also.

    Du weißt, das innere Exil ist gefährlich – nicht wahr? Vielleicht siehst nur Du das so. Egal, bei mir bist Du jederzeit ganz real willkommen. Das ist eindeutig eine Einladung wenn es das Exil erlaubt. Oder wir gehen Vera mal besuchen. Es stehen da noch ein paar Riesen-Steaks aus (au, nicht hauen – Du solltest doch nicht mitlesen. Jetzt reg Dich nicht auf – nur ne kleine Fete ;-)

    Du bist keine Krankenschwester. Du willst denen den höchstens Stinkefinger zeigen – ginge Dich das noch etwas an. Leider juckt die das nicht. Ja auch das geht Dich nichts mehr an. Trotzdem: Die Stimme für die Linken, die Piraten aber scheucht sie auf. Exil oder nicht, sie werden froh sein über Deine Entscheidung. Die Blödmänner haben meinen damit noch gewonnen zu haben. Ziemlich mies, was?

    Nun denn, Du wählst nicht – keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Also werden wir für Dich mitwählen so gut wir können. Versprochen.

    (Ja ich weiß – sach nix. Wasser fließt nicht den Berg hinauf).

    Viele nette Grüße und vergiss die Links bitte nicht.
    Joachim

     
  40. Joachim

    19. September 2013 at 16:45

    Also ich „kehre lieber die Straße“ hinter den Naziaufmärschen als Fußball zu sehen. Beppo steht mir deutlich näher – vorsichtig ausgedrückt. Wenn Du meine Argumentation als moralisch Verstehst, dann ist etwas nicht angekommen. Ich habe keine Moral. Meine Argumentation ist eine Konzession an Menschen. Die sind nicht logisch. Ich aber kann durchaus auch anders. Du darfst nicht meckern, wenn Du mich trittst. Das wäre ja noch schöner. Das steht da.

    Und natürlich ist außerparlametarische Opposition wichtig. Das ist doch gerade meine Argumentation. Wir müssen sie vor uns hertreiben, sonst geschieht nichts (Gutes). Was meinst Du, wo ich schon überall hingelatscht bin, den Mund fusselig geredet und wie ich mir die Finger wundgeschrieben habe.

    Ich bin ganz klar auf Deiner Seite. Willkommen im Club.

     
  41. Joachim

    20. September 2013 at 17:45

    Etwas spät finde ich gerade ein gutes Argument für altautonomer und pantoufle. Eine Gegenposition zu Wolfgang Lieb (hätte der nur die Eigenwerbung gelassen) oder gar dem Spiegel – ja und auch besonders (schluck) gegen meine Position.

    Apologie des Nichtwählens
    http://www.heise.de/tp/artikel/39/39948/1.html

    Da steht: „Die Stimmabgabe bei der Wahl ergibt dann Sinn, wenn Wahlen nicht nur die bestehenden Verhältnisse reproduzieren und wenn Parteien zur Verfügung stehen, die die vorherrschenden Verhältnisse tatsächlich zu einem besseren verändern können.“

    Leider wird die entscheidende Frage da nicht beantwortet – die Frage, die ich versuchte zu klären: Notsignal zu geben ist die eine wichtige Sache. Aber wie soll man dem Steuerman die Richtung mit einem Notsignal weisen? Und wer ist es, der eilig den Retter nach diesem Hilferuf spielt? Ist da überhaupt jemand?

     
  42. pantoufle

    20. September 2013 at 18:57

    Also Joachim: Ich tue es nur ungern, aber jetzt mache ich es – ich zitiere mich:

    »»Bist du eine Hexe«, hatte sie nach dem Eintreten fragen wollen, aber die Frage erstarb ihr auf den Lippen, als sie die Frau sah, die ihr mit einer Handbewegung den Platz auf einem Stuhl anbot. Die Frau sah ihren Gast eine kleine Weile an.
    »Nein, ich bin keine Hexe«, antwortete die Besitzerin des Zeltes auf die unausgesprochene Frage. »Was willst du? In die Zukunft sehen? Das ist etwas für Dumme oder Verzweifelte. Du bist weder das eine noch das andere. Krank scheinst du auch nicht zu sein. Was also führt dich hierher?«
    »Bist du eine Hexe?«, wiederholte die Tänzerin die Frage, auf die sie bereits eine Antwort bekommen hatte.
    »Sieht du: Das ist ein Teil des Übels – die Menschen verstehen nicht, auch wenn man ihnen ihre Fragen beantwortet. Die Antwort muß mit dem übereinstimmen, was der Fragende sich selbst als Antwort zurechtgelegt hat«.
    »Was also ist eine Hexe? Kennst du die Antwort, auch wenn du selber keine bist?«
    »Hexen haben viele Namen. Hierzulande nennt man sie oft böse, weil sie Dinge kennen, von denen andere nichts wissen. Dinge, die man nicht kennt, sind vorzugsweise böse, weißt du?«
    »Du bist nicht böse.«
    »Nur dann, wenn man mich so etwas fragen würde. Nein: Das war nur ein Spaß – du hast ja nicht gefragt. Im Grunde ist es ganz einfach. Der Gott des Abendlandes und seine Bankiers haben eine Wissenschaft aus dem Lachen gemacht. Eine Wissenschaft und ein Geschäft. Wie bringe ich einen Menschen zum Lachen? Da sind viele Antworten und doch nur ganz wenige. Ich kann ihm etwas schenken. Dann lacht er, freut sich. Ich kann ihm auch etwas versprechen, ihm eine Belohnung geben, wenn er etwas, was ich von ihm will, besonders gut gemacht hat. Sie haben alle Dinge ergründet, wie man jemanden zum Lachen bringt, jede Kraft, die dahinter steht. Sie nennen es Glück.

    Was sie nicht taten, war zu ergründen, was der Schmerz dem Menschen schenkt, Trauer, eine Krankheit. Als würde keine Kraft in der Trauer, keine Macht im Schmerz liegen. Ein einseitiges Geschäft, das den glücklichen Menschen zur Norm und das Unglück zu Ausnahme erklärt. Für Glück schufen sie tausend Worten, für das andere gibt es nur dutzende. Für das sogenannte Glück erschufen sie das Geld und wurden tausendfach entlohnt. Die Bezahlung für das Elend, die Krankheit, den Hass, der Ungerechtigkeit, verschoben sie in eine andere Welt, die sie heimtückisch Himmel nannten oder ähnliche Namen ersannen – irgend etwas, was dem menschlichem Zugriff entzogen war. Für diejenigen, die diesen Segnungen nicht teilhaftig wurden, sandten sie Krankenpfleger des Glücks. Missionare, Doktoren, Lehrer und andere; Paviane derer, die sie schickten. Sie sollten nicht die Ursache der Krankheit ergründen, sondern dem Kranken die Schändlichkeit seines Leidens vor Augen halten.

    Die Tänzerin rutschte unruhig auf ihrem Stuhl. »Also sind die Philosophen, die sich mit den großen Fragen der Menschen beschäftigen, auch Hexen«
    »Philosophen sind Doktoren, die über die Diagnose die Krankheit vergaßen… aber keine Hexen. Hexen sind Doktoren, die den Nährboden der Viren behandeln, die zur Krankheit führen, die dunkle Seite der Wesen antasten. Die Stürme, die losbrechen, wenn man das Tier berührt, das in jedem haust. Es sind nur kleine Stürme im Weltgeschehen, keine Revolutionen, keine Theologie. Nur das nackte Wesen, das da schutzsuchend, sabbernd, zuckend vor uns liegt und nach Heilung schreit, wo keine Krankheit, sondern nur Schmerz ist. Eine Schwangere ist genau so wenig krank wie das, was man als einen Wahnsinnigen bezeichnet. Der Schmerz, ein Leben zu schenken und eines verloren zu haben. Ein paar von solchen Dingen kann ich heilen – oder versuche es doch wenigstens.«
    »Hast du keine Angst, wenn du das machst… was du machst?«
    »Nein. Es kostet Kraft… erst einmal. Aber es ist so, wie die Erforscher der Natur sagen: Es geht nichts verloren, es wechselt nur die Form – ein Teil kommt immer auf dich zurück«
    Die Frau stand energisch auf. »So, nun weißt du etwas mehr, auch wenn es dir nichts hilft; wenigstens so lange nicht, wie du Antworten erwartest und nicht empfängst. Aber das kann sich jederzeit ändern. Nein, das kostet nichts! Lass dein Geld nur stecken. Willst du einen kurzen Blick in die Zukunft?«
    Beide lachten, umarmten sich und die Tänzerin verließ das Zelt.«

    Aus dem durchaus sterblichen Werk des Pantoufle

     
  43. Joachim

    20. September 2013 at 20:45

    ich verstehe.

     
 
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