RSS

#LSR, Folge 9.478: Kritikerzitate aus Buchrezensionen

14 Okt

Die FAZ befindet sich in einem Rechtsstreit mit buch.de: „In dem Verfahren geht es im Kern um die Frage, ob die Nutzung von Rezensionsausschnitten bei der Online-Buchwerbung ohne Lizenzierung des die Rechte haltenden Presseverlags zulässig ist.“ (boersenblatt.net, 4. Oktober 2013)

Übersetzt: Jemand schreibt ein Buch und findet einen Verleger. Ein Kritiker hält das Buch für der Rede wert und bespricht es für eine Publikation. Die Rezension wird dort veröffentlicht. Weil es eine wohlwollende Besprechung ist, freut sich der Verlag und druckt Auszüge auf den Klappentext des rezensierten Buchs. (Alternativ könnte der Autor solche Textschnipsel auf seiner Website veröffentlichen, aber darum geht es hier nicht. Ein Sonderfall ist das Perlentaucher-Urteil.)

Vermutlich wird die FAZ am 8. November vor dem Landgericht München Recht bekommen, und zwar aus einem ebenso einfachen wie einleuchtenden Grund: Diese Textübernahme ist nicht durch das Zitatrecht gedeckt, denn die Umschlagtexte setzen sich nicht mit der Kritik auseinander, sondern sie wird lediglich abgedruckt. Und ein Gewohnheitsrecht wollte das Gericht in der mündlichen Verhandlung auch nicht erkennen. Der Börsenverein empfiehlt seinen Mitgliedern daraufhin schon mal, die entsprechenden Inhalte zu löschen.

Der Tagesspiegel weist in seinem Artikel zum Thema auf die Kostentabelle der FAZ hin. Dass der Urheber der Kritik davon nichts abkriegt, braucht wohl nicht mehr gesondert erwähnt zu werden. Er kann sich ja selbständig machen und ein Vermögen verdienen, wenn es demnächst Rezensionen nur noch gegen Cash gibt.

 
6 Kommentare

Verfasst von - 14. Oktober 2013 in Kultur, Medien, Politik

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

6 Antworten zu “#LSR, Folge 9.478: Kritikerzitate aus Buchrezensionen

  1. flatter

    14. Oktober 2013 at 18:34

    Das ist alternativlos. Man könnte natürlich denken, es hat der Rezensent etwas vom Buch, das ihm schließlich den Stoff für einen Artikel liefert, und der Buchverlag hat etwas von der Rezension, die ihm Relevanz verleiht. Eine win-win-Situation. Das hieße aber, doppelt auf sogenannte „Wertschöpfung“ i.e. ‚Wachstum‘ zu verzichten, zumal die großen Medienhäuser auf beiden Seiten spielen. Selbst schuld, wenn man sich den Buchverlag als Ergänzung zur Zeitung nicht leisten kann oder umgekehrt.
    Wir befinden uns in der Phase, in der ein Verzicht auf Irrsinn Wettbewerbsnachteile bedeutet.

     
  2. opalkatze

    14. Oktober 2013 at 19:12

    Das wird langsam so irrwitzig, dass mir wohl demnächst die Worte dafür ausgehen werden. Wünsche mir die Zeit zurück, als Kopf → Tisch noch geholfen hat. Und Stefan Laurin bespricht heute „Der Präventivstaat“. Wie passend.

     
  3. Maik Hetmank

    14. Oktober 2013 at 22:23

    nur mit dem #LSR hat das nix zu tun

     
  4. DFranzenburg

    15. Oktober 2013 at 10:20

    Da kann man der FAZ nur wünschen, daß kein Buchverlag dieser Welt mehr bei ihnen inseriert. Alternativ den FAZ-Juristen Dünnschiß, dünner als Wasser, und Arme so kurz, daß sie nicht zum Putzen gereichen.

    Ich entscheide mich übrigens sehr oft für das Lesen eines Buches anhand des Klappentextes bzw. der Kritiken auf dem Umschlag eines Buches.

     
  5. opalkatze

    15. Oktober 2013 at 12:28

    Rechtlich wohl nicht, doch der Zusammenhang ist gegeben. Das System hat jahrzehntelang in stillschweigender Duldung zum beiderseitigen Nutzen funktioniert. Seit das LSR beschlossen ist, werden jedoch alle möglichen Zitate und Anverwandte – Weiter- und Mehrfachverwendungen – daraufhin überprüft, ob sie sich nicht zu Geld machen lassen. Es werden selbst Textchen in Frage gestellt, die eindeutig dem Zitatrecht unterfallen – könnte ja sein, dass es klappt. Vor dem LSR hat das kein Mensch in Frage gestellt.

     
 
%d Bloggern gefällt das: