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Tiefes Misstrauen

11 Feb

Vielleicht ist das naiv. Vielleicht geht es anderen genauso: Ich glaube nichts mehr. Ich misstraue allem, was ich nicht selbst gesehen oder angefasst habe. Beim Hören wird’s schon schwierig. In meinem Kopf ist eine Schere. Manchmal macht es schnipp, wenn ich etwas schreibe, von dem ich vermute, dass es mir irgendwann schaden könnte. Noch schreibe ich es trotzdem, aber halte ich das durch? Mit dem Gedanken, dass ich wahrscheinlich nie mehr in New York Deep-Dish Apple Pie essen und dabei den Eisläufern zusehen werde, habe ich mich ja schon abgefunden.

Dem Staat, den Politikern traue ich schon längst nicht mehr. Warum auch? Sie verraten und verkaufen mich, an NSA, GCHQ, BND, BfV, und wie sie alle heißen; durch internationale Handelsabkommen an Banken und Konzerne. Sie muten mir jetzt schon verdeckt Genmais und ganz offen Sozialabbau zu. Und jetzt Edathy. Ich kenne ihn nicht und weiß nichts über ihn. Ich weiß aber ebenso wenig, ob ihm nicht etwas untergeschoben wurde, auf seinen Rechner, sein Händi, oder ob irgendwer seinen Namen in eine Datenbank eingefügt hat. Das sind so Gedanken, die einem kommen, nachdem die Unschuldsvermutung abgeschafft wurde und Bürgerrechte nichts mehr gelten. Gedanken im Jahr 1 nach Snowden.

 
15 Kommentare

Verfasst von - 11. Februar 2014 in Politik

 

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15 Antworten zu “Tiefes Misstrauen

  1. moonopool

    11. Februar 2014 at 22:12

    chilling, dieser effect…

     
  2. Heiko

    11. Februar 2014 at 22:14

    Geht mir ähnlich. Ich unterstelle Politikern bei ihren Vorhaben inzwischen zuerst einmal, das sie damit ihre eigenen Interessen und/oder die ihrer „Sponsoren“ befriedigen wollen.

     
  3. ein anderer Stefan

    11. Februar 2014 at 22:41

    Geht mir ähnlich. Der „Fall“ Edathy zeigt, dass man es nicht mehr verläßlich beurteilen kann. Der Hinweis kam aus Kanada – Five Eyes, anyone? Eigentlich müsste man jede Anklage, die sich auf beschlagnahmte Datenträger bzw. deren Inhalt stützt, sofort platzen lassen, weil es ja möglich ist und auch gemacht wird, dass Fremde beliebige Daten auf den eigenen Rechner packen, ohne dass man es merkt. Der Grund, Edathy zu demontieren? Er hat sich als Vorsitzender des NSU-Ausschusses bei den Diensten sicher keine Freunde gemacht.

    Ich glaube, der größte Schaden der Abhöraffäre wird das Vertrauen in die Politik sein – das war zwar schon vorher nicht sehr groß, aber jetzt muss man davon ausgehen, dass die Politik (und die Dienste) grundsätzlich nicht im Interesse der Bürger agiert. Im Grunde muss man jede Entscheidung mit einem Cui Bono hinterfragen – wer profitiert davon? Militär, Industrie, Finanzsektor, die Politik selber, allzu eigenständig agierende Dienste? Der Bürger ist nicht auf dieser Liste.

     
  4. lawgunsandfreedom

    11. Februar 2014 at 22:43

    Es ist FUD

    Das ist die Vorstufe zur Paranoia und mir geht’s nicht anders. Jedesmal wenn ich was blogge stelle ich mir die Frage, ob mir jemand Infos untergeschoben hat, ob meine Recherche tatsächlich korrekt ist, ob ich alle Standpunkte und Blickwinkel bedacht habe, ob ich die Quellen der Quellen und manchmal sogar tiefergehend geprüft habe – oder ob ich mich und andere auf eine Spur bringe, von der andere Leute wollen, daß ich sie lege.

    Ich weiß zu viel über die Arbeitsweise von Medien, Diensten und Spin-Doktoren. Ich weiß, wie PsyOps und Manipulation funktionieren. Nicht zuletzt, weil ich lange im Medienbereich gearbeitet habe und die Methoden gut kenne. Man könnte ein großes Muster, eine Verschwörungstheorie, dahinter vermuten. Aber meines Wissens ist es nur die Gier nach Kontrolle, Macht und Geld, die die unterschiedlichsten Menschen und Gruppierungen zu einem Verhalten treiben, was man – oberflächlich gesehen – für eine gemeinsame Weltverschwörung halten könnte. Doch wenn ich mir das Verhalten der Five-Eyes ansehe, dann komme ich langsam zum dem Schluß, daß da doch was dran sein könnte.

    Um es mit R.A. Wilson zu sagen: Wo sich 2 Leute zu einem gemeinsamen Unternehmen verabreden – egal wie „legal“ es ist oder zu sein scheint – verschwören sie sich gegen andere und auf deren Kosten. (Operation MindFuck macht nur Spaß, wenn man die Angelegenheit selbst kontrolliert. Für andere ist das meist nicht besonders lustig).

    So oder so – diejenigen, die unsere Meinung und Wahrnehmung auf die unterschiedlichsten Arten zu beeinflussen versuchen, scheinen zu gewinnen. Vielleicht sollte ich einfach das selbständige Denken aufgeben und ein braves Schaf sein?

     
  5. Michi

    12. Februar 2014 at 02:35

    Die Sache mit Edathy stinkt zum Himmel. Erst gibt er aus dem Nichts sein Bundestagsmandat ab und jetzt will man ihm KiPo anhängen. Zwar nur ein „minder schwerer Fall“, aber das Wort steht im Raum.

    Und damit ist der Mann erledigt. Entweder stimmt der Vorwurf, dann ist er zu Recht dran. Oder aber er stimmt nicht, das kriegt dann aber keine Sau mehr mit und das Etikett bleibt auf ewig an ihm kleben.

    Da es ja kein Geheimnis mehr ist, dass Beweise bei Bedarf gern mal untergeschoben werden, war genau das mein erster Gedanke, als ich von der Sache erfuhr. Gesundes MIsstrauen oder schon Paranoia? Ich weiß es nicht…

     
  6. tm852

    12. Februar 2014 at 07:09

    Hei wir haben Demokratie. Das sind die Leute die Ihr gewaehlt habt und denen vertraut Ihr nicht? Sie haben es sogar geschaft das die Union ueber 50% kommt. Praktisch alleine regiert. Also muessen die Leute doch sowas von zufrieden sein. Ich finde das mit der Hundescheisse ziemlich treffend. :-)

     
  7. Fritz (@Fritz)

    12. Februar 2014 at 08:15

    Ja, man befindet sich im Spiegelkabinett, aber war man nicht immer schon? Es gibt allerdings jetzt so etwas wie eine Verbesserung der Lage: Noch nie wurde so viel geleakt wie heute. Vor ein paar Tagen erst hatten wir den Fall, dass die amerikanische Regierung (Victoria Nuland) abgehört und der Originalmitschnitt online gestellt wurde. Das heißt: Sich auf die extra dreckige Art zu „verschwören“ ist viel gefährlicher als früher. Meiner Einschätzung nach droht heute jeder großen Manipulation, früher oder später aufzufliegen. Sehr gut sichtbar wird das im Finanzsystem, in dem jetzt allmählich alle „dreisten Machenschaften“ auf den Tisch kommen. Und das wird dann meistens auch ziemlich teuer. Es ist niemand mehr sicher, zumal Promis sollten lieber sauber bleiben. Jemand wie Ackermann war schlau und hat sich dagegen mittels Erinnerungsvermögen gewehrt – er hat ausschließlich mündlich kommuniziert. Das Äußerste, was man von ihm geschrieben findet, ist: „Bitte um Rückruf.“ Das war schon eine Reaktion auf den gestiegenen Bedarf an „Rechtssicherheit“. (Ein ähnliches Verfahren wendet Merkel an, die als „Geheimkanzlerin“ agiert – um „konfliktsicher“ zu sein, sagt sie einfach öffentlich kein Ton mehr dazu, was sie denkt und vorhat. Schweigen auf hohem Niveau. )
    Das alles nur, um das Spiegelkabinett mehr auszuleuchten. Bei Edathy würde ich annehmen, dass er angreifbar war – und die Geheimdienste das als erste wussten. Ob wahr oder falsch – die Lehre ist, dass auch auf höheren Etagen jeder darauf achten muss, clean zu bleiben. (Übrigens könnte mE auch Erdogan durch „Akteneinsicht“ aus den USA unter Druck geraten sein – die Türkei ist wichtiger geostrategischer Posten und Erdogan schien zu weit Richtung „islamistische Agenda“ abzudriften … eigentlich logisch, dass man da mal nachguckt, wie man den vllt wegkriegen könnte.)

     
  8. Thomas Weiss

    12. Februar 2014 at 11:49

    Mir geht es manchmal – und damit viel zu oft – sehr ähnlich.

     
  9. Britta Pflugbeil

    12. Februar 2014 at 18:36

    Mir auch – mein erster Gedanke nach der Edathy-Melung war: „Werden gerade reihenweise nützliche Idioten ‚abgeschaltet‘, die ihren Zweck erfüllt haben?“
    Eine Sekunde später war irritierte mich der Gedanke, ich ordnete ihn unter „beginnende Paranoia“ ein und begann halbautomatisch, über Frau Schwarzer, das Subventions- und BILD-Maskottchen, nachzudenken…

    Die Desinformationsmaschine läuft 24 Stunden am Tag auf vollen Touren, und der Normalbürger bekommt nur noch durch Zufall mit, was Fakten sind. Während die gesamte Euro-Funktionärs- und Gutegesinnungsfront unisono über die schweizer Volksbefragung jaulte und ein Viertes Reich heraufbeschwor, während sie gleichzeitig den Schweizern drohte, wie ein Schutzgelderpresser zum Pizzabäcker spricht, gab es auf 3sat eine sachliche, mit Wortlaut und juristischer Einschätzung arbeitende Berichterstattung.

    In bundesdeutschen Mainstream-Medien: kein Wort davon. Immer öfter denke ich als Medienendverbraucher an Brechts Worte:

    „Was er – für Geld – da spricht, ist gut gesprochen.
    Was er – umsonst – verschweigt: Die Wahrheit wär’s gewesen.“

    Und danke, daß Du Deine Eindrücke mit uns teilst.

     
  10. Rabin

    13. Februar 2014 at 08:44

    Zugegeben ich hatte einen ganz ähnlichen Gedanken in Bezug auf Edathy. Auch wenn ich diese Angelegenheit nicht weiter verfolgt habe.

     
  11. DFranzenburg

    13. Februar 2014 at 17:13

    Hat was Stay-behind-mäßiges an sich.

    „Manchmal macht es schnipp, wenn ich etwas schreibe, von dem ich vermute, dass es mir irgendwann schaden könnte.“ Vielleicht – nein eher sicher – ist dies mitunter ein Grund für das derzeit überall vorherrschende Politikerhandeln. Aber so darfst Du nicht mal denken. Wenn doch, haben sie schon gewonnen… Aber, ja, mir geht’s auch so. :-(

     
  12. Vogel

    2. März 2014 at 16:58

    Tach Vera, „schöne“ Sachen, die Du da so schreibst; Du wirst auch gelegentlich in der Voreifel gelesen; will nur ‚mal Hallo sagen – und: Schmeiß die Schere weg!

     
 
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