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#btada: Die Verkündigung der Digitalen Agenda · PK am 20. August, 11 Uhr

19 Aug

Sicherer, schneller, breitbandiger – was sich anhört wie die Verwirklichung lang geträumter Wünsche, wird morgen bereits als erfolgreiches politisches Konzept verkauft werden, wenn de Maizière, Gabriel und Dobrindt ihre Digitale Agenda vorstellen. Die Informierteren, die die Presse so gerne „netzaffin“ nennt, werden sich wieder einmal in einer Parallelwelt wähnen. Das poplige Volk, sofern es sich für solches Digitalgedöns überhaupt interessiert, wird skeptisch bis freudig auf etwas mehr Leistung für den Empfang des heimischen Videoprogramms hoffen. Vor allem aber auf „mehr Sicherheit“. Die soll es bekommen, nicht nur vor Cybermobbing und bei Einkäufen im Internet, sondern überhaupt, rundum und überall.

Was haben wir? Natürlich noch nichts Genaues, die Vorstellung findet ja erst morgen statt. Das mediale Geschepper im Vorfeld macht aber schon klar, wer das Sagen hat: Es ist weder der Wirtschafts- noch der Verkehrsminister. Schließlich geht es um äußere wie innere Sicherheit, alles andere ist in den Augen des Bundesinnenministers nur Beifang. Vielleicht hat er in der letzten Zeit eine der Dokus gesehen, in denen „gute“ Hacker erfolgreich versucht haben, in die internen Strukturen von Stromversorgern oder Wasserwerken einzudringen. Jedenfalls stellt er sich vor, dass Unternehmen Hackings brav melden sollten und Infrastruktur endlich sinnvoll geschützt werden muss, von den Segnungen möglichst lückenlosen Überwachung und dem Schutz transatlantischer Beziehungen ganz zu schweigen. (Wer schon mal ein Bullshit Bingo anfertigen möchte …? [Danke.])

Es wird mit vielen Worten um neblige Vorteile für den Verbraucher gehen (Breitband bis 50 MBit in Stadtnähe bis 2025 oder ähnlich), und die gemeine Wirtschaft wird gefällige Buketts überreicht bekommen. Das recht Eigentliche, wie Fontane es immer so schön ausdrückte, wird nur in ein paar kargen Nebensätzen gestreift werden, ebenso, wie die Industrie, die an all diesen Vorkehrungen das Meiste verdient, gar nicht vorkommen wird. Der Innenminister kann mittlerweile beruhigt voraussetzen, dass die Bevölkerung Sicherheit als Wert an sich zu würdigen weiß. Der stete Tropfen hat sein Werk getan, oder besser: der Dauerguss aus den akkordierten Rohren von Behörden, Verbänden und Medien. Und jetzt steht auch noch der Russe vor der Tür.

Die Nachricht von dieser Pressekonferenz wird sein, dass es jetzt! vorwärts in die Zukunft geht, niemand Angst vor Hackern haben muss und alle irgendwann ganz sicher flackerfreie Videos gucken können. Die Sicherheitsindustrie aber wird frohlockend anstoßen. Hinter lautlos und sorgsam verschlossenen Türen.

 

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4 Antworten zu “#btada: Die Verkündigung der Digitalen Agenda · PK am 20. August, 11 Uhr

  1. AlterKnacker

    19. August 2014 at 16:45

    Hattest Du einen solchen Beitrag nicht schon vor 5 oder 6 Jahren geschrieben?

     
  2. opalkatze

    19. August 2014 at 17:51

    EINEN?

     
  3. Airtower

    19. August 2014 at 23:22

    In den WDR5-Nachrichten gab es eben folgende schöne Formulierung dazu, daß die geplante Meldepflicht für erfolgreiche IT-Angriffe auf fast nichts zusammengestrichen wurde: „…die Unternehmen fürchten um ihren guten Ruf und haben das Gesetz entschärfen lassen.“

     
 
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