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Vor dem #HuffPo-Start

27 Sep

Ihr müsst jetzt kurz tapfer sein, das ist völlig gegen den Mainstream: Die Macher der Huffington Post Deutschland fragen wenigstens. Andere klauen einfach.

Nein, ich finde auch, sie sollten Schreiber, die davon leben müssen, bezahlen. Es ist auch nicht sehr geschickt, Leute wie Stefan Niggemeier zu fragen, die im Brotberuf Journalist und sehr bekannt sind und zudem mit dem eigenen Blog eine erhebliche Reichweite haben. Aber wer es sich leisten kann, sollte die kostenlose Verstärkerwirkung ruhig nutzen, das ist doch ein gutes Geschäft.

Die HuffPo setzt das von Burdas Focus online bereits in der Focus Community verwirklichte Modell im Großen um (Tomorrow Focus ist die „Mutter“ der HuffPo). Ich glaube, dass es funktionieren wird und à la longue das Zeug hat, SpOn abzulösen. Erstens, weil am Anfang viele gucken werden, wer da alles schreibt, das sorgt für die nötige Masse, und viele werden hängenbleiben. Zweitens, weil der angekündigte Themenmix auch Leser anspricht, die dafür bisher mehrere Sites besuchen mussten. Drittens, weil die Autoren im Original ansprechbar sind und auch antworten, das wird bei der deutschen Ausgabe genauso sein. Wenn die deutsche HuffPo ihre Kommentare von Anfang im Griff hat, kann sie eine gute Debattenplattform werden, einfach, weil die unterschiedlichen Themen viele Menschen interessieren und genügend Kommentatoren anziehen.

Für den Journalismus ist so ein Modell natürlich zunächst mal schädlich. Es gibt jetzt schon zu wenige, meist schlecht bezahlte Arbeitsplätze für die vielen gut ausgebildeten Berufsschreiber, und sich in der Selbstständigkeit selbst zu vermarkten, ist nicht jedermanns Sache. Redaktionen werden aber des Verlags-Profits wegen weiter abgebaut werden. Ob die deutsche HuffPo das Redaktionssterben beschleunigt, ist mindestens fraglich. Die Entwicklung von Print zu Online hat gerade erst begonnen, was jeder neuen Geschäftsidee hohe Aufmerksamkeit – und Kritik – sichert. Schau’n mer mal.
 
Nachtrag:
Die Anfrage an Stefan Niggemeier kam von Focus Online, hier ist die HuffPo-Anfrage an Kai Petermann. Und seine Antwort. ,)

  • Bei Carta habe ich einen kleinen Artikel über die emsige Starthilfe des Chefredakteurs Sebastian Matthes eingestellt, darin sind viele Links zur bisherigen Diskussion um die HuffPo

 
11 Kommentare

Verfasst von - 27. September 2013 in Blogs, Journalismus, Marketing, Medien, Web 2.0

 

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11 Antworten zu “Vor dem #HuffPo-Start

  1. kultgenosse

    27. September 2013 at 21:25

    Gabs schon angebote, Vera?

     
  2. opalkatze

    27. September 2013 at 21:30

    Ich rechne stündlich damit. ,)

     
  3. junaimnetz

    28. September 2013 at 13:12

    :D Schön geschrieben. Ich fand die Anfragen an die beiden auch ziemlich frech. Aber hey, versuchen kann man es ja mal! Vielleicht wäre die geschicktere Taktik gewesen, die hoffnungsvollen Nachwuchsblogger_innen mit der großen Reichweite zu ködern. Immerhin erwartet die Huffington Post Gratis-Erstveröffentlichungen;-) Insgesamt kann ich mir, trotz dieses, sagen wir, ungeschickten Starts, gut vorstellen, dass das Konzept auch unter Sebastian Matthes funktioniert. Vor allem, wenn sie sich auch als Plattform für noch nicht allzu etablierte Schreiber_innen präsentieren. Ich jedenfalls habe ja weder Stolz noch einen Ruf zu verlieren und mache praktisch alles für die Bekanntheit. Aber mich fragt natürlich kein Mensch! ;-)

     
  4. opalkatze

    28. September 2013 at 13:33

     
  5. junaimnetz

    28. September 2013 at 13:44

    … und Recht auf Frechheit, was? :D Ich habe gerade deutlich die Cheshire-Cat aus Alice im Wunderland vor meinen Augen gesehen! Ach, wieso nicht? :-)

     
  6. opalkatze

    28. September 2013 at 14:47

    Nur wenige Handlungen kosten gleich den Kopf. Das Schlimmste, das dir passieren kann, ist, dass jemand dein Anliegen ablehnt: also Nein sagt. Wenn du nicht klapperst, hört dich niemand, und da du schon bloggst, ist das sicher nicht dein Ziel. Das Problem ist vielmehr, dass wir keine Kultur des Scheiterndürfens haben. (Blogge da gerade was drüber, wenn es was wird, geht es irgendwann online.) Wenn du also irgendwas haben willst: Nimm es dir. Es kommt niemand und legt es dir in den Schoß. Und, klar, da steht ja RECHT auf Frechheit. :]

     
  7. gsohn

    28. September 2013 at 15:04

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

     
  8. junaimnetz

    28. September 2013 at 15:12

    Da hast Du absolut Recht. Hey, übers Scheitern habe ich neulich auch was geschrieben! Wenn Du den Post gesehen hast, ignoriere den Link. Ansonsten ist der Beitrag hier: http://junaimnetz.wordpress.com/2013/08/17/menscheln-ist-irrlich/, verlinkt ist dort auch der Zeit-Artikel, an dem ich mich hochgezogen habe. Ja, das Versagen …:-) Bin gespannt auf Deinen Blogpost!

     
  9. Sternenguckerin

    29. September 2013 at 13:25

    Hallo! Im letzten CRE von und mit Tim Pritlove ging es kürzlich (auch) um die Huffington Post und generell um die Problematik der Bezahlung im Online-Journalismus. Fand ich ganz spannend, da ich bisher gar nicht wusste, wie das System der Huffington Post eigentlich funktioniert.

     
  10. opalkatze

    29. September 2013 at 16:58

    Meinst du den hier: CRE203 Online-Journalismus? CRE gefällt mir gut, ist aber immer sehr lang. Weil ich auch noch ein paar Andere höre, fällt der meistens hintenüber. Der einzige lange Podcast, den ich eisern höre, ist Fefes und Franks Alternativlos.

     
  11. Sternenguckerin

    30. September 2013 at 21:57

    Ja, den meinte ich! Hatte den Link nicht so fix zur Hand. Ich finde lange Folgen klasse, habe auch glücklicherweise die Möglichkeit, bei der Arbeit solche Sachen hören zu können.
    Vom CRE höre ich aber auch lange nicht alle Folgen, ich schaue da immer mal wieder vorbei und lade mir dann die Folgen runter, die ich spannend finde.
    Fefe und Frank kenne ich gar nicht, muss ich mal testen!

     
 
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