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Mauthelden

01 Nov

Strompreise, Gesundheitsreform, Vorratsdatenspeicherung? Ach was: Die Maut. Diese Pkw-Maut für Ausländer, die der weiß-blaue Riese so landsmannschaftlich wahlkampfwirksam aufs Tapet gebracht hat. Die Bayern sind nämlich auf die österreichischen Nachbarn schlecht zu sprechen. Die wollen seit 1997 auf Autobahnen, Schnellstraßen und Sondermaustrecken das Pickerl auf der Windschutzscheibe sehen. Im Gegenzug fahren sie, so die weit verbreitete Meinung, im kleinen Grenzverkehr die schönen bairischen Straßen kaputt. Ohne etwas zu zahlen. Praktisch, dass da auch noch Animositäten aus der k.u.k.-Zeit mitschwingen, und so hat das Manöver mit dem Wegezoll dem Seehofer Horst im Landtagswahlkampf erwartungsgemäß ein paar satte Prozentpunkte gebracht.

Den Medien gefällt das auch, und so stimmen alle von BILD bis ZEIT in den Kanon ein und freuen sich, dass sie recht schön was zum Schreiben haben. Jetzt ist aber der Seehofer Horst ja kein kleiner Dummer. Mit seinem Bubenstück hat er nicht nur der Kanzlerin gezeigt, was eine Forke ist, sondern auch ein nützliches Mem erschaffen. Das kann man in den Koalitionsverhandlungen noch brauchen.

Erstens kann man damit Frau Merkel ärgern, was immer nett ist. Und wenn in den Arbeitsgruppen die Mauscheleien losgehen, die helles Licht und Kameras nicht gut vertragen, kann mit der Maut flugs ein medial wirksames Störfeuer eröffnet werden. Die Möglichkeiten reichen vom alltagstauglichen Supermarkt- und Büroklatsch-Populismus bis zu juristischen Erörterungen über den Unsinn weiteren Bürokratieausbaus unter besonderer Berücksichtigung des europäischen Rechts. Selbst die Störenfriede aus dem Netz kriegt man beschäftigt, indem man sie über „die Automatische Vignettenkontrolle und der Datenschutz“ diskutieren lässt. Wenn man so ein rundum verwertbares Thema hat, wen interessieren dann noch Rüstungskontrolle oder soziale Gerechtigkeit? Siagst as.

 
8 Kommentare

Verfasst von - 1. November 2013 in Medien, Politik

 

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8 Antworten zu “Mauthelden

  1. theomix

    1. November 2013 at 13:02

    Eine sehr schöne Wortschöpfung! Und gut kommentiert!

     
  2. Hinterwäldler

    1. November 2013 at 18:23

    Das Problem liegt tiefer. Also, wenn ein Österreicher aus Vorarlberg von Bregenz oder oder Dornbirn in den Rest von Österreich fahren will (also bsw nach Salzburg, Linz, Wien oder Graz), muss er zusätzlich zum Pickerl eine erhebliche Tunnelmaut entrichten oder er nimmt den nur im Sommer befahrbaren Arlberg-Pass. Überdies ist die Geschwindigkeit im Tunnel auf 80 km/h beschränkt. Die Passtraße ist zudem eine Strafe über Landstraßen.

    Also nimmt der Hinterbergseer den bequemeren und schnelleren Weg über Lindau und München. Bemerkenswert ist noch das das Benzin in OE etwa 0,25 €/Liter unter dem in Deutschland liegt und man bequem ohne zu Tanken die Strecke bewältigt.

    Als dritter Fakt zählt noch, das die Ösis endlich mal ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fahren dürfen und das auch weidlich nutzen. Weil aber den Ösis die bei uns geltende Richtgeschwindigkeit ein Fremdwort ist, kommt es zu einer höheren Anzahl von Unfällen, die auch für Deutschland ein Kostenfaktor sind. Es ist anzunehmen, das dies für die neue Ost-West-Tangente von München spürbar ist.

    Das ist der Hintergrund für Seehofers Position. Sie ist auf den ersten Blick gar nicht so abwegig.

    Der hauptsächliche Grund liegt aber in der deutschen Preispolitik für Kraftstoffe die darauf hinausläuft, das Transitreisende bemüht sind, stets mit einer Tankfüllung quer durch Deutschland zu gelangen. Wer kann es ihnen verdenken? Hinzu kommt das die Bewohner der grenznahen Gebiete schnell mal nach Bregenz, Salzburg oder Thayngen(CH) fahren, um mal richtig voll zu tanken. Auch hier im sogenannten Tanktourismus büßt DE aus der Sicht Seehofers sehr viel Geld ein. Das Problem ist also hausgemacht und die CSU versucht nun etwas, was auch aus meiner Sicht an Fremdenfeindlichkeit kaum zu übertreffen ist und das Problem nicht löst.

    Ich werde übrigens erst dann nicht mehr nach Thayngen fahren, wenn diese Bundesrepublik das Problem erfasst hat und Einfluss auf die Kraftstoff-Preisgestaltung in ganz Europa nimmt.

     
  3. opalkatze

    1. November 2013 at 18:27

    Ja, ich kenn die Ecke noch ganz gut, das hätte aber zu weit geführt.

    Ist hier mit Luxemburg dasselbe in Grün. Durch vernunftgesteuerte Entscheidungen haben wir uns in den letzten Jahren nicht eben hervorgetan.

     
  4. opalkatze

    1. November 2013 at 18:28

    Man müht sich halt. :)

     
  5. theomix

    1. November 2013 at 18:34

    Also ein Beitrag zur Mühtenbildung? :mrgreen:

     
  6. opalkatze

    1. November 2013 at 18:41

    Waah. Ich wil hier raus.

     
  7. Klaus Jarchow

    13. November 2013 at 09:47

    Familienstreitigkeiten sind immer die schlimmsten. Ösies und Bajuwaren kommen doch aus einem ‚Genpool‘ …

     
  8. opalkatze

    14. November 2013 at 18:07

    – aber sag ihnen das nie direkt ins Gesicht.

     
 
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