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Die Presse echauffiert sich

14 Aug

Im Zusammenhang mit den Krisen in der Ukraine und in Gaza wird deutschen Medien verstärkt vorgeworfen, sie seien „gleichgeschaltet“. Das ist nicht neu. Neu ist die konzertierte Abwehr der Medien – eine wahre Ignoranzallianz.

Die Medien reagieren. Doch nicht auf die Kritik: Vor lauter Abwehrgesten, selbstgehäkelten Kommentarregeln und operativer Hektik kommt offenbar niemand darauf, die Vorwürfe für bare Münze zu nehmen und ihnen auf den Grund zu gehen. Beleidigt sein bringt eben schneller Artikel hervor, als die Auseinandersetzung mit den Kritikern.

Ziehen wir den ursprünglichen Sinn des Wortes Gleichschaltung und die notorischen Nullkommentare doch einmal ab. Übrig bleibt das negative Medienbild, das immer mehr Konsumenten haben. Ihre Kommentare werden nicht als Kritik verstanden, sondern als nervige Meinungsäußerungen abgetan, gegen die man sich wehren muss. Dabei sind diese Kommentatoren wirklich sauer. Auch wenig reflektierte Anmerkungen drücken Unwillen aus; dass sie oft hilflos wirken, ist kein Wunder.

Die Wut ist leicht zu erklären: Leser und Zuschauer haben gründlich satt, was dessen Hersteller so gerne als Qualitätsjournalismus bezeichnen. Viele Artikel werden einfach von Agenturen übernommen und nur geringfügig verändert, ergo sind in n Medien die gleichen Inhalte zu lesen. Für die Präsentation öffentlich-rechtlich gefälschter Rankingergebnisse ist eine Zwangsabgabe fällig. Ein kabarettistischer Beitrag wie der der Anstalt über die transatlantischen Verquickungen namhafter Journalisten führt höchstens noch zu müdem Schulterzucken – so etwas haben wir doch längst geahnt. Und im Medienmedium Altpapier können wir lesen:

Dass Nachrichtenredakteure des Spiegels oder der DPA, […] Nachrichten generieren, indem sie stundenaktuelle Google-Such-News scannen, sollte man jedenfalls im Hinterkopf haben.

Das alles ist in den Augen vieler nur die Bestätigung dessen, was sie schon lange fühlen: Für eine breite Öffentlichkeit ergibt sich das Bild einer auffällig homogen berichtenden, eng mit der Politik verzahnten Presse. Wie weit das den Tatsachen entspricht, steht nicht zur Debatte. Die Verantwortlichen begegnen der massiven Kritik mit der Forderung nach „harter Moderation“. Fehler machen nicht sie, sondern die Leser, die lästigerweise beinahe überall ihre Meinung äußern können und das auch tun. Hinter scheinbar unsachlichem Meckern vermuten die Beleidigten nicht einmal begründete Kritik. Den ernsten Hintergrund nehmen sie nicht wahr. Dabei suchen sie seit Jahren nach dem wahren Journalismus, der sich zudem gut verkauft. Einen Zusammenhang stellen sie jedoch nicht her.

Sie träumen vom Ideal einer Diskussion unter Gleichen. Wer sich nicht fundiert und wohlerzogen äußert, wer nicht mit dem gehörigen Bildungshintergrund glänzen kann, wer noch nicht einmal eine Kundennummer hat, ist kein ernstzunehmender Gesprächspartner. Die nicht so Eloquenten gehen unter. Glaubwürdiger werden „die Medien“ so nicht, vielmehr fügen sie der ohnehin negativen Wahrnehmung noch elitäres Gebaren hinzu.

Sie stellen sich eine Kundschaft vor, wie es sie einst in der übersichtlichen Print-Einbahnstraßen-Welt gab. Leserbriefe kamen von Abonnenten, unliebsame wurden gleich in den Rundordner befördert, und des Abdrucks war nur würdig, wer den Schachtelsätzen der Verfasser rhetorisch Gleichwertiges entgegensetzen konnte.

Waren denn die unzähligen „wir haben verstanden“-Texte aus ungezählten Journalisten-Tastaturen nur schöner Schein? Den Leser ernst nehmen – aber nur, wenn sich der mit gebührendem Respekt nähert? Wenn die Journaille Populismus bis zur Schmerzgrenze betreibt: Weshalb sollen die Leser das nicht auch dürfen? Konsumenten merken genau, wenn sie nicht respektiert werden, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird. Natürlich wehren sie sich dagegen, nun, da sie es endlich können, und bedienen sich dazu selbstverständlich der Mittel, die man ihnen vorgibt.

Das Problem betrifft längst nicht mehr einzelne Personen, Blätter oder Sender. Längst lehnen viele Menschen „die Medienin ihrer Gesamtheit ab. Diese Verallgemeinerung schadet allen Medienschaffenden. Alles fällt auf alle zurück. Die Chance zur ehrlichen Auseinandersetzung mit den eigenen Leistungen wird einmal mehr nicht genutzt. Der Kommentarkultur die Schuld zu geben, ist bequem, füllt den Platz und sorgt für empörte Klicks. Zielführend ist es nicht.

Nachtrag, 27. August:

 
19 Kommentare

Verfasst von - 14. August 2014 in Journalismus, Medien, Web 2.0

 

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19 Antworten zu “Die Presse echauffiert sich

  1. pgeofrey

    14. August 2014 at 12:18

    Sehr gute Analyse!

     
  2. Heide Helga

    14. August 2014 at 13:10

    Hat dies auf Heide Helga rebloggt.

     
  3. GrooveX

    15. August 2014 at 09:01

    nun, es gibt da diese diskrepanz in der wahrnehmung der ‚medienschaffenden‘ und der ‚konsumenten‘. letztere sehen sich im kommentarraum nämlich als rezipienten und eben nicht als konsumenten, und sie sehen erstere als genau das, was diese sich selbst zuschreiben, als medienschaffende. erwarten tun sie allerdings rechercheure, die ihre veröffentlichten recherchen zur disposition stellen. oder auf gut deutsch, die leute merken, dass sie vom medienbussineß erst inhaltlich mit geschaffenen medien betrogen und danach als konsumenten degradiert werden. das schafft säuernis! und daran werden selbstzuschreibungen wie qualitätsjournalismus niemals nie nichts ändern. die verstärken nur den widerwillen. ‚die medien‘ und glaubwürdigkeit sind ein widerspruch in sich. das war schon immer so und auch schon immer so richtig und wird inzwischen glücklicherweise von immer mehr menschen erkannt.

     
  4. ClaudiaBerlin

    15. August 2014 at 09:48

    Es ist aber auch Fakt: Kommentarbereiche, in denen das „Erbrochene“ eine dominierende Rolle spielt, schrecken andere ab, weil man sich das nicht antun will.

    Was die „Gleichschaltung“ angeht, hab ich in letzter Zeit mehr darauf geachtet, ob dem wirklich so ist. Und ja, in vieler Hinsicht ist der Vorwurf berechtigt, oft aber auch nicht. Zum Beispiel schreibt die SZ oft mit völlig anderer Tendenz als die FAZ – fällt das keinem der Kritiker auf?

    Ich finde die „Vorwurfskultur“ derzeit insgesamt zu pauschal!

     
  5. Joachim

    15. August 2014 at 18:09

    Das habe ich auch beobachtet. Ausgerechnet im Radio (ÖR, z.b WDR5) verteidigen die Sprecher in letzter Zeit ziemlich häufig und deutlich ihre „Unabhängigkeit“ und „Ausgewogenheit“. Und da stimmen einige der Attribute/Vorwürfe aus dem Blog nur (im Vergleich zu Privaten) zum Teil. Und tatsächlich haben die Zuhörer schon mal „nicht professionelle“ Meinungen und der Redeaktor blickt es schon mal nicht.

    Dies ausgerechnet, wenn es um Konflikte geht, die mit Ethnien, Religion und Auseinandersetzung mit bewaffneten Konflikten zu tun haben. Im Radio nehmen die das zur Kenntnis. Gut so. Nur, wäre da nichts dran, dann wäre das auch nicht notwendig.

    Fakt ist, gerade die ÖR haben ein Problem damit umzugehen und dies zu ändern. Obwohl der Wille durchaus besteht. Es trifft hier wohl die Besten am meisten.

     
  6. Josch

    16. August 2014 at 12:40

    Viele Alternativen haben die ‚Qualitätsmedien‘ nicht zur Verfügung. Bereits der junge Redaktionsvolontär wird auf Linie getrimmt, ideologische Kursabweichungen in der Dienstakte vermerkt. Dazu John Swinton, ehemaliger Chefredakteur der New York Times bei seiner Abschiedsrede zum Ruhestand im Jahre 1880:

    „Eine freie Presse gibt es nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Weltgeschichte. Sie wissen das, und ich weiss es. Nicht ein einziger unter Ihnen würde es wagen, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn Sie es täten, wüssten Sie im voraus, dass es nie im Druck erscheinen würde. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, meine ehrlichen Auffassungen aus der Zeitung draussen zu halten, mit der ich verbunden bin. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Saläre für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so töricht wäre, ehrliche Überzeugungen zu schreiben, wäre auf der Strasse, um sich nach einem anderen Job umzusehen. Wenn ich zulassen würde, dass meine ehrlichen Meinungen in einer Ausgabe meiner Zeitungen erscheint, ginge es keine 24 Stunden und meine Berufstätigkeit wäre vorbei. Das Geschäft des Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, rundheraus zu lügen, zu verdrehen, zu verleumden, zu Füssen des Mammons zu kriechen und sein Land und sein Geschlecht für sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es, und ich weiss es. Und was für eine Dummheit ist dieses Anstossen auf eine freie Presse? Wir sind die Hampelmänner, die tanzen, wenn sie an den Fäden ziehen. Unsere Fähigkeiten, unsere Möglichkeiten und unsere Leben sind alle das Eigentum anderer Leute. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

     
  7. dr0mabuse

    17. August 2014 at 12:59

    Hat dies auf Jochens Sozialpolitische Nachrichten rebloggt und kommentierte:
    Passt zu dem folgenden Beitrag: die 4. Gewalt. Schon Tucholsky hatte sie durchschaut und mit der „Weltbühne“ einen Gegenentwurf abgeliefert.

     
  8. Klaus D. Mueller

    18. August 2014 at 11:59

    „Jeder Idiot darf Journalist werden, das garantiert das Grundgesetz, und viele werden es auch tatsächlich, das kann man Tag für Tag in den „etablierten“ Medien nachlesen, angucken, anhören. Und, richtig: Im besten Fall wird Fehlverhalten sanktioniert. Im Regelfall bleiben Lügen, Fehler, Verdrehungen, Versäumnisse und Manipulationen – selbstverständlich – unkorrigiert und ungesühnt.“ (Niggemeier, taz, 22.12.2007)

    „Jedes Wort, das er (der Journalist) spricht ist Lüge.“ (Karl Kraus)
    „Dergleichen ist heute, annähernd ein Jahrhundert später, fast Allgemeinplatz.“ (Henscheid)

    „Er ist dumm wie drei Journalisten“ (Volksweisheit)

    Wir wissen, was die Wahrheit ist und was in der Zeitung steht, ist vollkommen unbedeutend.
    Wenn man weiß, wie Informationen in Zeitungen kommen, wenn man darein nur einen kleinen Einblick hat, dann ist einem das nicht mehr so wichtig, weil man weiß: Es ist so viel Quatsch, was da geschrieben wird. (Kai Wiesinger, Schauspieler, 2014)

     
  9. wschira

    18. August 2014 at 12:55

    Dazu vielleicht ein Beispiel aus dem Netzauftritt der Süddeutschen. Von Anfang der Ukraine-Krise an wurde negativ über die sogenannten Separatisten/“Terroristen“ und Russland berichtet. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da die Protagonisten Kornelius, Kahlweit, Ullrich, Hans und andere als russophob gelten und teilweise mit CIA gesponsorten amerikanischen Think Tanks eng verbandelt sind. Da trotzdem ein nicht geringer Teil der Leserschaft dies massiv kritisiert hat, erschien ein Kommentar mite dem Titel: „Moskaus Trolle“. Hier wurden alle, die der Linie der Süddeutschen nicht folgen wollten, pauschal als Trolle Moskaus, manche sogar als bezahlte Trolle bezeichnet. Diese Linie verfolgt die Süddeutsche bis heute. Wenn man dann Foristen, die in die gleiche Kerbe schlagen, kritisiert, wird man oft nicht veröffentlicht und es wird sogar, wie es mir passiert ist, mit Sperrung des Accounts gedroht.
    Neuerdings will die SZ ihr Forum umgestalten, angeblich weil zuviel Schmähkritik gepostet wurde. In meinen Augen soll aber nur das Forum besser im Sinn der SZ gelenkt werden.

     
  10. Martin Heinhols

    18. August 2014 at 14:46

    Auffällig ist auch, wie beispielsweise besondes bei Tagesschau.de und spiegel-online verfahren wird. Es wird zwar angeblich jedem Nutzer die Möglichkeit gegeben, sich in den Foren zu den unterschiedlichsten Themen zu äußern. Das kann man tatsächlich auch machen. Kritik ist offenbar geduldet. Wenn Kritik an ANDEREN geübt wird. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, sobald etwas nur ansatzweise nach Medienkritik aussieht, werde ich zensiert. Es wird einfach nicht veröffentlicht. Und das, obwohl ich mich niemals unsachlich oder gar beleidigend äußern würde.
    Und dann wundern sich die Medien, dass sie als gleichgeschaltet wahrgenommen werden? Sehr eigenartig. So viel Verdrängungsmechanismen möchte ich auch besitzen – also im psychologischen Sinne.

     
  11. Dolph

    18. August 2014 at 15:05

    @ClaudiaBerlin:
    Wo bitte haben Sie in den letzten Wochen oder Monaten einen inhaltlich wirklich relevanten Unterschied in der Berichterstattung oder Kommentierung entdeckt? Ich schenke Ihnen ein Pony, wenn Sie auch nur einen einzigen nennen können. Ich könnte das Geschreibsel von Frankenberger und Kornelius jedenfalls nicht unterscheiden, wenn der Name nicht darunter stünde.

     
  12. Ferris

    18. August 2014 at 23:11

    Würdest du es denn, Opalkatze, gern hinnehmen, wenn sich in deiner Kommentarfunktion ständig die übelsten Schmähungen und schlimmsten Verwünschungen fänden, unsachliche Kritik, in der du beständig als Idiotin oder bezahlte Lobbyistin, als gleichgeschaltet und wechselweise als von der Bundesregierung, von Brüssel, der CIA, der NSA, von Apple und Microsoft, den Russen oder den Chinesen ferngesteuert bezeichnet wirst? Ja sicher, da würdest du bestimmt noch viel fleißiger und engagierter an deinem Blog feilen und versuchen, mit den Kritikern in eine sachliche Auseinandersetzung treten, was? Moment, ich gehe grad mal in den Keller, um mich zu bepissen vor Lachen.

    Warum eigentlich sollten sich Journalisten nicht mal äußern dürfen, wenn sie permanent derselben ungerechtfertigten Kritik ausgesetzt sind? Müssen sie ausgerechnet dem kleinen Teil unter den Foristen, die am lautesten und am unverschämtesten schreien, auf ewig unkommentiert das Feld überlassen? Konzertierte Ignoranzallianz? Opalkatze, sei nicht stolz auf diese Wortschöpfung. Sie ist reiner Quatsch. Journalisten sind keine öffentlich bestellten Watschenmänner, die sich alles bieten lassen müssen. Und es sind keineswegs „die Leser“, die sich in den Foren der News-Seiten so aggressiv austoben. Es handelt sich um eine kleine Gruppe Pöbelanten, die ungerechtfertigt viel Aufmerksamkeit gewinnen. Das liegt leider in der Natur der Sache.

    Denn eine Kommentarfunktion auf einer News-Seite hievt Kommentierende auf die gleiche Stufe wie die Journalisten, vielleicht sogar noch eine Stufe höher. Sie bekommen nämlich präzise die gleiche Öffentlichkeit wie der von ihnen kommentierte Beitrag. Dagegen gibt es zunächst nichts einzuwenden, das will ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen.

    Es ist den Foristen aber mehr erlaubt als Journalisten. Jeder, der jemals in Foren gelesen hat, weiß, wie einige ihre Freiheit nutzen: Sie verbreiten übelste Schmähungen, sie fordern ebenso unverschämt wie unverhohlen, dass alles, was geschrieben steht, sich mit ihrer Sicht der Welt eins zu eins zu decken hat – sonst handelt es sich nämlich eindeutig um ein Erzeugnis der gleichgeschalteten Presse, der Mainstream-Medien, der von Lobbyisten finanzierten Schreiberlinge, oder, wie etwa Forist Klaus D. Müller hier mutmaßt, schlicht von Idioten (dazu aber ausgerechnet Niggemeier als Kronzeugen anzuführen, finde ich reichlich bedenkenswert – der ist ja nun selbst Journalist). Da wird gelogen und gepöbelt, da werden Vorurteile und Hass verbreitet, und im gleichen Atemzug werden auch noch die Medien zur Sau gemacht, die diese Form der Meinungsäußerung erst ermöglichen und die notwendige Öffentlichkeit selbst herstellen.

    Und das nervt, nervt, nervt! Nee, vielmehr kotzt es mich an, mit Verlaub. Aber okay. Man muss den Rotz ja nicht lesen. Ich plädiere auch keineswegs dafür, die Kommentarspalten zu schließen oder stärker zu moderieren. Aber soll der komplette Berufsstand der Medienmitarbeiter es tatsächlich stoisch unkommentiert hinnehmen, ständig derart in der Öffentlichkeit denunziert zu werden, damit am Ende die kleingeistigen, im Kern faschistoiden Trolle ihr schräges Weltbild noch zur Mehrheitsmeinung erheben können – wie es auch hier bei einigen anderen Foristen schon passiert ist? Liebe Opalkatze, ich glaube, es hackt.

    Das Problem ist, dass die aggressiven Foristen auch von dir als „breite Öffentlichkeit“ wahrgenommen werden, Betonung auf „wahrgenommen“. Damit trägst auch du dazu bei, deren Bedeutung zu erhöhen. Und das ist bedenklich. Die Frontalangriffe auf die Medien dieser sogenannten Leser tauchen ja mit schöner Regelmäßigkeit nicht nur im Zusammenhang mit Gaza oder der Ukraine auf. Sondern zum Beispiel gern immer dann geballt, wenn von der Euro-Krise oder der AfD die Rede ist – in einem Ausmaß, dass man eine PR-Aktion dahinter vermuten möchte. Ja, ja, auch Kommentarspalten können missbraucht werden. Schwer ist das nicht. Man muss gar keine Verschwörungstheorie bemühen, um es naheliegend zu finden, dass genau das geschieht.

    Spätestens aber, wenn man das bemerkt, wird es zur minimalen journalistischen Pflicht, sich zu wehren und diese Art der Kommentare etwas entgegen zu setzen. Anders können und dürfen Journalisten darauf gar nicht reagieren.

     
  13. Georg R

    20. August 2014 at 11:00

    Lieber Ferris, dein Kommentar zeigt doch genau wo das Problem liegt – dass Kommentatoren, die eine abweichende Meinung aeussern, oder alternative Sichtweisen in vielen Medien gleichzeitig vermissen, als „Frontalangriff“, „aggressive Foristen“, „kleingeistige, im Kern faschistoiden Trolle“ wahrgenommen werden. Dass es den betroffenen Journalisten freisteht, sich auf beleidigende Kommentare entsprechend zu aeussern, wird ja garnicht in Frage gestellt. Und ja, es gibt sicherlich unsachliche, beleidigende Kommentare. Aber es gibt auch immer wieder eine Vielzahl von Kommentatoren, die sehr sachlich argumentieren und ihre Kritik an der aktuellen Berichterstattung mit konkreten Beispielen unterlegen. Und genau um diese geht es hier; warum ist es nicht in einer Veroeffentlichung von Seiten der Journalisten oder Redaktionen mal moeglich darauf einzugehen, anstatt die sachlichen Kommentare mit den unsachlichen, beleidigenden zusammen als „Frontalangriff“ abzutun? Natuerlich waere es zusaetzliche Arbeit, aber da oft immer dieselben Argumente angefuehrt werden, waere es doch lohnend, sich daran einmal abzuarbeiten und zu klaeren, warum diese immer wieder nicht aufgefuehrt oder beachtet werden. So wie jetzt bleibt der Eindruck der einseitigen Berichterstattung – und der, dass (sachliche) Kritik daran sehr unsachlich und beleidigt abgewiesen wird…

     
  14. Ferris

    20. August 2014 at 23:11

    Georg R., du nimmst hier mehrere unzulässige Pauschalisierungen vor. Du tust so, als würde ich alle Medienkritiker über einen Kamm scheren und baust darauf deine Argumentation auf. Ich differenziere aber strikt. Ich habe ausdrücklich betont, dass es sich bei den von mir so genannten faschistoiden Trollen (ich könnte genauer erläutern, warum ich sie so nenne, aber das sprengt hier den Rahmen), um einen kleinen Teil der Foristen handelt. Diese Pöbler ziehen bedauerlicherweise aber einen großen Teil der Aufmerksamkeit auf sich.

    Du pauschalisierst auch unzulässig, wenn du behauptest, über sachliche Kritik würden die Medien hinweggehen. Das mag im Einzelfall mal so sein, ich kann dir aber aus eigener Erfahrung sagen (ja, ich oute mich als Journalist), dass das grundsätzlich keineswegs stimmt. Das Gegenteil ist der Fall. Und zwar schon im ureigenen Interesse der Medien.

    Ein Medium, das mit seinen Aktivitäten Geld verdienen möchte, tut sehr gut daran, sich ernsthafte, sachliche Kritik der Leser anzuhören und zu Herzen zu nehmen. Eine der journalistischen Grundregeln lautet sogar: Der Leser hat Recht. Das ist weiß Gott keine neue Erkenntnis. Schließlich geht es am Ende darum, ein Produkt – News – zu verkaufen. Wenn daran etwas nicht stimmt, ist das schlecht fürs Geschäft. Jeder halbwegs vernünftige Journalist hat deshalb für sachliche Kritik ein offenes Ohr. Die anderen bleiben nicht lange in dem Job.

    Deshalb auch kann man entgegen deiner Behauptung etwa in Internetmedien sehr oft beobachten, dass Beiträge nachträglich auf Anregung von Lesern geändert wurden, etwa, wenn diese sachliche Fehler bemerkten. Bei Kommentaren gibt es das selbstverständlich nicht. Das sind ja von vornherein Maschinen, die Gegenkommentare produzieren sollen.

    Der so oft vorgetragene Vorwurf von der Gleichschaltung der Medien ist jedenfalls absolut haltlos. Man muss sich nur mal die Mühe machen, sich die Berichterstattung und insbesondere die Kommentierung verschiedener Medien von taz bis Welt anzusehen. Die weisen eine erhebliche Bandbreite auf. Es kann in einer halbwegs freien Presselandschaft auch gar nicht anders sein. Dafür sorgen die Gesetze des Marktes. Wenn einige Medien von der wahrheitsgemäßen Berichterstattung abweichen wollten, um „Stimmung zu machen“, wie da wohl verschwörungstheoretisch unterstellt wird, würden sich die Leser doch sofort den Medien zuwenden, die sich weiter an die Tatsachen halten. Tendenziell setzt sich so immer die Wahrheit durch. Pech für die, denen die Wahrheit nicht passt. Für alle anderen ist es ein Gewinn.

    Wenn die Berichterstattung in verschiedenen Medien gleichlautend klingt, liegt es im Übrigen meist daran, dass Fakten Fakten sind. Bei Fußballspielen wundert sich ja auch keiner darüber, dass von „Taz“ bis „Welt“ alle die gleichen Ergebnisse veröffentlichen, oder? Da gibt es einfach nicht die von dir geforderten „alternativen Sichtweisen“.

     
  15. malvar infected

    21. August 2014 at 15:49

    Was du hier schreibst, klingt sehr vernünftig. Allerdings finde ich auch, dass der von dir verlinkte FAZ-Kommentar vernünftig klingt und nur wenig mit dem zu tun hast, was du hier den Medien vorwirfst:
    Du schreibst, dass die Medien nicht erwarten dürfen, dass ihre Kommentatoren das gleiche sprachliche Niveau erreichen wie ausgebildete Journalisten. Der FAZ-Artikel kritisiert in erster Linie, dass sehr viele Leute extrem beleidigend werden und das „Kritik“ nennen und wenn dann diese Kommentare gelöscht werden, „ZENSUR!!!111einseinself“ schreien. (Nebenbei erwähnt: Beleidigungen dieser Art sind strafbar und wenn eine Redaktion sie nicht löscht, kann sie dafür sogar selbst strafrechtliche Probleme kriegen!)

    Deine Aussage ist vollkommen korrekt, aber die Kritik an solch schlechten Manieren genauso! Derartige Kommentatoren direkt als Trolle zu bezeichnen, ist sicherlich nicht richtig, aber ehrlich gesagt, sehe ich darin eher eine Beleidigung aller Trolle.

    Kritik zu äußern ist gut und ob „die Medien“ auf angemessen geäußerte Kritik reagieren, ist ein sinnvolles Thema. Dass Journalisten gegenüber vollkommen assozialen Proleten, die nicht in der Lage sind, sich wie zivilisierte Menschen zu äußern, ablehnend reagieren, finde ich aber vollkommen nachvollziehbar. (Rhetorische Fähigkeiten haben damit wenig zu tun, man kann auch mit wenig sprachlicher Begabung ein paar Sätze zusammenkriegen, ohne dabei explizite Beleidigungen zu verwenden…)

     
 
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