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Mind the gap, Herr Uhl

02 Nov

Was ist los mit Politikern wie Hans-Peter Uhl, die solche Sätze sagen? „Beim Swift-Abkommen hatte ich von Anfang an den Verdacht, dass es nicht nur der Terrorbekämpfung dient, sondern auch geeignet ist, an Wirtschaftsdaten sensibelster Art zu kommen.“

Wir hören von externen Beratern, die regelmäßig von Ministerien mit teuren Studien beauftragt werden, die lediglich Allgemeinwissen akademischer formulieren. Hier lag die Expertise auf der Straße, man hätte sie nur aufnehmen müssen. Ausgewiesene Experten vom CCC und verschiedenen Datenschutzorganisationen haben immer wieder gewarnt, dass genau das passieren würde, was jetzt, glaubhaft bestürzt, nur noch zur Kenntnis zu nehmen ist.

Mind the gap, Foto: Gonzalo Iza, CC BY-NC-ND

Wurde die deutsch-amerikanische Freundschaft so emotional erlebt, dass strategische Abwägungen als unmoralisch galten? Haben Politiker den Beschwichtigungen hilfloser Geheimdienste vertraut? Dem Kulturpessimismus der Zeitungen, den Schreibern gegen den Medienwandel, mehr geglaubt als jungen Experten, die in der Enquête-Kommission gehört wurden oder das Bundesverfassungericht beraten? Lag es am Generationsunterschied? Oder war die angebotene Dienstleistung einfach zu billig?

Uhls Befremden und das vieler seiner Kollegen ist echt. Sie dürfen sich nicht länger auf erwiesen nutzlose Behörden verlassen: Sie müssen jetzt den Graben überwinden. Sie müssen alle Hilfen annehmen, die sie bekommen können. Sie müssen an einen Tisch mit Sachkundigen, die nicht durch die Interessen ihrer Auftraggeber oder eines Ministeriums gebunden sind. Die USA sichern sich schon lange Wissen und Fachkenntnisse junger Spezialisten. Die Folgen baden wir alle gerade aus. Und dann ist da noch China.

Foto: Gonzalo Iza, CC BY-NC-ND

 
24 Kommentare

Verfasst von - 2. November 2013 in Politik

 

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24 Antworten zu “Mind the gap, Herr Uhl

  1. Jachim

    2. November 2013 at 14:05

    Was mit Konservativen wie Hans-Peter Uhl los ist, das erkennt man hier sehr schön:
    I think, mauve has the most ram. http://dilbert.com/strips/comic/1995-11-17/

    Pseudokompetenz, angelesen im Handelsblatt. Uhl ist einer der letzten echten Konservativen. All seine Aussagen sind geprägt von der Welt der Konservendose. Passt etwas nicht, so wird es mit Gewalt in diese Dose gequetscht, quasi konversiert. Gestern war es auch so und das legitimiert Alles – besonders die eigene unverrückbare Sicht.

    Internet wird national-staatlich gemacht, Polizei geht virtuell Streife und Behörden wie das Innenministerium und das BSI, „die machen das“. Die Frage nach der Selbstverwaltung des Netzes wird einfach nicht gestellt. Logisch, diese Frage – Selbstverwaltung – gibt es in der Konserve nicht. Jeder Fortschritt ist ganz und gar unmöglich und die Frage, ob man, wie der BND etwa. selbst nicht Dreck am Stecken hat, die gibt es schon gar nicht.

    Alte Bleidosen habenschließlich auch weit über 100 Jahre gehalten…

     
  2. opalkatze

    2. November 2013 at 14:37

    Haben wir nicht auch unsere „eigene unverrückbare Sicht“, aus der wir über Uhl urteilen? In den letzten Interviews hatte ich den Eindruck, dass er versucht, sich mit vielen Dingen auseinanderzusetzen, so gut er kann. Es ist ihm weder vorzuwerfen, dass seine Weltsicht konservativ ist, noch, dass er bestimmte Dinge nicht (mehr) versteht. Ich möchte uns in 20 Jahren sehen – vermutlich geht es uns dann genauso.

    Welch himmelweiter Unterschied zwischen digital natives meiner Generation und denen, die heute 20 sind, liegt, wird mir in Gesprächen immer wieder klar. Uhl ist 15 Jahre älter als ich und hat sich nicht von Anfang an im Netz bewegt. Dafür beschäftigt er sich trotz schlechter Voraussetzungen heute damit, das ist ihm anzurechnen.

    Der Kasus knaxus ist nicht Uhl, sondern die herkömmliche Parteikarriere, die es hindert, dass junge, fitte Leute an entscheidender Stelle sitzen. Auch die würden – als CSU-Mitglieder – konservative Standpunkte vertreten, aber mit besseren Kenntnissen. Ein weiteres Manko: Es gibt kaum Journalisten mit entsprechender Sachkunde, die die richtigen Fragen stellen und so die Politik unter Druck setzen könnten. Solange sich das nicht ändert, werden wir weiter den Don Quijote geben.

     
  3. Hinterwäldler

    2. November 2013 at 14:56

    Die Idee ist zwar nicht schlecht und wird bestimmt vom Unionhörigen Deutschen angenommen. Nein, er hat in den vergangenen Jahren nichts hinzu gelernt. Ich bin 70 und traue dem selbsternannten Sicherheitsexperten nicht über den weg. Vor wenigen Tagen wollten sie erst wieder die Vorratsdatenspeicherung irgendwie im Koalitionsvertrag unterbringen.

     
  4. opalkatze

    2. November 2013 at 15:52

    Ja, aber das sind politische Fragen. Ich mag Uhls Ansichten auch nicht, aber um etwas zu erreichen, muss man die Ansichten des politischen Gegners ernst nehmen.

    Diese satte Mehrheit ist doch eine Aussage: Sie sagt uns u.a., dass eine große Mehrheit mit dem Netz nicht vertraut ist und es – auch aufgrund der herrschenden Deutungshoheit -, nicht nur ablehnt, sondern sogar fürchtet. Da helfen gegenseitige Schuldzuweisungen und Polemiken nicht weiter. Wir sollten überlegen, wie wir zusammen kommen.

     
  5. Joachim

    2. November 2013 at 16:27

    Du missverstehst mich. Es geht nicht darum Uhl zu verurteilen. Es geht um Fakten und nicht um Kompromisse. Ein Faktum ist, dass Internet als rasend schnelles Medium all das stört, was geheim, verdeckt abgesprochen oder strategisch ist. (…)

    Industrie und Politik haben ein gemeinsames Interesse das Netz unter Kontrolle zu bringen. Die USA möchte z.B. die Aufsicht über DNS nicht teilen. Nicht nur Uhl möchte ein Deutschlandnetz, Innenministerium als Kontrollaufsicht, das Internet Ministerien und Behörden unterstellen. Die Telekom möchte die technische (und inhaltliche) Oberaufsicht über dieses Deutschlandnetz – natürlich um noch besser Drosseln zur Erpressung des Netzes und der eigenen Kunden (die Telekominhalte statt „youtube“ und Co. zu nutzen) installieren zu können.

    Aber hallo? Wo ist denn der, der das Internet ausmacht, mit Inhalten füllt, sich mit „dummen“ Kommentaren herum schlägt, twittert, Geschichten und Kochrezepte schreibt, einfach auf Facebook ein tolles Bild veröffentlicht oder gar echte Politik macht und sich dann massiver Kritik bis zum Shitstorm aussetzt. Wo sind die Kommentatoren oder einfach nur die Surfer?

    Laut Uhl sind es das BSI und das Innenministerium, das die schützt. Fefe würde polemisch sagen, die Besten der Besten der Besten. Aber Netzneutralität festschreiben, dass kommt den Pappnasen einfach nicht in den Sinn.

    Daran ist die Parteienkarriere schuld, die nur Ellbogenträger propagiert? Mag sein. In jedem Fall sind es die selbst erhaltenden Leistungsträger, deren Bankkonto Scheinleistung definiert, die im Handelsblatt etwas von Datenbanken gelesen haben, sich an damals polemisch in der Luft zerrissene Aussagen eines echten Leistungs- und Kompetenzträgers, seinem unterbezahltem Angestellten, erinnern, das plötzlich als eigene Idee präsentieren und dann noch die Farben vorschreiben wollen.

    Hallo, Farben und das ist ein Livebericht, sind eine Frage der Konfiguration. Doch cheffe legt selbst Hand an und schreibt color(mauve). Pappnase. Der bezahlt mich, seinen Mist rückgängig zu machen? Irgend in Idiot muss den Unsinn der Leistungsträger immer reparieren.

    Uhl und seine Freunde sehen die Welt von oben, den Staat legitimiert durch seine selbst definierte „Fürsorge“ und ist deshalb mit nicht anzuzweifelnder Macht ausgestattet. Aber der Staat hat hier eindeutig versagt. Wir sagen das seit Jahren! Deshalb ist es richtig, wenn das Grundgesetz es genau andersherum sieht: Alle Macht geht vom Volke aus.

    Mauve has the most ram und Uhl blubbert nur einen Bruchteil davon nach, was z.B. der CCC schon immer predigt um sich die eigene Rechtfertigung zu geben. Nur ist der CCC heute um Lichtjahre weiter. Solche Leute wie Uhl dürfen einfach nicht an den „Editor“ und nicht an die Tastatur, schon gar nicht das Internet bestimmen. Das geht gar nicht. Das geht nicht gut.

    Husch husch zurück in die Dose, Kleiner – ab zu Deinen Freunden aus Industrie und Politik.


    Tut mir Leid wegen der Länge, aber a) ist hier nicht twitter, b) muss das niemand lesen und c) regt mich der Vereinnahmungsversuch durch Uhl auf.

     
  6. vilmoskörte

    3. November 2013 at 15:44

    Na ja, bei den vielen eigenartigen bis inhaltlich bedenklichen Auftritten und Aussagen des Herrn Uhl kommt bei mir gelegentlich der Verdacht auf, dass er nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist.

     
  7. opalkatze

    3. November 2013 at 17:45

    Na ja, meine Wellenlänge ist er auch nicht. Das sind diese Sicherheitspolitiker vom alten Schlag, die alles ihren Ängsten unterordnen.

    #merkelphone war ein willkommenerr Weckruf, wenigstens reden wir jetzt mal drüber. Wie man dann auf so was kommen kann, finde ich schon – äh – interessant.

     
  8. opalkatze

    3. November 2013 at 17:54

    Das ist mir zu idealistisch (muss ich gerade sagen, jaja, ist ja gut). Es geht nun mal nach Geld – das muss man nicht gut finden, aber zur Kenntnis nehmen. Leider muss man auch die Ängste dieser Leute ernst nehmen, sie sind eine mächtige Triebfeder, und angstgetrieben Politik ist was ganz Übles.

    Genau damit müssen wir aber leben, weil die Machtverhältnisse sind, wie sie sind. Und du glaubst doch nicht, dass die nächste Generation deswegen auf die Straße geht, oder? Unser vor die Wand gefahrenes Bildungssystem sorgt dafür, dass es eher noch schlimmer wird. Was für eine Oligarchie wiederum wünschenswert ist …

     
  9. pantoufle

    4. November 2013 at 09:37

    Die Erleuchtung des H.P. Uhl wird weiter auf sich warten lassen. Wegen einer Überdosis Konservativ-Forte? Ich denke nicht.
    Natürlich sollte man den politischen Gegner ernst nehmen und versuchen, sich in seine Gedankenwelt hineinzudenken, aber doch nicht so! Dazu eine kleine Rückblende:
    Um eine „bessere Überwachung von terrorverdächtigen Minderjährigen“ zu erreichen, wollte Uhl die Altersgrenze für die Speicherung Personenbezogener Daten auf 12 Jahre senken. Zwölf Jahre! Da wird jedes Cowboy und Indianerspiel zu einer massiven Gefahr für die berufliche Zukunft. Allein der Gedanke ist so vollkommen abwegig, daß man sich fragt, ob Uhl jemals eine eigene Kindheit hatte – wie empfindet so ein Mensch eigentlich spielende Kinder vor seinem Fenster?

    Die angesprochenen Experten vom CCC jedenfalls tituliert er als „Pseudo-Computerexperten […] ohne Sinn und Verstand und moralisch verkommen“. Vermutlich hätte man nach Uhls Weltsicht bereits in der Jugend härtere Seiten aufziehen müssen, damit man als Erwachsener nicht in „pseudo-bürgerrechtsengagierte(r) Hysterie“ ausbricht. Unvergessene Momente im Bundestag, wenn der Abgeordnete Uhl ans Pult tritt, um genau das zu vertreten: Eine vollkommen verzerrte Sicht auf die Welt, die man mit Argumenten nicht mehr erschüttern kann. Zu weit entfernt, zu krude und fernab des Geistes unserer Verfassung. Ein hervorragender Repräsentant einer selbsternannten Elite, deren Wahrnehmung die eigenen vier Wände nicht mehr verläßt.

    Das mag man konservativ nennen, tut aber damit dem Begriff keinen Gefallen. Ich wenigstens weigere mich, einen Gustav Heinemann, Heiner Geißler oder einen Erhard Eppler in einem Atemzug mit H.P. Uhl zu nennen. Das ist er eben nicht, der Konservatismus alter Schule. Es ist eine Metastase, die vor allem einem dient: Den Interessen von Lobbyisten und einer Clique irrsinnig gewordenen Gegnern des Rechtsstaates. Da werden keine Werte erhalten, sondern vernichtet – meinetwegen umgedeutet.
    Hans-Peter Uhl: Der Ronald McDonald der neuen Rechten.

     
  10. opalkatze

    4. November 2013 at 12:01

    Richtig, trotzdem sehe ich Uhl als jemanden, der sehr verunsichert ist, weil sein Weltbild gerade zusammenklappt.

    Heinemann und Eppler – d’accord. Aber gerade Geißler ist ein Schulbeispiel für die Wandlung vom Saulus zum Paulus. Guck dir mal an, was der in den 70er- und 80er-Jahren als General der CDU so getrieben hat. Gar nicht dein Geschmack, tippe ich (suche etwa: Brandt + Geißler).

     
  11. pantoufle

    4. November 2013 at 12:14

    Geißler: Der schwarze General und Erzfeind meiner Jugend. Und in sofern ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich Lernfähigkeit und Anpassung an veränderte Umweltbedingungen darstellen können.
    Mein Mitleid mit einem Barbaren, der gewohnt ist, seine Feinde mit der Keule zu erschlagen und der nun an einer Welt verzweifelt, die mit Messer und Gabel ißt, hält sich in Grenzen.

    Na gut: Wenn die Welt wenigstens das täte…

     
  12. Joachim

    4. November 2013 at 12:26

    Noch eine Ergänzung zu Uhls echtem Befremden. Das ist echt. Doch seine Prämissen und Folgerungen sind unvollständig bis falsch. Aus Uhls Sicht stellt die USA Deutschlands Souveränität in Frage – und in der Tat, darüber könnte man diskutieren. Doch das ist nicht das Problem. Diese Souveränität, die dem BND erlaubt mit der NSA Tauschspielchen zu machen um Geheimdienste einschränkende Gesetzte zu umgehen und diese Souveränität, die britische Geheimdienste bei der Zusammenarbeit verkünden lässt, man sei erstaunt über die Kompetenz deutscher Geheimdienste, befremdet Uhl nicht. Denn für Uhl ist die Rolle des Staats zu regieren. Dafür heiligt der Zweck die Mittel (auch der Geheimdienste). Das aber ist eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Rolle des Staats.

    Um einmal die Vorstellungen des Staates an einem Beispiel zu erklären:
    Was glaubt die Politik zu erfahren, wenn der mit Snowden sprechen möchte? Erstens ist Swnodens Laptop ist weg. Soll der nun Gedächnisprotokolle abliefern? Ohne jeden Beleg? Und wenn da noch etwas wäre, soll der zum Schweigen gebracht werden? Das geht nicht. Denn all sein Material haben Zeitungen. Snowden hat nichts mehr als seine Unterhose. Bestenfalls ist ein solches Gesprächsersuchen ein Ablenkungsmanöver und Placebopolitik.

    Statt dessen müsste die Bundesregierung Folgendes initiieren.

    1. Die Rolle der deutschen Geheimdienste und der Industrie muss hier im Land untersucht werden. Snowden ist ohne Daten kein Zeuge mehr. Die USA interessieren einfach nicht. Die USA will nicht aufklären. Also kehren wir vor unserer eigenen Türe.

    Es gibt ein Grundrecht der geheimen und ungestörten Kommunikation und zwar nicht nur für die Kanzlerin und nicht nur für Deutsche. Wenigstens Europa sollte nicht gänzlich zu einer Witzkonstruktion verkommen.

    2. Der Skandal muss nach Europa. Die Rolle der Geheimdienste in Europa muss untersucht werden. Das Verhalten der Staaten in Europa muss Regeln folgen. Priorität haben dabei die Grund- und Menschenrechte.

    Die Erkenntnisse aus 1 und 2 müssen zu einer Veränderung der europäischen Datenschutzgesetze, auch die für Geheimdienste, führen. Insbesondere muss der Datentausch mit unsicheren Staaten hinterfragt werden.

    Alle Regeln, nach denen Staaten Gewalt ausüben dürfen, müssen überarbeitet werden. Staatliche Gewalt muss über jedem Zweifel erhaben sein und ist deshalb vollständig öffentlich überprüfbar zu machen. Es darf einfach nicht mehr die Situation geben, die ein Snowden gezwungen hat, an die Öffentlichkeit zu gehen. Solche Situationen beschreiben illegales Handeln. Das ist der rechtmäßige Grund für die Aufregung (und nicht etwa Snowdens Veröffentlichung!).

    Da wo Staaten geheim agieren müssen, das ist innerhalb Europas nicht mehr der Fall, da ist wirksame Kontrolle unabdingbar. Handelt man anders, dann wird es weiter Kriege und Menschenrechtsverletzungen gehen, deren einzige Legitimation wieder auf einem Lügengebäude basiert. Macht ist nur gerechtfertigt, wenn sie von unten nach oben legitimiert und kontrolliert wird.

    3. Snowden ist in Europa bedingungslos und garantiertes Asyl zu gewähren. Straftaten, die getan werden, um Menschenrechte durchzusetzen, dabei einzig Menschenrechte verletzende Regierungen „verrät“, sind keine Straftat sondern Bürgerpflicht. Die Verräter sind die illegal handelnden Regierungen und Geheimdienste.

     
  13. opalkatze

    4. November 2013 at 12:48

    Ja, all das ist zu wünschen – und politisch nicht durchzusetzen. Weder mit diesem Personal, noch mit neuem, denn die bemerkenswert scharfe Trennung von „gut“ und „böse“ verläuft nicht nach einer Idealvorstellung, sondern nach der einfachen Schablone, „unsere Geheimdienste sind gut, die der Anderen sind böse“. Spätestens bei wirtschaftlichen Interessen, die durch die Dienste zu schützen sind, ist Schluss.

     
  14. opalkatze

    4. November 2013 at 12:52

    Unterstell mir bitte nicht, ich wolle Uhls Unmöglichkeiten in Schutz nehmen. Wenn ich von gap schreibe, ist das der Einsicht geschuldet, dass jede weitere Entfremdung giftig ist. Was aus ‚wir hier‘ und ‚die da‘ entstanden ist, hat jetzt schon genug Schaden angerichtet.

     
  15. Joachim

    4. November 2013 at 14:14

    opalkatze, das unterstelle ich Dir nicht – und das ist mir wichtig! Es ist mir klar, dass Du in Uhls Aussagen einen Hoffnungsschimmer siehst. Doch die Politik redet von „wir“ und „die da“ – siehe Uhl in der FAZ. Ich rede von unserer Verantwortung und von der Demokratie, der ich verpflichtet bin.

    Uhls vordergründig progressive Äußerungen grenzen hart an einen lange überkommenen Nationalismus. Darauf hin habe ich den FAZ-Artikel untersucht

    Hinweis: man suche alle (zwei) Vorkommnisse von Demokratie in diesem Artikel und lese wie Uhl was bewertet. So muss zum Beispiel nicht das Internet „unseren“ Regeln, also den Regeln des Staates, der Regierung, unterworfen werden. Statt dessen muss der Umgang mit Daten durch Wirtschaft und Politik beschränkt werden. Informelle Selbstbestimmung muss tatsächlich möglich werden. Für Uhl ist informelle Selbstbestimmung aber nur die Rechtfertigung für mehr technische Mittel für den Staat. Gemeint ist natürlich die Exekutive, Regierung, Behörden und Geheimdienste. Kein Wort von der Verantwortung oder Kontrolle dieser Institutionen.

    Uhls wirkliche Sicht ist ziemlich gut versteckt. Statt sie herauszuarbeiten attestiert Schirrmacher Hans-Peter Uhl, er sei unverdächtig Panik zu schüren und stellt eine europäische Kommunikations-Infrastruktur als Mitte der Wahl hin, der USA etwas entgegenzusetzen. Geht es darum? Oder müssen wir nicht vielmehr der Überwachung, hier wie dort, etwas entgegen setzen? Denn die Überwachung findet auch hier, auf deutschem Boden, statt.

    Uhl verbreitet Nationalismus pur, so als hätte es niemals ein grenzüberschreitendes Netz gegeben. Solche Leute wollen zurück in das vorige Jahrhundert – und so bekommt Twitter gleich auch noch etwas ab.

    Mein Schluss der Analyse ist: es gibt nichts zu reden. Er versteht nicht und weist die technische Kompetenz nicht auf. Uhl versteht nicht einmal die Rolle Europas. Er ist hier einfach nicht kompetent. Der Skandal ist kein Wirtschaftsskandal und auch kein Souveränitätsskandal Deutschlands. Es ist ein Menschenrechts- und Demokratieskandal.

    Das macht diesen Skandal und damit die Bundesregierung so unglaublich wie unglaubwürdig.

     
  16. opalkatze

    4. November 2013 at 14:20

    Hatte ich schon verstanden. Wir sind doch nicht besser: Wir haben doch auch die Weisheit mit der Schöpfkelle gefressen, und statt Ideen zu entwickeln, wie unsere Anliegen politisch umzusetzen wären, regen wir uns seit über drei Jahren über die Dummheit, Ignoranz, Unfähigkeit, Gestrigkeit, etc. von Politikern auf. Zu wissen, was gut wäre, ist noch nicht, es gut machen.

     
  17. Joachim

    4. November 2013 at 16:12

    Nein, wir sind nicht besser – Word. Wir streiten auch und verpassen die meisten Möglichkeiten.

    Trotzdem ist es primär Aufgabe der Politik die Anliegen der Bürger umzusetzen. Dafür werden sie gewählt. Mein Abgeordneter arbeitet in meiner Verantwortung und deshalb muss der Gewissensfreiheit und Befugnisse haben. Hat er aber nicht. Momentan verselbstständigt sich die Politik immer mehr. Ich fürchte, da hilft nicht einmal Dein Friedesangebot.

    Ich persönlich versuche mit den Leuten zu reden, praktische Vorschläge zu machen, notfalls ihnen wenigstens die Rechner wieder vom Boden aufzukratzen. Ich kann aber nichts tun, wenn sie nicht wollen. Ich bin weder für Alles verantwortlich noch allwissend.

    Okay, ein Vorschlag und ich bin dabei. Denn Deine Absicht ist klar und vernünftig. Tut mir Leid, diese Frage hätte ich zuerst stellen müssen.

     
  18. opalkatze

    4. November 2013 at 16:35

    Das Anliegen der Bürger ist Sicherheit – jedenfalls das der Mehrzahl der Bürger. Das ist auch so, weil wir es versäumt haben, ‚dem Bürger‘ das mit dem nichts zu verbergen rechtzeitig und geduldig zu erklären. Wir haben immer nur das Pfauenrad geschlagen und geschrieben, wie toll wir sind. Da sind wir um nichts besser als Leute wie Uhl, nur mit einem anderen Blickwinkel.

     
  19. Joachim

    4. November 2013 at 18:45

    Stimmt das wirklich? Sieh Dir einmal netzpolitik.org an. Es gibt da Einiges zu kritisieren, ja selbstverständlich. Doch immerhin wiederholen sie Gebetsmühlenartig seit Jahren, dass es Blödsinn ist mit dem „rechtsfreiem Raum Internet“ oder „wer nichts zu verbergen hat bräuchte nichts zu befürchten“. Franziska hat ein Gesetz gestürzt. Der CCC nimmt die Technik der Bundesregierung immer wieder auseinander. Stadler nimmt die juristische Seite immer wieder auseinander. Viele Seiten im Netz (Abgeordnetenwatch oder auch Heise usw.) klären so gut wie möglich auf, sogar die Medien wie die FAZ (teilweise); nicht zuletzt Alvar Freunde, etwa im AK-Zensur mit dem Artikel „Griff ins Klo“. Soll etwa Alvar sich nun vierteilen? Was erwartest Du? Die stecken alle massiv ein. Du selbst machst es doch so und das ist auch vollkommen richtig. Das Ende der Liste ist nicht zu erkennen.

    Das sind doch nicht alles Pfauen! Komm, das wäre einfach zu platt. Selbst wenn, solange es richtig ist was die sagen und tun finde ich: Ehre wem Ehre gebührt. Hallo, das gilt auch Dir!

    Was mich angeht, ich habe niemanden zu repräsentieren. Ich darf Uhl durchaus kritisieren. Ich darf sogar mächtig böse sein. Das hilft ungemein, Vereinnahmungsversuche zu erkennen. Nur wer das Böse in sich kennt, der kann das Böse wirklich einschätzen. Nein, nein, damit kannst Du mir nicht kommen – bei aller Liebe nicht. „I am what I am“.

    Übersetzt: nicht so fatalistisch bitte. Es gibt keinen Grund jetzt klein beizugeben.

     
  20. opalkatze

    4. November 2013 at 18:50

    Pah. Wenn ich bis jetzt nicht aufgegeben hab, werd ich es auch weiterhin nicht tun.

    Nett, dass du aufzählst, wer was macht. ,) Ja, aber wer liest das? Siehste.

     
  21. Joachim

    4. November 2013 at 19:46

    Aufzählung? Man muss belegen, was man sagt. Und wer liest? Siehe Klickzahlen bei Heise.

    Aufgeben? Ich meinte damit: nicht aufgeben die Politik vor uns herzutreiben. Bürgern zuzuhören ist die wesentliche Verantwortung der Politik. Uhl hat nicht nur der Wirtschaft oder einem puren Konservatismus als Selbstzweck gegenüber eine Verpflichtung.

    So, nun will ich aber sehen, wie das politische Schmierentheater um Snowden vs. Geheimdienste weiter geht. Ich habe da so meinen Verdacht (der nett sein ziemlich schwer macht)

     
  22. believeryoung

    8. November 2013 at 16:41

    Ach Moment mal, wer sollen denn „die Sachkundigen“ sein und wo sollen sie herkommen, „die nicht durch die Interessen ihrer Auftraggeber oder eines Ministeriums gebunden sind“. (Vielleicht Kodo der Dritte aus der Sternenmitte?)

     
  23. opalkatze

    8. November 2013 at 16:51

    Guck doch mal in diesem Internet, da findest du sicher jemand Passendes. m(

     
  24. believeryoung

    8. November 2013 at 16:59

    Ja, so kann man’s auch machen, googeln, gell?

     
 
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